Immens wichtig bei der Frage, wie mit allem möglichst hilfreich umgehen: Freunde!

Juli 28, 2015 - Eine Antwort

Bei der Frage, was wesentliche Faktoren sind, mit der eigenen Malatschik, dem eigenen Leiden, dem Leben und Sterben möglichst gut zurechtzukommen, glaube ich, dass gerade hier an diesem Ort der Bedeutung von Freunden bislang viel zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Neben der eigenen Familie, möglicherweise einem Partner, Nachbarn, weiteren Bezugspersonen, Pflegekräften, KollegInnen… halte ich Freunde für absolut wesentlich, wenn es um die Erörterung wichtiger Entscheidungen und grundsätzlicher Überlegungen geht.

Mit der eigenen Familie sind wir „verstrickt“, ein potentieller Partner ist ebenso mehr oder weniger zwangsweise mit einbezogen und konfrontiert, aber wirkliche Freunde, die haben den nötigen Abstand und doch das entsprechende Interesse, alle Seiten wissen hoffentlich um die immense Bedeutung solcher Freundschaft, und freuen sich darüber, füreinander wichtig zu sein.

Schon beim alten Hiob spielen Freunde in der sprichwörtlichen Not eine entscheidende Rolle. Leary betonte ebenfalls die Bedeutung seiner Freunde, wenn es darum geht, den Zeitpunkt seines Sterbens zu bestimmen, und ich finde, Freunde sind zum einen da, „Werbung“ für das Leben und die Gemeinschaft zu machen, ihre eigene Meinung zu vertreten, aber dann, soweit sie können, auch die Entscheidungen des Freundes zu respektieren und gegebenenfalls mitzutragen, auch wenn sie teilweise anderer Meinung sind.

Dabei schreibe ich nun weder über Facebook“freunde“, oder jene „Freundschaften“, die sich im Urlaub oder zwischen Tür und Angel mal für einen Moment ergeben. „In der Jugend schließen wir Freundschaften, später nur noch Bekanntschaften“ (MJ), und zu einer Freundschaft gehört sicher eine gewisse „Bewährung der Zeit“. Dadurch ist die Anzahl begrenzt, je älter Menschen werden, desto seltener und kostbarer scheinen mir solche Freundschaften zu werden, und ich glaube, dass es bei der Frage im Umgang mit der eigenen Malatschik, wie es gelingt, weiterhin möglichst viel Sicherheit und Lebensqualität sich zu bewahren, in geradezu oft entscheidender Weise darauf ankommt, inwieweit es uns gelungen ist und gelingt, Freundschaften zu bewahren, zu halten oder neue zu entwickeln.

Malatschik zu haben und Freunde – oder keine Malatschik und keine Freunde: das mag eine mühselige Frage sein, ein fast nutzloses Gedankenexperiment, und doch finde ich, ist es an der Zeit, hier einmal die Wichtigkeit „echter Freundschaft“ angemessen zu erwähnen.

Wer wirkliche Freunde hat, für jeneN ist selbst so eine Malatschik mit allen Konsequenzen sicher viel leichter zu ertragen.

Neben der Kunst des Trauerns, einer hoffentlich hohen psychischen Beweglichkeit, Begeisterungsfähigkeit, Verve, glaube ich, dass die Bedeutung von Freundschaften in Bezug auf unsere Lebensqualität gar nicht überschätzt werden kann.

Viele werden dies nun für völlig selbstverständlich und für banal halten. (Herzlichen Glückwunsch!) Andere mögen möglicherweise überhaupt nicht wissen, wovon hier die Rede ist, einige haben bereits den Kontakt zu ihrer Familie enttäuscht abgebrochen, glauben, sie müssten alleine durchs Leben gehen, trauen sich nicht, auf Freude zu vertrauen, eigene Energie in die Entwicklung und den Ausbau solcher Freundschaften zu stecken.

Freunde sich immens wichtig. Ich bin froh, dass ich Freunde habe.

Stefan

P.S.:
was macht so eine Freundschaft aus, die ich nun hier beschreibe (oder angeberisch? besinge):

Sicher ist das für jedeN ganz anders, ich kann nur von mir aus schreiben.

Ich finde, zur Freundschaft gehört Vertrauen, eine gewisse Prüfung der Zeit. Meine Freunde mischen sich ein (ohne übergriffig zu werden), nehmen interessiert Anteil, wir tauschen uns mehr oder weniger regelmässig aus, hören uns zu.

Auch Konflikte und Störungen, Irritationen oder Entäuschungen gehören dazu, kommen vor. Eine Freundschaft ist kein Wunschkonzert, sondern ein gegenseitiges Interesse, eine gemeinsame Geschichte, das prinzipielle Vertrauen, dass der Freund/die Freundin mir wohlgesonnen ist, das Wissen darum. Malatschik hin oder her: wenn es um Freundschaft geht, sollte solch ein Schicksalsschlag in die Freundschaft eben integriert werden können, und es ist die Aufgabe von jedeR/m selbst, auf die Achtung der eigenen Grenzen zu achten, und sich selbst nicht dauerhaft zu überfordern.

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Diagnose – was nun?

Juli 5, 2013 - 5 Antworten

Eines Tages, ich hätte es nie geglaubt, wache ich auf, und die Erde bebt. Vielleicht war es auch gar nicht die Erde, sondern mein Körper, also ging ich zum Arzt oder Seismologen und der stellte fest, ja, die Befunde sprechen eine eindeutige Sprache, die Bilder und Aufzeichnungen machen es sichtbar: ich wohne in einer Erdbeben-Region. Es gab sogar schon öfters kleinere Beben, die ich wohl bislang verschlafen hatte. Es wird wohl auch noch weitere geben. Keine Versicherung der Welt will mich mehr als Kunden aufnehmen, ein Wegziehen ist mir leider auch nicht möglich – was nun?

Erstmal diskutiere ich mit dem Seismologen, der kennt sich schließlich mit der Diagnose von Erdbeben aus, aber eingestürzte Mauern wieder aufbauen, Vertrauen in den eigenen Leib wieder herstellen – da ist er kein Experte. Seine Innung ist eng verbandelt mit dem Verband der Erdbeben-Forscher, die schon seit Jahrzehnten entsprechende Mittel erproben, um das Auftreten von Erdbeben möglichst zu verhindern. Erst war man völlig hilflos. Seit einiger Zeit gibt es Hoffnung: Jahrzehntelange placebokontrollierte Studien haben schließlich ergeben, dass es hilft, sich mit einem schweren Brett kräftig jeden morgen auf den Hinterkopf zu hauen. Zumindest hat es in einigen Regionen nachweislich  gut geholfen, sodass die Betroffenen dort fleißig weiter machen, während die Personen in der Placebogruppe (Hauen ohne Brett) mangels Erdbeben inzwischen die Lust an der Studie aufgegeben haben, und abgebrochen haben. In anderen Gebieten, wo weiter Erdbeben auftraten, brachen stattdessen gerade jene die Studie ab, die sich erfolglos mit dem Brett behandelten. Hier setzten vor allem jene in der Placebogruppe verzweifelt die Studie fort, denn  es müsse ja getan werden, und zum Ende der hoffentlich erfolgreichen Studie würde ihnen dann das Geheimnis des Wirkstoffes auch verraten. Kein Wunder also, dass nach hochwissenschaftlichen Erkenntnissen sich nach dreijähriger Studiendauer zeigte, dass nach Herausrechnen aller Abbrecher in dem Gebiet, wo Menschen sich jeden morgen ein Stück Brett hart auf den Kopf schlugen, die Erdbebenquote zu 30% im Vergleich gesunken war. Was lag also näher, als sich den Experten und ihren Studien weiter auszuliefern?

Was aber, wenn es gegen Erdbeben gar keine Therapie gibt? Wenn der Seismologe nach der Diagnostik also sein Möglichstes getan hat, und nun vielleicht ganz andere Wege angesagt sein könnten, die eigene Lebensqualität möglichst zu schützen. Was tun, in dem von Erdbeben immer wieder bedrohten Land? Wer kann trösten, wer trauert mit? Wer schickt vielleicht Aufmunterung? Könnte man die Lieblingsband zum Konzert buchen, Feste feiern, die Pläne für die nächsten Wolkenkratzer und AKWs vielleicht in der Schublade lassen, stattdessen kleinere, bunte oder lustige Brötchen backen?

Diagnose Malatschik: ich glaube, es macht Sinn, bei ganz konkreten Beschwerden auch zum Arzt zu gehen, und sich zu beraten, ob es nicht Hilfe gibt. Bei mir hilft Lyrica z.B. wunderbar und kurzfristig gegen immer mal wieder auftretende Schmerzen. Dass die Medizin die MS stoppt oder eingrenzt, diese Hoffnung habe ich längst aufgegeben. Der Preis dafür (Nebenwirkungen, ständige Arztbesuche,…) war mir viel zu hoch.

Wie geht es also weiter? Ohne Hoffnung wird es kaum gehen, und wer die Hoffnung der Basistherapie braucht, dem sei sie gegönnt.  Nach Freuds Ziel, „neurotisches Elend in normales Unglück“ zu verwandeln könnte es auch gelten, Trauern oder das Unvermeintliche auszuhalten. Auf diesem Planeten ist eben Diversen im Argen. Andererseits – das Wundern und Staunen nimmt gar kein Ende.

Wann beginnt die eigene Erkrankung?

Juli 5, 2013 - 2 Antworten
Meiner Meinung nach hat man „Malatschik“ von dem Moment an, wo die Diagnose gestellt ist. Genauso ist derjenige „schwerbehindert“, der eben einen Ausweis hat.Zudem könnte man rückwirkend sagen, beginnt die „Malatschik“ ab dem Moment, wo man einen ersten ernsthaften Zweifel hat. Von da an nimmt das Unheil seinen Lauf. Der oder die Betroffene beginnt dem eigenen Körper zu mißtrauen. Fühlt sich gekränkt, krank, es stimmt was nicht mehr und wird wohl nie mehr stimmen. Rückwirkend ist dieser Augenblick, jener schmerzliche Gedanke, der sich nicht mehr verdrängen hat lassen der Beginn der „Malatschik“.

Je länger es gelingt, diese Zweifel klein zu halten, desto besser!

Vermächtnis

Dezember 7, 2006 - 10 Antworten

Als crav4del8 das ganze Elend, den Hass, den Neid und die („Malatschik!“)-Verzweiflung nicht nur in sich selbst, sondern auch in den Foren und Selbsthilfegruppen überall sah, wo nicht Solidarität und Gemeinschaft aber Selbst-Zerfleischung und Sadomasochismus pur in wahrhaft freizügiger Offenheit und Ehrlichkeit herrscht, da setze er sich vor seinen Rechner und begann schon vor langer Zeit eine Botschaft zu schreiben nicht nur aber auch an sich selbst:

Nicht Drogen noch bittere Medizin sind das Salz der Welt, sondern Eure Emotionen, Euere Freude, Eure Aggressionen, Liebe, Euere Leidenschaft und Euere Kreativität. Lebensqual und Trauer kann man nicht nachhaltig hilfreich mit Pillen bekämpfen und solch eingesetzte Mittel fressen das eigene Leben letztendlich zumeist nur auf. Hochglanzbroschüren vom Glück, „Medikamenten“-Wunder oder „Malatschik!“-Persönlichkeits-Kaffeesatzleserei sollen Deine und deren Erfinder Unsicherheit nur betäuben und sehr teuer mußt Du für diese Beruhigung bezahlen. Nichts zu tun, kann aber auch ein „Fehler“ sein, man wird es kaum je erfahren und niemand kann wissen, was für Dich ist am besten. Wüsten-Prediger versuchen sich selbst zu goldenen Kälbern zu stilisieren, doch sie sind nicht das alleinige Licht der Welt. Bis nicht wirklich größere Geister kommen und tatsächlich eine hilfreichere Idee haben, gilt es die Spannung auszuhalten und nicht den eigenen Körper und Geist nur allzu einfachen Lösungen und Versprechen zu opfern, denn ich sage Dir und mir: Eher wird eine afrikanische Mannschaft Fußballweltmeister denn daß ein Neurologe oder Psychiater zugibt, bei der Malatschik hilflos und wissenslos zu sein.

Willst Du wirklich so handeln, wie es steht geschrieben, dass wenn Dir Dein rechtes Auge Ärgernis schafft, so reiß es raus und wirf es weg? Ist es wirklich hilfreich, schon bei leichteren Verläufen z.b. das eigene Immunsystem zu zerstören und mit Chemotherapie zu zerschlagen, nur um nicht das Gefühl zu ertragen nichts zu tun? Willst Du wirklich, durch „die Malatschik!“ darniedergeworfen, nun auch Dein restliches Leben hinhalten, Deinen Körper und Deine Zeit gänzlich der Medizin und mehr als zweifelhaften „Studien“ opfern, oder einem anderen Prediger zu folgen, und sofort Deine berufliche Tätigkeit opfern nur aus omnipotenter Selbstüberschätzung somit angeblich Einfluss auf „Schübe“ zu haben? Sonne und Mond gehen auf Tag und Nacht. Nach Regen kommt oft wieder Sonne, und das Leben ist begrenzt. Gerade dies macht es besonders und auch Dein Neurologe wird nicht leben ewig. Der Mensch muss nicht sein vollkommen wie ein Gott, niemand kann so einfach aus der eigenen Haut und man prügelt seltenst auf einen Busch, hinter dem man nicht selbst gerade sitzt.

Selig sind vielleicht gerade jene, die auch Ihr Unglück können ertragen. Kreativität und Lebensfreude ist sicher nicht nur abhängig von körperlicher Stärke, aber wer vom Schicksal so schwer gezeichnet, der ist auch nicht zwangsläufig zur wundersamen psychischen Entwicklung verdammt. Wer schon vor seiner Malatschik eher tumb, den macht solch eine Erkrankung nun auch nicht gleich zum Dichter, und wer durch einen Malatschik- betroffenen Angehörigen offensichtlich bei weitem psychisch überfordert, der kann auch nicht durch das Erteilen vielfältiger ergoogelter Ratschläge und Besserwissereien einen genialen Wissenschaftler oder besonders kreativen Psychotherapeuten gleich sich nennen.

Hat man verloren von der Herde ein Schaf, so gilt es sicher zu trauern, aber gerade nicht zu vernachlässigen all die anderen Eigenschaften und Möglichkeiten, die man noch hat. Glaube mir, es kann bei weitem noch schlimmer kommen, als man jemals hat gedacht, dass es ist möglich. Aus Frust und zur Abwehr der eigenen Verzweiflung das eigene Leben jedoch wegzuwerfen ist absurder noch als das Leben schon selbst. Wer früher stirbt ist nur länger tot, und auch wenn es einem scheint nicht mehr viel wert: dieses Leben ist das einzige, das Dir ist. Wahre Freunde ringen um das Leben und gegen den „Todestrieb“ bei sich selbst und bei anderen. Die Spannung zwischen Leben und Tod macht sicher auch einen großen Teil vom Reiz und der Kreativität unserer selbst vielleicht gerade aus, aber habe Acht, dass die Seite des Lebens möglichst lange obsiegt. Menschen sind und bleiben nunmal wie Kinder. Sei nicht so streng. Je älter man wird, desto leichter könnte es fallen, ruhiger zu werden, den Tod und gar schlimme Kränkungen gelassener zu betrachten, zurückzublicken mit Großmut, Solidarität und Barmherzigkeit, Gelassenheit auch ob dem kommenden Leiden. Denn siehe: in der Welt außerhalb der (virtuellen) Selbsthilfegruppen gibt es vielleicht wirkliche Freunde und lebendige, somit auch „schöne“ Menschen, die nicht nur durch Neid und Hass auf sich selbst zerfressen nur sich vergleichen und danach suchen, dass es anderen geht noch viel schlechter, als einem selbst. Wer jung vom Schicksal so hart wird getroffen, der hat jedoch wahrlich viel mehr verloren, als unsere „Wissenschaft“ (einer der primitiveren Religionen unserer Zeit) jemals kann ermessen und durch nichts kann dieser Verlust wirklich werden geheilt. Allenfalls etwas Trost noch kann man hier erwarten, wobei auch hier man hat keinen Rechtsanspruch. JedeR strebt so gut er kann nach dem eigenen „Glück“, und wer mag es anderen verdenken, dass sich nicht jedeR will lange aufhalten in jungen Jahren, mit dem offensichtlichen Gebrechen unglücklicher Fremden? Hoffnung gibt es sicher bis zuletzt, denn:

Die Welt ist bunt und alle sind wichtig!

(26.6.06)

Ernste Warnung!

Dezember 7, 2006 - Eine Antwort

22.09.2006

Du hast Symptome, die Dir Angst machen, die möglicherweise eine Diagnose „Malatschik“ nahelegen oder nicht ausschließen? Du bist beunruhigt, Du machst Dir Sorgen? Du kannst aber Laufen, Sehen, Deine Toilettengänge laufen koordiniert? Dann nimm folgende Warnung ernst: sie kann Dir viel Leid ersparen und viel Freude lassen:

Vergiß sofort alles, was Du bisher über die Malatschik gehört und gelesen hast. Es gibt sie nicht die „Malatschik“ und schon gar nicht für Dich. Niemand weiß so genau, was „Malatschik“ bedeutet, woher sie kommt, ob es nicht viele ganz unterschiedliche Krankheiten sind, die man nur nicht unterscheiden kann, was sie begünstigt oder hemmt. Es gibt bislang keine wirklich wirkungsvolle Therapie und somit verpaßt Du auch nichts.
Wenn Du Dich beruhigen willst, dann versuche eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. (Prüfe vor Abschluss, inwieweit Du bereits durch Arztgänge diese Chance Dir hast verbaut!) Das ist die beste Vorsorge die Du treffen kannst. Wenn es irgendwie geht, versuch die beunruhigenden Symptome zu vergessen! Möglicherweise sind alternative leicht behandelbare Erkrankungen auszuschließen. Einem Verdacht auf „Malatschik“ gehe nicht weiter nach! Meide jede Beschäftigung mit dem Thema! Sofern es sich irgendwie vermeiden läßt, versuche die Diagnose zu verhindern. Man gewinnt dadurch ein wenig an Gewissheit. Gewissheit, daß man zu einer Gruppe von Betroffenen gehört, die allesamt nicht wissen, wie man damit nun klarkommen kann. Die mitsamt den Ärzten ratlos bleiben, verzweifelt und verstört. Das willst Du nicht, das musst Du Dir nicht antun.
Es gibt Berichte einer Klinik, die kaum symptombehafteten Patienten die erhärtete Verdachtsdiagnose „Malatschik“ verschwiegen hat, und die Folgen waren sehr ermutigend. Kaum jemand ist davon wieder vorstellig geworden. Ganz anders jene, die durch die Diagnose geschockt und verunsichert werden. Nur allzuoft rennen diese von Pontius zu Pilatus, versuchen verzweifelt diese oder jene Therapiemethode aus, die allesamt individuell keine Erfolge beweisen konnten. Vergiß die Idee der „Malatschik“, geh zum Versicherungsvertreter wegen der BU, (sofern das noch geht) und meide schon deshalb alle Ärzte bezüglich der Idee „Malatschik“.

Ich bin nun seit 6 Jahren von Malatschik betroffen, mehr oder weniger gezwungen mich tagtäglich damit zu beschäftigen, habe nichts gefunden, was gegen meine Malatschik wirkt und bin sicher, daß eine frühe Diagnose nur Lebenszeit und -Freude kostet.
Wer Wartezimmer, Injektionen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Neid schwerer betroffener Behinderter und hilflose Ärzte mag, die angesichts einer bislang unheilbaren Krankheit rumeiern oder sich selbst belügen bezüglich Erfolge, und angeblich anwendbarem Experten-Wissen, der ist hier allerdings vollkommen richtig.

Ich hoffe, dies war bezüglich „Malatschik“ der erste und letzte Kontakt zwischen Dir und mir. Alle anderen werden mich weiter müssen ertragen.

denn: 24.09.2006 21:57:35

Wer die Malatschik vergessen kann, der hat es am Besten!

Wer dies nicht kann, warum auch immer (heftigere Symptome, größere Ängstlichkeit…), der hast zwangsläufig ein Problem.

Wer die Diagnose hat, über dem schwebt das Damoklesschwert. Niemand weiß, was dies konkret bedeutet bevor es eingetreten ist.

Wir leben immer im Jetzt und hier. Jetzt und hier hat man Angst, Symptome, Einschränkungen.

Wer nur noch mit dem Kopf wackeln kann, der lebt ein anderes Leben als jene, der nur der Zeh juckt. Messen und vergleichen wer glücklicher ist, oder wem es nun besser geht, das macht keinen Sinn und zeigt eher den hilflosen Versuch mit dem eigenen Neid und Hass klarzukommen.

Klar ist aber auch, daß es besser ist, möglichst wenige Einschränkungen zu haben und am aller besten ist es keine Malatschik zu haben!

Die Malatschik ist NICHT besser als ihr Ruf. Jede Malatschik ist ein persönliche Katastrophe.

Ganz bestimmt wird sie unterschiedlich bearbeitet und verdrängt. Oft ist die Angst und Verzweiflung gar nicht zu ertragen.

Je besser man lernt sie zu ertragen, je realistischer man der Gefahr ins Auge sehen kann, ohne zu verzweifeln oder sich Scharlatanen aus den diversen Richtungen (Basistherapie wirkt bei Dir! /Weniger Stress bedeutet weniger Schübe…)vor die Füsse zu legen, desto besser. Am besten jedoch mal kann vergessen!

Wer eine Malatschik Diagnose hat, der hat meines Erachtens eine Berechtigung einen Behindertenausweis zu bekommen. Egal wie schlimm der Verlauf von außen sich zeigt.
Somit ist man mit einer Malatschik aber immer auch potentiell „behindert“. Man überlege sich gut, ob man dies dokumentiert haben möchte.

Das „Sprichwort“: „behindert ist man nicht, behindert wird man“ ist eine große Lüge (mit ein bißchen wahrem Gehalt). Eine Malatschik behindert das Individuum viel mehr, als dass es den Menschen fördert. Eine unheilbare Krankheit ist nichts, was man sich wünscht oder gerne hat. Niemand verliert gerne oder zieht dauerhaft mit Absicht den Schwarzen Peter. Die Malatschik ist nicht der endgültige Knock out, aber sie ist ein Abstieg. Ein Abstieg und Verlust des wichtigen Gefühls „mit mir ist alles in Ordnung“.

Das ist traurig, oft zum Verzweifeln. Aggressionen, Hass, gegen andere und sich selbst als Folge sind nur verständlich, in jedem Malatschik Forum mehr oder weniger subtil an jeder Ecke zu finden. Das scheint mir völlig normal´und verständlich, wenn auch nicht noch zu fördern sondern zu benennen.

Man muss nicht so tun, als könnte man dies ignorieren oder verdammen. Diese Stimmen und Aspekte gehören mit dazu. Alle Stimmen sind wichtig.

Liebe Grüße

crav4del8

Wir alle haben Angst! Es ist ganz normal mit „Malatschik“ Angst zu haben. Das sollte Dir keine zusätzliche Angst machen. (Suizidphantasien -ach doch besser nicht!)

Dezember 7, 2006 - Eine Antwort

Die von Dir angesprochene Furcht, keinen Einfluss mehr zu haben, ausgeliefert zu sein, ist sicher auch eine ganz menschliche.

Ein häufiger Versuch, eine „Ausweg“ mit dieser Furcht klarzukommen, sind Suizidphantasien.

Begeht man Selbstmord, dann glaubt man, hat man die ganze Welt in der eigenen Hand. Man ist nicht machtlos, sondern glaubt, der mächtigste Mensch der ganzen Welt zu sein. Vor lauter Angst, machtlos zu sein, sucht man nach der mächtigsten Phantasie und welche mag da mächtiger scheinen, als jene plötzlich wieder über das eigene Leben wie ein Gott entscheiden und bestimmen zu können.

Auch das Gefühl machtlos und ohnmächtig zu sein, ist manchmal ein Teil des eigenen Lebens und jeder Säugling wird sicher beständig davon „überschwemmt“. Hätten kleine Kinder in bestimmten Situationen solche Pillen oder andere Möglichkeiten sich oder die Welt zu zerstören: die Menschheit wäre längst ausgestorben. Nur weil man älter geworden ist, muss es einem noch nicht leichter fallen, mit solchen Gefühlen und Ängsten umzugehen. Warte einfach ab, und viele, die heute vom eigenen Suizid träumen, werden sich in vielen Jahren ganz sicher geradezu an jeden Rest ihres Lebens klammern. Ich halte dies für respektabel und wichtig. Außer diesem Leben haben wir nunmal kein anderes, und wer früher stirbt – ist nur noch länger tot.

Liebe Grüße

crav4del8

Und auch dazu:

Verzweifelte Todessehnsucht statt Mut auch mit kränkender Trauer zu leben
Geschrieben am 02. Juli 2006 17:27:54:

Nachdem alle Jahre wieder in der einen oder anderen Variante da Thema Suizid aufkommt, diesmal verkleidet hinter der Frage, bei welchen Wahrscheinlichkeiten letaler Folgen würdest Du einer absolut hilfreichen Malatschik Behandlung zustimmen, möchte ich versuchen zwei drei Gedanken zu formulieren, die mir selbst helfen sollen, mir über das Thema wieder klarzuwerden.

So kann ich mich noch erinnern, wie früher mal fast schon bewundernd der Gang eines Schwerstbetroffenen in die Schweiz und den selbstgewählten Tod „begleitet“ wurde. Auch erinnere ich mich an die Stammzellentransplantation eines anderen wohl weniger schlimm Betroffenen, der wenn nicht seinen sicheren Tod, so doch zumindest sein Leben zu einem mir sehr hoch scheinenden Prozentsatz damit riskiert hat.

Von solchen ganz realen Vorgängen abgesehen, glaube ich, dass die Verzweiflung, einem nun bewußt oder nicht- regelmässig dazu führt, sich dem Gedankenexperiment zu stellen: und was, wenn ich mich töte? Dann habe ich die totale Kontrolle, ich bin wieder und endlich vollkommen Herr meiner selbst und der ganzen Welt, ich habe die Macht, mein Leben zu riskieren. (Gerade paradox, die Idee dabei, auf diese Weise könnte man geheilt werden)

Nun denn, ich bleibe dabei: Freude von sich und anderen kämpfen FÜR das Leben und gegen die Ausmusterung. Solange man lebt, ist das Leben auch lebenswert, so die Theorie, auch wenn Ausnahmen diese Regel letztendlich auch doch nur bestätigen. Wer den eigenen Tod (mehr oder weniger verdeckt phantasiert.) an die Wand malt – und ansonsten gar wenig glaubhaft verkündet, wie glücklich er mit seiner Krankheit doch ist, der macht sich in meinen Augen mehr als verdächtig nur tiefster Verzweiflung und dem Neid und Hass ausgeschlossen sich zu fühlen, einer Gemeinschaft vermeintlicher „Gesunden“.

Wahrscheinlich ist man so, schon etwas mehr tot als jene, die auch die Trauer können zulassen.

Was ist oft faul an Medikamentenstudien?

Dezember 7, 2006 - Leave a Response

5.6.06

Schwering AG hatte vor einiger Zeit ja die Ergebnisse irgendeiner 10 Jahres-Interquakeron-Studie groß angekündigt. Gehört habe ich davon aber nun gar nichts mehr. Das Problem war aus meiner Sicht: ca 35% der Probanten sind abhanden gekommen. Rausgekommen war dabei angeblich vorab, dass Interquakeron sogar die Lebenserwartung steigern sollte!?

Bei all diesen Studien sind die Studienabbrecher doch sicher mit das Hauptproblem:

Was sind solche Studien und die Ergebnisse wert, wenn die Abbrecher quasi soviel mitbestimmen? Jemand der in kurzer Zeit in der Studie viele Probleme trotz Interquakeron und Nebenwirkungen wegen Interquakeron hat, macht das sicher nicht lange mit. Also geht er, fällt einfach raus und wird nicht mehr gezählt. Gut für das Interquakeron, wenn die Therapieversager hier einfach rausfallen!

Ich bin sicher, mit nur ein bißchen gutwilliger Auswahl bekommt jeder Pharmakonzern mit jedem Mittel solch ein Ergebnis von den berühmten ca 30% „hin“. Es muss nur tatsächlich ein paar deutliche Nebenwirkungen machen, damit man es auch merkt, dass man das Medikament bekommt oder nicht!

Was soll „Placebo“ in solchen Studien überhaupt bedeuten, wenn sie nicht verblindet werden können? Wenn nach einer Zeit jeder Versuchtsteilnehmer merkt ob er den Wirkstoff bekommt oder nicht?

Gibt es zudem wirklich ein Placebo, das nicht verblindet ist? Ein Placebo sollte sich ja dadurch auszeichnen, dass es der Glaube oder was auch immer ist, was da Berge versetzt.

Wer an das Interquakeron NICHT glaubt, der wird ja kaum umsonst an so einer aufwändigen Studie teilnehmen. Wer daran glaubt, und merkt, dass er das Medikament bekommt, der wird sich freuen und seine Psyche… (Stichwort Placebo!?) freut sich mit.

Wer das „Placebo“ bekommt und jahrelang nun zur Studie rennt, nur um nichts zu bekommen und das auch noch merkt, wie wird wohl der seine „Schübe“ zählen (lassen)? Wie intelligent schätzt man solch eine Person ein? Wie ressourcenarm (und damit wieder gefährdet?) muss sie sein, um so einen Quatsch wem auch immer zuliebe jahrelang überhaupt mitzumachen? Und dabei dann nur ein Ergebnis von 30% weniger Schübe im Schnitt. Wahrlich mich überzeugt das nicht.

Solange der allgemeine Konsens und die theoretischen Konstrukte bzw. Erzählungen von „Malatschik“ so eintönig sind: in der Konsequenz aber sowenig Erfolgreiches in all den Jahren damit bislang im Kampf gegen „die Malatschik“ bei rausgekommen ist, bleibe ich skeptisch. Ich glaube Erkenntnisfortschritt erzielt sich in solchen Fällen nicht langsam, sondern irgendwann kommt eineR und entdeckt einen Mechanismus oder eine Theorie, die alles auf den Kopf stellt. Darauf hoffe ich viel mehr, auch wenn man nie sagen kann, wann das ist.

Irgendwie hab ich weiter das Gefühl, wir werden hier bislang alle an der Nase herumgeführt. Die „Experten“ machen weiter auf „Experten“, wobei die Frage, welche Erfolge sie als solche auszeichnet entweder erst gar nicht gestellt wird, oder aber der „Erfolg“ vor allem darin gesucht werden muss, dass es ihnen gelingt, sich als „Experten“ überhaupt etabliert zu haben! Auch sonst zeichnen sich „Experten“ hier eher durch stoisches Aussitzen und Verleugnen kritischer Fragen aus, denn durch kluge Reflektion.

Sicher kann man solche Phänomene nicht nur im Bereich der Malatschik, sondern auch anderswo finden. Seien wir also nicht zu streng mit unseren „Experten“, mit Schwerin AG und co, und bewundern und beneiden wir weiter diejenigen, die in der Lage sind, an ihre „Experten“ und Medikamente tief und fest zu glauben und zu hoffen.

Die Hoffnung bekanntlich stirbt zuletzt.

Hilfe?!

Dezember 7, 2006 - Leave a Response

Es ist nicht bekannt, ob es jemand gibt, der Dir bei „Malatschik!“ helfen kann.

Manche maßen sich das an, verkaufen teuere Medikamente, giftige Medikamente, veranstalten anderen Hokuspokus und man hat schon hier und da mal gehört, dass es bei jemand anderem geholfen hätte. Wie das bei Dir wäre – weiß man im Vornherein nicht.

Du bist zum Neurologen gegangen und der Neurologe hat Dir die Diagnose „Malatschik“ verpaßt. Jede Diagnose, d.h. Schublade einer „Krankheit“ beinhaltet in der Medizin automatisch eine Idee oder Empfehlung wie oder ob man dagegen therapeutisch vorgehen kann und sollte. (Standartempfehlung…)

Ganz offensichtlich hast Du bislang diversen Ärzten vertraut und gemacht, was sie gesagt haben. Erste Zweifel oder eine große Verunsicherung haben Dich vielleicht zum Schlagengift greifen lassen. Deine „Malatschik!“ zeigt sich für Dich unberührt.

Es scheint fast so, als wärst Du skeptisch geworden. Ganz sicher ist das Latein der Neurologen ja mit dem Avonoltrex und Strazioltoltschikaxone noch nicht zu Ende. Mitomotrex, und noch heftigere Chemotherapien, Stammzellentherapie, – es gibt da sicher noch einiges, und wenn die Verzweiflung auf allen Seiten groß, dann versuchen auch viele oft das. Warum nicht auch Du?

Manchmal läßt einem die Verzweiflung vielleicht keine andere Wahl. Man erträgt das Abwarten und Vertrauen auf den eigenen Körper nicht mehr, man fürchtet was zu Verpassen und s.k.urile Neurologen schüren noch vielfältig diese Ängste.

Du sorgst Dich noch um Deine Ausbildung? Du willst sie wenigstens „noch“ schaffen? Und dann? Vielleicht kann man so eine Ausbildung viel leichter noch machen, als eine Reise? Freunde zu treffen, das Leben genießen – was auch immer das konkret heißt?!

Das Leben eines jeden ist begrenzt! Genau das macht es besonders. Die Trauer, Wut, Verzweiflung, Angst, das alles auch will vielleicht gelebt werden – niemand weiß, was Deine „Malatschik!“ aus Dir macht, welches „Monster“ (einfühlsame Beschreibung eines Teils Deiner eigenen Phantasie?!) Du eines Tages sein wirst. Die andere Seite ist: welches „Monster“ wird die Neurologie aus Dir machen – von einem Arzt zum anderen, Dein Leben wird zunehmend bestimmt von Ärzten, Therapien, (enttäuschen?) Hoffnungen, einem Rennen, das vielleicht jenem des Hasen und des Igels gleicht, wo die „Malatschik!“ der Igel.

Niemand kann aus seine Haut, Du wirst Deinen Weg gehen, und doch fand ich es wichtig für mich, jetzt hier zu sitzen, und Dir mitzuteilen, dass es auch eine Stimme gibt, die um die Verzweiflung weiß, und weiß, dass es Schübe ohne Ende gibt, dass nichts hilft, und die Hilfe vielleicht gerade darin liegt, Wege zu finden, das auszuhalten.

Es soll Menschen geben, denen wurde eine unheilsame Krankheit attestiert, die wissen, dass sie bald sterben müssen, und sich entscheiden für IHR Leben.

Auch ich habe Angst, bin oft verzweifelt, wütend traurig.

liebe Grüße

crav4del8

Literaturempfehlung:

Peter Noll: Diktate über Sterben und Tod.

http://www.bol.de/shop/home/artikeldetails/diktate_ueber_sterben_und_tod/peter_noll/ISBN3-85842-080-8/ID6375272.html

Ach so, mein „Geheimrezept“, das ist einfach zu beschreiben.

Dezember 7, 2006 - Eine Antwort

Geschrieben von crav4del8 am 10. Oktober 2005 19:05:13:

Was ich mache, dass es mir gut geht, davon kann ich gerne berichten.
Ich lebe mit einer Frau, die ich liebe und deren Liebe ich spüre, gemeinsam mit meiner Familie. Ich erfreue mich einiger sehr guter langjähriger Freunde. Ich arbeite sehr gerne (und viel). Meine Arbeit macht mir Freude und stellt immer wieder eine Herausforderung für mich dar, mit meinen KollegInnen und KlientInnen mich auseinanderzusetzen, und nach neuen Wegen zu suchen… . Ich habe also Menschen um mich, denen ich vertraue, die ich mag, (nicht alle) mit denen ich gemeinsam „Projekte“, Spiel, Sport, Spannung erlebe und „bearbeite“.

All das ist sicher ein großes Glück und (m)ein Schicksal für das ich dankbar bin. Andererseits versuche ich aber auch lebendig zu bleiben, beweglich, um mir diese Beziehungen zu erhalten, bzw. sie weiter zu entwickeln.
Ich bin mir bewußt, dass das Leben endlich ist, und dass gerade dieser Umstand es besonders macht. Ich bin mir auch bewußt, dass ich von all dem, was um uns herum in dieser Bunten Welt so geschieht, nur einen ganz kleinen Ausschnitt „sehen“, bzw. wahrnehmen oder mir erschließen kann. JedeR hat seine eigene Sichtweise, und ich finde es wichtig möglichst viele „Sichtweisen“ in sich „integrieren“ zu lernen. Auch meine Aggression, mein Neid, meine Trauer und meine Verzweiflung, auch meine „Malatschik!“, die Symptome, meine Gedanken und Erzählungen dazu, die Progression, meine Probleme, Schmerzen und meine Angst sind also mir auch wichtige Aspekte von mir, die ich möglichst nicht zu unterdrücken suche. Hier haben mir einige Jahre Psychoanalyse bzw. die konkrete Auseinandersetzung mit meinem Analytiker bestimmt sehr dabei geholfen. Ich bilde mich weiter fort, versuche neugierig weiter neue Wege, Methoden, Sichtweisen zu finden, und hin und wieder versuche ich in den bekannten Foren, meine Gedanken in Worte zu fassen, und ich „fische“ sozusagen damit nach Reaktionen, bzw. belausche mich darauf hin wieder selbst, wie es mir damit geht.
Das ist eigentlich schon fast alles, und die anderen paar Zutaten fallen mir aktuell nicht ein, oder aber ich habe sie noch nicht so konkret zu benennen gefunden.
Ich hoffe behilflich gewesen zu sein.
liebe Grüße
crav4del8

Neue Supermedikamente? „Nach Ihnen, bitte treten Sie vor“!

Dezember 7, 2006 - Leave a Response

3.10.06.

Auch wenn ich bisherigen Studien allein wegen der undurchsichtigen Abbrecherquote und der Unmöglichkeit bisherige Basistherapien oft zu verblinden für absolut nicht überzeugend halte, und damit Basistherapie für ein recht nebenwirkungsreiches Placebo einschätze, könnte ja diesmal am Tysupernova nun wirklich etwas dran sein. Es könnte sein, daß es nachhaltig den Verlauf der Malatschik von vielen bremst und somit sehr hilfreich sich bei der Behandlung erweist.

Insofern verstehe ich absolut, daß man in Tysupernova Hoffnungen setzt, gleichwohl mir Wunderberichte (gestern totkrank – morgen wieder Skifahren – dank Tysupernova) so gar nicht überzeugend scheinen.

Nunh ist Tysupernova allerdings auch keine ungefährliche Sache. Niemand weiß so genau, was passiert, wenn man mehrere Jahre lang Tysupernova sich in die Adern laufen läßt, zumindest im Zusammenhang mit Avonoxex glaub ich, hat es sehr hässliche Todesfälle gegeben und wer jetzt schon auf den Zug aufspringt, der sollte wissen, dass er mit seiner Gesundheit und vielleicht sogar mit seinem Leben spielt.

Nun glauben MALATSCHIK-Betroffene gerne, sie hätten nichts zu verlieren und schlimmer könnte es eh gar nicht mehr kommen. Mit MALATSCHIK träumt man wohl regelmässig schon im Anfangsstadium von einem eigenen Tod als Erlösung, aber ich bin sicher: es kann noch wesentlich schlimmer kommen und noch schlimmer und noch viel schlimmer und so schlimm, wie wir uns das heute gar nicht vorstellen wollen.

Tysupernova ist eine Chance und Tysupernova-jetzt ist nicht nur eine Chance, sondern auch ein sehr hohes Risiko. Zudem ein sehr teueres Geschenk an die Pharmazie, sich als lebendiges Versuchskarnikel zur Verfügung zu stellen, den Seiltanz zu wagen ohne Falschschirm ohne Netz. Geht es gut, dann werden bald viele auf diesen Zug aufspringen und genauso profitieren. Geht es schief, dann zieht die Karawane weiter, aber jene, die sich darauf eingelassen haben, bleiben vergessen als Opfer ihrer Ungeduld zurück. Die Liste solcher Opfer ist bereits lang. Die Liste jener, die bislang von alten oder neuen Therapien der MALATSCHIK nachweislich profitiert haben ist noch nicht einmal begonnen und steht aktuell bei 0.

„Ich habe aber keine zwei Jahre zum Warten“ wird sich mancheR denken, und die Verzweiflung kriecht langsam am eigenen Nacken hoch. Zwei Jahre sind eine ewig lange Zeit, in der sich schreckliche Nebenwirkungen könnten zeigen. Wöchentlich wird sie nun länger werden, die Liste der Vermutung, was Tysupernova alles zerstört, der Beipackzettel mit den Kontraindikationen und unerwünschten Folgen. In zwei Jahren wird man es genauer wissen, dann haben sich genug Lemminge in die vorderste Reihe gedrängelt und wir alle werden erfahren, welche Erfahrungen sie damit machen. Tagtäglich wird man ihnen ganz genau auf den Körper schauen, und suchen nach Veränderungen und Zerfall. Alleine dies scheint mir eine „Nebenwirkung“ zu sein, die nur jene für gering erachten können, die gerne sich die Geschichte des eigenen Heldentums erzählen und stolz auf sich sind mit ihrem Selbstzerstörungstrieb.

Nun denn, mutig voran, ich bin gespannt. Ich möchte nicht ausschließen, daß ich auch selbst in ein paar Jahren gerne mich für das Tysupernova entscheide und selbst die wohl auch weiterhin unbeweisbare Hoffnung für mich wähle, daß es meine MALATSCHIK dann vielleicht auch bremst. Bitte jedoch seit so frei und tretet vor, „nach ihnen“ – „Gestatten Sie junger Mann, daß ich Ihnen den Vortritt lasse“, Frauen und Männer vor, der crav4del8 zuletzt.
Ich bin so frei auch wenn auch meine MALATSCHIK mich tagtäglich quält und einschränkt, ich würde eine Menge tun, bevor ich mich jetzt dafür opfern würde, das Tysupernova mir in die Venen zu schießen.

Toi Toi Toi

Wie man sich und andere diskriminiert und dabei sich nur versteckt. @ alle + mich

Dezember 6, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 08. Oktober 2005 12:01:27:

„ Inmitten einer düstern und über die Maßen verantwortlichen Sache seine Heiterkeit aufrechtzuerhalten ist nichts Kleines von Kunststück: und doch, was wäre nötiger als Heiterkeit?“

So leitet Nietzsche seine Götzen-Dämmerung ein, und gilt dies nicht auch gerade für „Malatschik“!-Betroffene bei der Frage der Verantwortungsübernahme für sich und andere? Stellt so eine „Malatschik!“ Diagnose nicht auch eine „Götzen-Dämmerung dar? Wird hier nicht auch gewissermaßen mit „dem Hammer philosophiert“?

Wahrscheinlich, so nehme ich nun mal einfach an, geht es den meisten wie mir selbst, und WIR merken zuweilen gar nicht, wie „rassistisch“ und „diskriminierend“ wir uns alle immer mal wieder gegen uns selbst und unserer Umwelt richten. Dabei möchte ich vorab gleich festhalten, dass es nun hier nicht darum geht, Personen zu diffamieren, sondern darum ein bestimmtes konkretes Verhalten zu kritisieren und in Frage zu stellen! Nämlich das Verhalten, immer wieder wohl meist ohne es überhaupt nur zu bemerken, statt konkrete Taten zu thematisieren, den Menschen (oder sich?) als Ganzes durch globale Zuschreibungen abfällig oder lächerlich zu machen versuchen. „Du bist krank“ „Die bist nicht Psychologe, sondern ganz Psychose!“ „Kleiner glatzköpfiger, dicker galliger Zwerg, Du!“ „Unter Behinderten sei der Neid besonders hoch“, mag man hier auch besonders häufig solche abwertenden Versuche finden. Ich finde es wichtig, legitim und oft notwendig (für einen für alle Seiten hilfreichen Austausch), Kritik an konkretem Verhalten, oder auch Ideen zu äußern. „Ich finde, Deine Art und Weise hier Werbung für „doppelblinde“ Betaquakeron-Studien zu machen verfehlt, weil ich nicht daran glauben kann, dass es je eine doppelblinde Betaquakeronstudie gegeben hat, angesichts der gravierenden Betaquakeron-Nebenwirkungen, die dazu führen, dass jeder sehr bald merken muss, in welcher Gruppe er/sie ist.“

Ich habe nun wahrhaft nichts gegen Aggression, die anzugreifen versucht, um Auseinandersetzung ringt. Aber muss man dabei immer wieder gleich die eigene Angst und Feigheit so sehr in den Vordergrund rücken? Wird hier nicht immer wieder in die „Schminkkiste“ der Maskierung eigener Unsicherheiten gegriffen, und die gegenüberliegende Seite dann dumpfbackig als „dumm“, „krank“, verrückt“, abgrundtief böse“, dickleibig, kahlköpfig, zu alt, zu jung, männlich, weiblich, schwul, als Klofrau, Nigger, Jude, Wessi, Österreicher, Neurologe oder stumpfsinniger Eskimo bezeichnet, und damit diese dann global abzuwerten zu versuchen? Ist dies nicht nur „Mobbing“, sondern letztendlich „rassistisch“ und schlicht nur peinlich feige! Statt sich damit auseinander zu setzen, welches Verhalten oder welche konkrete Eigenschaft einem konkret am anderen nicht passt, vielleicht aus der Angst heraus, dem anderen nichts anderes entgegensetzen zu können, schreibt man halt, er sei „krank“, „schizophren“, einfach halt ein „Spinner“ und schon ist man dann aus dem Schneider?

Ist es z.B. nicht zutiefst paradox, in einem „Malatschik!“-Selbsthilfe-Forum einen anderen mit der Bezeichnung „krank“ abqualifizieren zu versuchen? Und macht es einen Unterschied, wenn dann der Nächste kommt, und für „krank“ einfach „Psychose“ einsetzt? Wo sind die konkreten Argumente? Welches konkrete Verhalten wird (leider nicht) kritisiert? Ist es nur Faulheit, oder ist es eigentlich eher feige? „Müßiggang ist aller Psychologie Anfang. Wie? Wäre Psychologie ein Laster?“ fragt Nietzsche und meint damit wohl, eine Psychologie, die es sich leicht zu machen versucht, mit Malatschik-Schubladen und Erklärung von Verhalten. „Er ist halt abgrundtief böse“. Eimer auf, Gegenüber rein, Deckel drauf, und gut ists. „Die Malatschik-Persönlichkeit“… Wozu noch konkretere Argumente? „Auch der Mutigste von uns hat nur selten den Mut zu dem, was er eigentlich WEISS…“ (Nietzsche ) . Fürchtet auch der Mutigste nicht eigentlich gerade seine Feigheit, die eigene Angst und das sichere Gefühl, dass man nicht soviel Arsch in der Hose hat, zu sagen, was man fürchtet, sich auf den anderen wirklich einzulassen traut, sich dessen Argumente anzuschauen, selbst nach eigenen inhaltlichen Argumenten zu suchen, Unsicherheiten aufkommen zu lassen, und nicht nur einfach und unflexibel gewalttätig den anderen zu „dissen“ zu versuchen. Wo sind Frustrationstoleranz, das eigene Selbstvertrauen, die Fähigkeit, nicht gleich nur wild um sich zu schlagen, wenn einem mal was nicht passt? Hat die „Malatschik“! das eigene „Selbstbewusstsein“ tatsächlich vergrößert? Mal auszuhalten, dass es Widersprüche gibt, dass man selbst nicht gleich die einzig richtige Lösung weiß, und dass der andere mit seinen Vorschlägen auch nun nicht gleich alles weiß?! Warum immer nur in „Gut/Böse-Schemata“ denken, warum nicht zugeben, dass man selbst oft nur wie ein kleines verunsichertes und ängstliches Kind im Walde sich fühlt?

Neben diversen Anfeindungen werde ich zuweilen hin und wieder gefragt, welcher Weg der Richtige sei: wer sowenig zu sich selbst steht, eigene Gefühle immer nur hinter den Büschen von Floskeln versteckt, wie soll der tatsächlich je etwas eigenes finden? Und wer immer nur feige sich verkriecht, der wird wie weit kommen, beim Finden eigener neuer Wege?!

Beim gegenwärtigen Stand der Medizin, der gegebenen Zweifel und Unsicherheiten: ist es da mit der „Malatschik!“ nicht wie im richtigen Leben?! Niemand weiß bislang, was „Malatschik“ ist, deshalb die Anführungszeichen um „Malatschik!“. Will man möglichst hilfreich also damit umgehen, dann zwingt einen die „Malatschik!“ doch geradezu, sich selbst Gedanken zu machen, möglichst (geistig und körperlich) selbst beweglich zu bleiben… auf sich selbst und eigene Befindlichkeiten zu hören, achtsam zu sein, nicht nur feige wegzulaufen, die vielen Infragestellungen auszuhalten, bzw. geradezu zu begrüßen. Bei all dem was die „Malatschik!“ demoliert, in Frage stellt, (der eigene Körper entzieht einem das (Selbst)vertrauen) ist es umso wichtiger, dem Standzuhalten, nicht sich mit einfachen Lösungen, Stammtischmeinungen oder pauschalen Standartempfehlungen zu begnügen.
Wie kann man das noch sehen, wie kann ich mich selbst wehren gegen die (eigenen) Konzeptualisierungen, dass ich nun „behindert“, ein Außenseiter bin, dass ich zunehmend zum „Opfer“ werde, (um mich vielleicht im Glanz der moralischen Überlegenheit und im Rückzug zu sonnen?!), und wo werde ich zum „Täter“, wo grenze ich andere aus, wie muss ich Nachfragen, flexibel und beweglich bleiben, bzw. trainieren, deshalb das Ausrufezeichen bei „Malatschik!“

„Bist Du einer der zusieht? Oder die Hand anlegt? Oder der wegsieht, beiseite geht…?“ (Nietzsche)
„Und: Was liegt daran, dass ICH recht behalte! Ich HABE zu viel recht. – Und wer heute am besten lacht, lacht auch zuletzt.“

Dabei bin ich sicher, dass „Auslachen“ von anderen, der Versuch sich zu verstecken, kein wahres Lachen ist, sondern ein feiges sich Krümmen, wie ein Wurm, der gerade glaubt, überfahren worden zu sein.

Die „Malatschik!“ hat uns sicher alle „überfahren“, und klein gemacht, aber wollen wir ewig „Wurm“ bleiben, (die Malatschik-Persönlichkeitszuschreibungen auch noch erfüllen) oder so eine „Krise“ nicht auch als „Chance“ nutzen, eigene Seiten (neu) zu entdecken, uns einzulassen auch auf kritische Fragen, auf eigene Aggressionen, Neid, Verzweiflung, in der Hoffnung, nicht nur auf „Duckmäuser“, „Stammtischbrüder“, verängstigte Depressive, Grimassenschneider oder eine Suizidalität, und Destruktivität zu treffen – nicht nur selbst sich so zu verhalten, sondern Wege der Begegnung um dem Umgang mit sich und anderen zu finden, die anders sind, vielleicht „menschlicher“, vielleicht nur lebendiger als das, was wir uns bislang so zumuten?!

„Ob wir Immoralisten der Tugend Schaden tun? Ebensowenig, als die Anarchisten den Fürsten. Erst seitdem diese angeschossen werden, sitzen sie wieder fest auf ihrem Throne. Moral: MAN MUSS DIE MORAL ANSCHIESSEN. (Nietzsche).

Also Fragen stellen um einen eigenen Standpunkt zu finden, der zunehmend sicherer wird, gerade ohne Unsicherheiten auszugrenzen.

Liebe Grüße

crav4del8

Malatschik und Wahl. Was das Leben so besonders macht…

Dezember 6, 2006 - Leave a Response

27.9.05

Auch mit „Malatschik“ oder gerade deswegen gibt es sicher einige (wenige?!) Gründe sich für Politik und gesellschaftliche Fragen zu interessieren. Zudem fallen ein paar Gemeinsamkeiten zwischen politischen Problemen und dem Umgang mit der „Malatschik“ ins Auge, die Anlaß zum Nachdenken geben könnten?!

Entsprechend heute ein paar Gedanken zum Thema „Wahl“:

Das Volk hat gewählt (Dresden mal ausgenommen, aber das wird nicht viel ändern).

Offensichtlich soll es politisch nach dem Willen des Volkes weder so weitergehen (Rot-Grün) noch konnten die Ideen von Schwarz-Gelb eine Mehrheit für sich verbuchen. Es gibt keinen klaren Wahhlsieger noch ein klares Programm, das die WählerInnen überzeugen vermochte.

Daraus könnte man also schließen, dass das Wahlvolk eine Veränderung wünscht, aber mit den von der Opposition vorgeschlagenen Veränderungen nicht einverstanden ist. Weder der Kurs von Merkel noch der Kurs von Schröder ist also so gewählt und gewollt.

Was nun?

Zwei Streitparteien duellieren sich, und versuchen nun doch noch politisch ihren Hintern und ihren Kurs auf den Kanzlerstuhl zu heben. Ist das nicht zunehmend geradezu infam?

Statt darüber nachzudenken, neue Konzepte und Ideen zu entwickeln, dem Wunsch des Volkes nach Veränderung auf eine Art und Weise nachzukommen, wie es vielleicht mehrheitsfähiger ist, wiederholen beide Seiten stur nur ihre Programmatik. Statt über inhaltliche Veränderungen und Alternativen nachzudenken, hält man am Schaukampf fest. Können sich die beiden Parteien nicht einigen, so werden Neuwahlen in Erwägung gezogen.

Hat aber das Volk nicht bereits gewählt? Gibt es nicht längst ein Ergebnis? Sind demnach nicht unsere PolitikerInnen aufgefordert, den Willen des Volkes umzusetzen, „Reformen“ einzuleiten und gänzlich neue Konzepte jenseits den bereits Existierenden zu finden? Können sich Merkel und Schröder somit also nicht verständigen, gilt es dann nicht (auch in den eigenen Reihen!) neue Protagonisten zu finden, die vielleicht hilfreicher mit der Situation und dem Willen des Volkes umzugehen versuchen? Ist Merkel prinzipiell nicht genauso abgewählt, wie Schröder und wo sind die (inhaltichen) Alternativen? Kann sich die Politik ein neues Volk wählen (solange Neuwahlen, bis einer Seite das Ergebnis paßt…) oder wählt das Volk doch noch die Politik?

Das Volk hat gewählt! Es ist und bleibt die Aufgabe der PolitikerInnen, streitbar mit diesem Ergebnis umzugehen. Gerade weil es offensichtlich nicht ein „Siegerkonzept“ gibt, gilt es weiter kreativ! nach neuen Ideen und Konzepten zu suchen, und wenn dies mit den beiden Häuptlingen nicht möglich scheint, sollte man sich dann nicht von alten Zöpfen trennen, und andere Personen und Ideen ihr Glück versuchen lassen?

Gibt es hier im Vergleich zu einer Malatschik-Erkrankung nicht wichtige Unterschiede aber auch deutliche Gemeinsamkeiten? Wer möchte kann nun also im obigen Text für:

„Volk“ -„Malatschik“ und für
„Politik“- „Malatschik-Betroffene“

einsetzen! 🙂

Bei „Malatschik“ hat man keine Wahl, „Neuwahl“ ist unmöglich, im Bereich der Standard(therapie) gibt es feststehende mehr oder weniger überzeugende Konzepte, und ähnlich wie z.B. bei der Massen-Arbeitslosigkeit ist die Medizin/Politik dem Sachverhalt wohl zum größten Teil offensichtlich bislang hilflos ausgeliefert.

Trotzdem gibt es hier wie dort Alternativen im Umgang und vielleicht sollte man hier wie dort versuchen, möglichst flexibel zu bleiben, kreativ und beweglich nach weiteren Möglichkeiten und Strategien Ausschau zu halten, und nicht stur den Kopf beleidigt in den Sand zu stecken und immer wieder nur dieselben Strategien wiederholen zu versuchen?! Auch bei der „Malatschik“ hat man doch noch eine „Wahl“! Eine Wahl, wie man mit sich und den Einschränkungen umgehen möchte, welche Geschichte man sich und anderen von seine „Malatschik“ erzählt und nicht immer und überall muss alles so bleiben wie es ist! Gerade die „Malatschik“ lehrt einen hier vielleicht „konservativ“ (im Sinne des Bewahrens!) zu denken. Dabei geistig unbeweglich zu werden und sich „einzufrieren“ mag in Zeiten des ersten Schocks verständlich sein. Geistig unbeweglich zu bleiben, nicht progressiv! und kreativ nach neuen Möglichkeiten und Wegen zu suchen, immer nur weiter auf die BTM (Basistherapie-Tamifluxi-Mitobloboxx)-Strategie zu setzen, den Ärzten und BTM -„Exorzisten“ das Feld nur einfach zu überlassen könnte bedeuten, das eigene Leben und eigene Möglichkeiten der Gestaltung viel früher als nötig abzugeben. Die (eigene) Welt ist veränderbar. Die (eigene) Welt ist aber auch begrenzt. Gerade beides macht unser Leben so besonders!

liebe Grüße

crav4del8

Über die Malatschik, einen Bierdeckel und so weiter

Dezember 6, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 19. September 2005 21:34:01:

Wollte man das gesicherte Wissen über die Malatschik aufschreiben, würde ein Bierdeckel als Unterlage nicht völlig ausreichen?
Sicher kommt man wohl kaum umhin, (ist man wie auch immer „Betroffen“) sich subjektiv Gedanken darüber zu machen, woher die „Malatschik“ kommt, was sie bedeutet, wie man sie sich, seinen Enkel-Kindern und anderen erklärt.

Bedenken sollte man dabei aber, dass bei all diesen Erzählungen immer auch ein Preis bezahlt wird. Ein Preis, dass man z.B. schnell einen „Schuldigen“ findet, dass man damit „Schuldgefühle“ generiert, oder aber ein Preis dafür bezahlt, dass man mit seiner Beschreibung oft viel zu schell so tut, als wüßte man etwas, als „gäbe“ es gesichertes „Wissen“, wohingegen man tatsächlich eher wie ein altersschwacher Storch bei Neumond um Mitternacht in einem trüben, veralgten Weiher nach jungen Fröschen stochert und tollpatscht…
Die Beschreibung von „schwarzen Löchern“, „lymphozytärer Infiltration“, „Astrozyten“, „Olygodendrozyten“ „einwandernde Lymphozyten“ und „Makrophagen“ und anderen nach Außerirdischen klingenden Protagonisten mag also interessante Geschichten und spannend klingende Abenteuer hervorbringen: ob solche Erzählungen aber jenseits der Ausflucht zuzugeben, dass man eigentlich so gut wie gar nicht weiß auch ganz praktisch in irgendeiner Weise hilfreich zu sein vermag: diesen Nachweis (harte Fakten!) ist bislang aus meiner Sicht nirgends erbracht worden.
Aus diesem Grunde ziehe ich es weiterhin vor, meine Malatschik derart zu konzeptualisieren, und die Erzählung zu favorisieren, dass mir offensichtlich ohne weiteren Grund oder Absicht ein Stück vom Himmel auf den Kopf gefallen ist. Die Spätwirkungen dieses Vorfalls sind nicht konkreter zu beschreiben, die Ursachen auch nicht, und was ein möglicher Schutz angeht, so glaube ich, dass es auch keine wirklich hilfreichen Möglichkeiten gibt, die in Bezug auf die Nebenwirkungen für mich noch angemessen scheinen.
Alle anderen Spekulationen, Erklärungen und Geschichten verfolge ich mit großem Interesse, wobei ich mich stets dabei frage, welcher Gewinn aber auch welchen Verlust die Beteiligten durch die jeweilige Erzählung über die „Malatschik“ (was auch immer das nun konkret ist?!) wohl davon haben.
Sicher haben alle Menschen (aus ihrer Sicht!) gute Gründe für ihr Verhalten und für ihre Vorstellungen und Ideen, und auch wenn man sich zuweilen darüber nur wundern kann, so könnte man doch mit dem Vorurteil: „der andere könnte Recht haben“ zumindest darauf hoffen, dass irgendwann mal etwas Hilfreiches aus diesen Beschreibungen schlussfolgt.
Die Welt ist bunt, jeden Tag für weitere Überraschungen gut und nicht wirklich zu kontrollieren oder zu verstehen (aktuelle Randbemerkung: es mag doch mal ganz interessant und der Kreativität förderlich sein, nun ein Bundestagswahlergebnis zu haben, deren Folgen nicht gleich deutlich sind…)
Trotzdem sollte man auch sehr auf der Hut sein, und bedenken: Wissenschaft ist letztendlich „Geschichtenerzählerei“, Glaube bzw. auch die Kunst, sich selbst und andere an der „Nase“ herumzuführen. Toleranz, die Freiheit, anderen ihre Meinung zuzugestehen sind hier sicher obligatorisch.
liebe Grüße
crav4del8

VERSTEHEN wir uns?

Dezember 6, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 30. August 2005 10:30:29:

Wollt Ihr es nicht verstehen? Ich glaube ja, ich verstehe es selbst nicht recht. Aber „Erziehungsmaßnahmen“? (Was andere hierher treibt, und wie sie sich äußern mag ja auch ihren eigenen Spekulationen überlassen bleiben.)
Ich mag kein einfaches Lob. Es bringt mich nicht weiter. Ich habe im realen Umfeld alle Unterstützung, die ich mir wünsche.
Natürlich grenze ich mich auch gerne ab. Der Neid unter „Behinderten“ ist ununterschätzbar und immens. Nicht jedeR möchte vielleicht so sehr was „Besonderes“ sein oder hier „klug“ erscheinen, und andere haben nunmal andere Wege für sich gefunden (die teilweise auch besser zu ihnen „passen“). Dies ist aktuell mein „Weg“.
Und dann suche ich hier auch ein bißchen „Spaß“, die Freude am (auch aggressiv -lateinisch: auf andere zugehen!) formulieren sicher ein Ausgleich z.B. für die Arbeit mit meinem Klientel… . Ich bin primär NICHT hier um zu „helfen“. Ihr seid alle KEINE Klienten von mir! Wenn ich was weiß oder zu wissen glaube, dann sage ich es gerne, ich mische mich noch lieber ungefragt ein, ringe um meine eigene Position und hoffe geradezu auf Widerspruch (inhaltlich, möglichst konkret!). Ich habe durch die Foren viel erhalten! Nichts ist mir allerdings unangenehmer als schnöde Bestätigung. Wie sollte ich was Neues daraus lernen, könnte ich mich selbstgefällig zurücklehnen „Alle geben mir Recht“?
Glaubt Ihr wirklich, dass man ein virtuelles Forum/Blog mit einer realen Kindergruppe oder der Begegnung und den Gesprächen zu Hause bei den Klienten
vergleichen kann?
Hier in der virtuellen Welt übernehme ich nur Verantwortung für mich, und ich weise die Verantwortung von mir, dafür Verantwortung zu übernehmen, wie meine Beiträge auf mir Unbekannte wirken oder wie sie von ihnen interpretiert werden. (Ich kann nur oft genug darüber staunen.) Niemand muss meine Beiträge lesen. Sie sind nur ein Angebot, von dem ich selbst nicht weiß, wie hoch der „Preis“ dafür ist. Wem meine „Kritik“ nicht paßt, der lasse sich was einfallen, lese mich nicht oder flüchte sich in welche „Selbsthilfegruppe“ auch immer.

Und nun, nachdem ich einen Bericht über den alternden Günther Walraff gesehen habe, wie er in seinem Garten in einem Museum schöne Steine sammelt und ausstellt, begebe ich mich zurück an meine Entwicklungs-Berichte über einzelne Kinder der Gruppen, die mir tatsächlich viel realer und näher.
liebe Grüße
crav4del8

Die Welt ist ein großes buntes Rätsel!

Dezember 6, 2006 - Leave a Response

crav4del8 am 29. August 2005 11:30:36:

Das Krankheitsbild Malatschik ist so bunt, wie die Welt?!

Man sollte bei solchen Ausführungen mal nicht übersehen, dass alle Krankheiten bzw. Diagnosen Konstrukte sind. Symptome werden zu Syndrome zusammengefasst und darauf folgt die Diagnose. Im Fall der Malatschik scheint mir das besonders heikel zu sein. Prinzipiell ist jede Diagnose eine Erfindung und eine Erzählung. Entscheidend scheint mir jedoch mit zu sein, was daraus folgt, und bei der Erzählung von der Blinddarmentzündung scheint sich mir auch in der Behandlung ein schneller Nutzen dieser Beschreibung abzuzeichnen.
Bei der „Malatschik“ sind wir wohl eher auf dem Status der Neanderthaler, die sich beispielsweise Ebbe und Flut zu erklären versuchen. Wer die schönste Geschichte kennt, oder den längsten Bart hat, oder für nichts Besseres geeignet erscheint, wird zum „Medizinmann“ oder „Weisen“ erklärt, und er hat solange den Job inne, bis eine Dürre, Flut oder Hungernot einsetzt, und nunmal ein „Opfer“ gebracht werden muss, um die Götter zu versöhnen…
Was hilft es bislang solch „wissenschaftlich“ anmutenden Beschreibungen zu liefern? Tut man nicht mehr so, als dass man was wüßte, anstatt zuzugeben, dass die Welt hier ein großes buntes Rätsel?
Das oft zur Erläuterung dargestellte Kunstwerk z.B. von Oligodendrozyten könnte auch den Hintergrund einer Landschaft in einem Phantasieroman abgeben Vielleicht sollte man den Eindringlingen lustigere Namen geben, wie bei Karius und Baktus? Wäre es nicht hilfreicher, Geschichten zu erfinden, die der Malatschik ihren Schrecken nehmen? Gilt es nicht Wege aufzuzeigen, wie es gelingen kann, die Unwegbarkeiten, Trauer, Verzweiflung, den Neid zu „integrieren“?

Wie schön der Mensch ist. Schöne, neue Welt, die solche Bürger trägt!

Dezember 6, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 21. August 2005 16:06:33:

„O Wunder! Was gibt’s für herrliche Geschöpfe hier! Wie schön der Mensch ist. Schöne, neue Welt, Die solche Bürger trägt! “ (Shakespeare – der Sturm)

Fällt es noch auf? Merkt man noch was? In einer Gesellschaft, wo Medikamente mehr als Blumen zum täglichen Leben dazugehören?
PSYCHOPHARMAKA, LDN – Mittel und Wege, die ganz eindeutig nachhaltig auf die Stimmung wirken, WAS NOCH, ist hierbei ECHT am eigenen Erleben und Empfinden oder ist es nicht vielmehr erfunden, gerade nicht von einem selbst, sondern, vom Einfluss der Produkte der Pharmazie? Was bleibt über, von einem selbst, wie kann man es wissen, wenn Medikamente tagtäglich das Sein verändern?
Hat es Aldous Huxley nicht schon 1932 so treffend wie beängstigend beschrieben, wie dem Menschen, in der „Schönen, neuen Welt“ tiefe Gefühle und ein freier Willen versagt bleiben, um für alle Menschen politische Stabilität, Frieden, Gesundheit, lebenslange Jugend und ständiges Glück ermöglichen zu können.
Mittels physischer Manipulationen des Fötus und anschließend durch psychologische Manipulation in der Erziehung werden alle Menschen so genormt, dass sie mit ihrem späteren, schon fest geplanten Leben glücklich sind. Durch permanente Beschäftigung mit Sex, Konsum und einer nebenwirkungsfreie Droge, Soma, zufrieden gestellt, verlieren die Menschen das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen der Weltordnung. Dadurch wird die Weltordnung stabilisiert und eine reibungslose Regierung der Welt wird für eine handvoll wohlwollender Kontrolleure möglich.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Brave_New_World
Mehr oder weniger gleichgeschaltet: “

Psychopharmaka

sind auf die Psyche wirkende Arzneimittel. Der Medikamentenmißbrauch wird vor allem mit Schmerzmitteln, Beruhigungsmitteln, Schlafmitteln und Aufputschmitteln betrieben. Diese Stoffe haben erhöhtes Mißbrauchs- und Abhängigkeitsrisiko. Der Konsument solcher Medikamente wird sich seiner entstandenen Sucht oft erst spät bewußt. Auch fällt ein Geheimhalten der Sucht meist nicht allzu schwer. Ursachen für die Abhängigkeit liegen in der Person selbst und im sozialen Umfeld dieser Menschen, weiters auch im großen Angebot an abhängigkeitserzeugenden Medikamenten. Sie bedingen bei regelmäßiger Verabreichung körperliche Abhängigkeit. Auf Grund ihrer leichten Zugänglichkeit werden bestimmte Medikamentengruppen sowohl in der Drogenszene (Ersatzstoff bei Opiaten bei Versorgungsengpässen oder für den Beikonsum) als auch in der sogenannten Normalbevölkerung mißbräuchlich verwendet. Ihr Abhängigkeitspotential wird häufig unterschätzt. “
„Insgesamt wurden 2001 ca. 50 Millionen Schachteln (1997 ca. 57 Millionen Schachteln) Psychopharmaka in Deutschland verordnet!
Insgesamt wurden von den Kassenärzten 2003 für 1,5 Milliarden Euro Psychopharmaka und Schlafmittel verordnet. “

http://www.epsy.de/psychiatrie/psychopharmaka.htm
Es mag verwegen klingen, aber wenn der Schmerz, die Verzweiflung einigermaßen im Zaum, so will ich mir sagen: akzeptiere die „Krankheit“ und Kränkung, sie ist ein Teil von mir selbst (ohne den es mich nicht gibt!), ich habe kein anderes Leben, dies genau DIES ist mein Leben, es gibt kein „Besser“ oder „Schlechter“, also vergeßt die „GESCHMACKSVERSTÄRKER“ und „STIMMUNGSAUFHELLER“ sie vernichten wohl mehr, als dass sie können geben von der Direktheit, Unmittelbarkeit, vom Sturm des Lebens und unseren Gefühlen.

Entsprechende Ärzte und entsprechende Therapeuten sind „Verräter“ vor allem ihrer eigenen unbewältigten Ängste und ihrer Unfähigkeit, sich mit ihrer Hilflosigkeit, ihrem Neid oder anderen Schwierigkeiten des Lebens auseinanderzusetzen. Sie verstehen nicht, dass DIES ist das Leben (bislang mit „Malatschik“ solange zumindest nicht tatsächlich erfolgreichere Medikamente und Wege gefunden), und träumen weiter von der Schönen Neuen Welt, und doch schlafen sie nur oder betäuben sich und andere weiter, sodass sie nicht merken wollen oder können, was alles ihnen doch fehlt. So träumen sie zu sein, wie Götter, verharren in jugendlichem Omnipotenzgehabe. Wo man offensichtlich nicht kann richtig rechnen, dort träumt es sich am ausgiebigsten vom Nobelpreis, und dem anhaltenden Applaus der anonymen Masse.
Auch selbst könnte ich dies wohl kaum so formulieren, würde ich nicht auch selbst zuweilen diesem Pferde aufsitzen, und zeitweise mag es keinen anderen Weg geben, mit sich umzugehen, und vielleicht kann ich es mir auch mehr leisten, hier so zu tönen als andere, die es nicht aushalten können, warum auch immer. Die Welt bleibt bunt, und es ist nur eine Stimme, in einem Chor, in dem gerade nicht alle dasselbe Lied oder dieselbe Melodie pfeifen, und doch ergibt es ein Gesamt“Kunstwerk“ – oder auch nicht.
crav4del8

Eine kleine Geschichte Zufall

Dezember 6, 2006 - Leave a Response

(Daniela gewidmet)

Geschrieben von crav4del8 am 25. Juli 2005 08:42:03:

Seitdem der liebe Gott und der Teufel ihren Zwist begraben haben, und jeder nur noch auf seiner Seite nach den eigenen Vorlieben mit den entsprechenden Getreuen spielt, hat ein ehemals kleiner Knirps zunehmend mehr an Macht gewonnen. Ursprünglich hieß er mal Walter (oder Waltraud?), aber weil er immer wieder über seine eigenen 5 Füsse gestolpert ist, und zu Fall kam, wurde er irgendwann von allen nur noch „Zufall“ gerufen.
Dieser Zufall hat im Laufe der Zeit immer mehr Freude daran bekommen, Schlümpfe in Überraschungs-Eier hin und her zu schummeln, oder uns Menschen darin zu täuschen, wir könnten sowas wie „Wahrscheinlichkeiten“ berechnen. Je mehr die Würfel oder Kugeln nach gewissen „Regeln“ sich zu verhalten schienen, umso mehr lachte sich der ehemalige Knirps ins Fäustchen, war dies doch alles und alleine sein Werk.
Statt sich gottergeben dem „Schicksal“ oder dem „Willen Gottes“ zu fügen, rennen die Menschen nun zunehmend diesem „Zufall“ hinterher und beten ihn geradezu an. Die Teilnahme an Lotto, Losziehereien, irgendwelche „wissenschaftlichen“ Medikamenten-Studien … immer wieder und zunehmend mehr versuchen die überzeugten AnhängerInnen, Priester und Gläubigen, den Zufall anzubeten, und ihn auf ihre Seite zu ziehen. (Dabei scheint es auch hier wie mit allen Göttern zu sein: je mehr man sie anfeuert, umso merkwürdigere Kapriolen schlagen sie…)
Schnell hat man so also durch allerlei Rituale, Gebete oder sonstige merkwürdige Verrichtungen die Hoffnung bekommen, man könnte den Zufall beeinflussen oder gar ändern?! Jahrelang beschäftigen sich Menschen mit Berechnungen und entsprechenden hilflosen Versuchen, Kontrolle zu erhalten, und das einzige, was sie tatsächlich bekommen ist eine Zipfelmütze genannt „(Doktoren)-Hut“ von jenen, die auch diesem Glauben verfallen…
Tatsächlich gibt es in der Praxis immer nur 2 Möglichkeiten. Ein Ereignis tritt ein oder es tritt nicht ein.
Betrachtest Du es also als „Zufallsereignis“, ob Dein Liebster heute nacht bei Dir wird erscheinen, pflückst Du die Blütenblätter des Gänseblümchens, liest im Kaffeesatz, machst Dir Gedanken über seine „Persönlichkeit“ ,deutest das Wetter oder die Sterne, so bleiben doch nur 2 Möglichkeiten. Hörst Du Schritte im Gang, so wird sich ganz sicher Deine Hoffnung (und nichts anderes ist die „Wahrscheinlichkeit“!) erhöht haben. Fällt die Tür Deiner dicken Nachbarin Erna dann ins Schloss, wird das Spiel sich weiter fortsetzen, und nimmt Dich Dein Liebster dann endlich in den Arm, erst dann hat selbst der Zufall als neuer Gott ausgedient!

Selbsthilfegruppen, Neid und die Überzeugungskaft von Eunuchen in sexuellen Fragen

Dezember 6, 2006 - Leave a Response

15.7.05

Ganz zu Beginn meiner Malatschik-Erkrankung habe ich mal mit einer Frau gesprochen, die fast zeitlebens im Rollstuhl sitzt (andere Malatschik) und die hat mir das als ihre Meinung berichtet, dass der Neid unter Behinderten besonders groß (und oft gut versteckt?) sei. Das ist schon fast alles.

Da Frustrationen entwicklungsfördernd sein sollen würde ich mich in Sachen Tipps vielleicht auch eher an jene halten, denen es schlechter geht, und versuchen herauszufinden, wo sie hilfreiche Aspekte gefunden haben, mit der Krankheit klarzukommen. Aber auch hier sehe ich dann wieder die Gefahr, dass man gleichzeitig auch zu große Angst bekommt, beim Anblick des „Unglücks“, und der Focus sich zu sehr verschiebt. (Deshalb finde ich sollten „jüngere“ Betroffene sich eher von Selbsthilfegruppen „älterer Hasen“ fernhalten. Zu schnell werden sie „aufgefressen“, bzw. vereinnahmt…) .

Da man bei Malatschik nie so genau wissen kann, was wem wie geholfen oder „verursacht“ hat, finde ich, sollte man gewisse Einzelfallschilderungen nicht 1:1 auf sich zu übertragen versuchen.

Z.B. würde ich bei der Überlegung, ob ich mich kastrieren lassen möchte, nicht zwingend und alleine nur auf die Meinung eines „glücklichen“ Eunuchen berufen wollen. (Entsprechend bin ich etwas skeptisch, wenn mich Mitrobsox-User allgemein ermutigen versuchen, auch Mitrobsox zu nehmen.) Wenn ich mir ein Auto kaufen möchte, dann kann es auch ganz hilfreich sein, Kenner und Fans einer bestimmten Marke zu befragen, aber doch sollte man vielleicht auch noch eine zusätzliche Meinung einholen, besonders wenn man im Fanclub gelandet ist, oder beim Treffen der Verkäufer?

Ich hoffe, Du kannst mit diesen ganz grundlegend gemeinten Vergleichen was anfangen. Bekanntlich hinken Vergleiche ja immer, und ich wollte in keiner Weise mich hier konkret zu einzelnen Personen oder deren Neid etc. äußern.

liebe Grüße

crav4del8

Ist es feige, nichts zu tun? Ist es feige, den potemkinschen Göttern zu entsagen?

Dezember 5, 2006 - Eine Antwort

Geschrieben von crav4del8 am 09. Juli 2005 07:58:08:

im Prinzip laufen wir so oder so vor unseren Ängsten auch immer wieder davon.
Es kommt also drauf an. Bei Dr Tsatz habe ich eine „Aggressionshemmung“ unterstellt, und damit die These aufgestellt, dass er vielleicht auch nur deshalb gegen Medikamente sei, weil seine unbewußte Angst, andere vergiften zu wollen zu groß sein könnte. Nichts zu tun, kann also natürlich auch ein großer Fehler sein! Genauso, wie bestimmte Medikamente zu nehmen oder an Studien teilzunehmen. Und hier mit altruistischen Argumenten zu kommen (ich opfere mich für die nachfolgenden Generationen), da kann man meines Erachtens besser täglich für den Weltfrieden beten, und Altare bauen – in Anbetracht der bisherigen Erfolge unserer Medizin im Bereich der MS.

Was also tun? So oder so kann es „falsch“ sein. Andererseits hat jedeR subjektiv gute Gründe, für das eigene Handeln.

Ich finde es wichtig, FRAGEN zu stellen, zu hinterfragen. Mal so, mal so… . Mir zu unterstellen, ich wüßte alles besser, halte ich eher für den Wunsch und eine Projektion. Je nachdem mache ich ja auf die Risiken aufmerksam, und ich würde weder sagen, dass ich von Medikamenten abrate, noch, dass ich sie empfehle! Nehmen wir das LDN: einerseits habe ich Werbung dafür gemacht, dass es bekannt wird, weil ich große Chancen darin sehe: andererseits sehe auch ich diverse Risiken und psychische Nebenwirkungen, und habe selbst deutlich gemacht, und bekomme es immer wieder vorgeworfen, dass ich es selbst aus bestimmten Gründen nicht mehr nehme.

Ich weiß nicht, was „richtig“ und was „falsch“ ist, und ich glaube auch nicht, dass wir es so einfach herausfinden können.

DAS ist die Situation, die es zu ertragen und auszuhalten gilt, und dafür mache ich in erster Linie Werbung. Für einen gewissen weitreichend „realistischen“ an sich selbst und der eigenen Verzweiflung „nahen“ Umgang mit der eigenen MS.

Peinlichen Neurologen und co werfe ich vor, mit beschönigenden Darstellungen so zu tun, als wäre es ganz klar, dass man Basistherapie nehmen muss, und dass darin die Rettung liegt.

Anderen Kaffeesatzlesern werfe ich vor, mit „schwarzer Psychosomatik“ und der Behauptung, man könne oftmals konkret den individuellen Verlauf vorhersagen, man hätte durch Änderung des Lebenswandels etc. großen Einfluss etc… die Tatsache zu verdrängen, dass man hilflos ist.

So oder so habe ich das Gefühl, hier versuchten sich einige als „Götter“ zu etablieren, bzw. davon zu leben, dass sie uns etwas an die Hand geben (oder an die Hand zu nehmen versuchen), um uns die Angst zu nehmen. Leider! halte ich ihre Argumente für Kartenhäuser und ihre Hilfe für potemkinsche Dörfer, und auf Dauer glaube ich nicht, dass sie so entwicklungsfördernd wirken, sondern nur Abhängige erzeugen, die wie kleine Kinder weiter bedürftig an ihren Rockschössen hängen.

liebe Grüße

crav4del8

Danksagung, Entschuldigung, Abschied und Aufbruch (Naja, ein 1. Versuch eben)

Dezember 5, 2006 - Leave a Response

Und immerhin der letzte Beitrag vor einer „Pause“

Geschrieben von crav4del8 am 07. März 2003 22:56:22:

Vor ungefahr 2 1/2 Jahren habe ich in einem Malatschik Forum meinen ersten Beitrag geschrieben. Seidem sind viele interessante Menschen und Beiträge aufgetaucht und teilweise auch wieder verschwunden, ich habe hier eine Zeit erlebt, die mir sehr wichtig war, und ohne dieses Forum und diese Erlebnisse wäre ich wesentlich ärmer. Es gab viele Konflikte, viele Auseinandersetzungen und Diskussionen, viele schöne und frohe Stunden, viel Spaß und einige Aggressionen. Ich habe vor dem Rechner, beim genialen Treffen in Mülheim und im Chat mit Euch gelacht, gerungen und geweint, meine und Eure Verzweiflung gespürt und Halt gefunden. So bin ich sicher: die Beiträge und Stunden hier waren zumindest für mich alle sehr wichtig. Ich möchte Euch danken, für Euer Dasein, ich möchte mich entschuldigen, für die Schwierigkeiten und Verrücktheiten, mit denen ich Andy und viele von Euch strapaziert habe, oder wenn ich Euch verletzt habe. Es war keine einfache Zeit für mich, und ich weiß natürlich auch, dass es für Euch oft nicht einfach war und ist.

Vor allem Diskussionen mit guten Freunden haben mir deutlich gemacht, dass die aktive Zeit hier im Forum für mich nun besser zu Ende geht.

Ich bin in letzter Zeit sehr unsicher geworden, ob ich mit meiner Art wirklich hilfreich und verständlich bin, und ich glaube tatsächlich, dass ich viele mehr verwirre und störe, als ich mir eingestehen wollte. Vielleicht ist es auch nicht fair von mir, Euch hier mit meinen sicherlich oft wirr anmutenden Gedanken aus meiner Welt zu stören, und das zu posten, was mich gerade beschäftigt. Ich konnte nicht anders. Dies war meine Art der Auseinandersetzung, und ich bin nun hier wohl am Ende damit.

Zudem bemerkte ich aber auch, dass dieses Forum eine Art „Sucht“ für mich darstellt. So sehr es mir womöglich gelungen ist, bestimmte Aspekte zu integrieren, so merke ich doch, dass mich der Computer auch davon abhält, andere Dinge zu tun. Der erste Gang zum Computer… das muss nicht „gut“ sein, und ich glaube es wird Zeit, in einer bunten Welt, auch mal was anderes zu tun… sodass ich mir von diesem Schritt auch eine Art „Befreiung“ erhoffe.

So habe ich beschlossen, mein aktives Posting von allem Möglichen hier nun an dieser Stelle aufzugeben. Ich weiß nicht, ob mir dies tatsächlich gelingen wird, aber wenn, dann würde ich es ungerecht finden, einfach so grußlos zu verschwinden, und wenn nicht, dann zeigt das nur mal wieder ein Stück Menschlichkeit. 🙂

Sicherlich werde ich weiterhin hin und wieder mir hier Anregungen holen und mich auf den neusten Stand bringen…

Herzlichen Dank für alles!!!

Ohne Euch wäre ich nicht ich selbst!

liebe Grüße

crav4del8

P.S.:
Nachdem einige mir sehr wichtige Beiträge hier abhanden gekommen sind, hatte ich angefangen, mir hier wesentlich erscheinende Beiträge von mir zu sammeln. So verfüge ich über ein Word-Dokument mit inzwischen 71 Seiten „crav4del8talk“ und wenn jemand daran Interesse hat, bzw. eine Idee hat, was man damit hilfreich tun könnte, (*edit 2006*z.B. 3 Jahre lang weitersammeln und dann alles in einen Blog packen?:-p ) so stelle ich es gerne zur Verfügung. Folgender Beitrag ist einer der ersten, und aus meiner Sicht noch genauso aktuell wie damals:

Wesentliches im Leben: statt einer Neujahresansprache 😉

Geschrieben von crav4del8 am 29. Dezember 2000 15:19:39:

Jorge Luis Borges auf die Frage nach dem Wesentlichen im Leben:

„Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, im nächsten Leben, würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen. Ich würde nicht so perfekt sein wollen, ich würde mich mehr entspannen. Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich es gewesen bin, ich würde viel weniger Dinge ernst nehmen. Ich würde nicht so gesund leben. Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen. Sonnenuntergänge betrachten, mehr bergsteigen, mehr in Flüssen schwimmen.
Ich war einer dieser klugen Menschen, die jeden Moment ihres Lebens fruchtbar verbrachen; freilich hatte ich auch Momente der Freude, aber wenn ich es noch einmal anfangen könnte, würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben. Falls Du es noch nicht weißt, aus diesen besteht nämlich das Leben; nur aus Augenblicken, vergiß nicht den jetztigen.
Wenn ich noch einmal leben könnte würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den späten Herbst hinein barfuß gehen. Und ich würde mit Kindern spielen wenn ich das Leben noch vor mir hätte. Aber sehen Sie… ich bin 85 Jahre alt und weiß, dass ich bald sterben werde“.

Die Welt ist bunt und alle sind wichtig!

Rede an mich selbst?!

Dezember 5, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 07. März 2003 13:08:42:

Ich frage mich immer, was die anderen mit gut und böse meinen, weil ich mit so allgemeinen Aussagen: die Welt ist soundso wenig anfangen kann, außer dem bunt 🙂 und an Selbstläufer und Vorherbestimmtheiten glaube ich auch nicht wirklich.

Es kommt doch immer darauf an, wie wir die Welt für uns sehen, es gibt da kein richtig oder falsch, sondern ich finde es gilt zu verstehen, wie anderen das eben sehen.

Alles was wir tun, tun wir (auch) für uns selbst… weil wir nicht anders können… .

Ich agiere hier und anderswo immer als Mensch. Ich bin so. Im Vergleich zu anderen Psychologen und Therapeuten ist mir neulich allerdings aufgefallen, unterscheide ich mich doch sehr.

Ich mache meine Arbeit nicht in Ikea-Sesseln, in irgendeiner Praxis oder einem Büro zu festen Zeiten, sondern meist bei meinen KlientInnen zu Hause. Meine Klienten würden sich meist niemals in irgendeine Praxis begeben, und deshalb gehe ich zu ihnen, und Jugendliche z.B. nehme ich oft auch mit zu mir… . Heute morgen z.B. hab ich 2 Stunden auf dem Sozialamt gesessen, um einen Klienten zu begleiten, und er hat mir Dinge aus seinem Leben anvertraut, die er sonst wohl nur sehr selten erzählt und gleichzeitig haben wir noch eine Wohnung bzw. eine Kostenübernahme für ihn organisiert… Davor war ich mit einer Familie beim KJPD, weil der 4 jährige kräftig Schwierigkeiten macht, und er ins Heim kommen sollte, was ich gemeinsam mit der Familie nun zu verhindern versuche. Das alles kann ich nicht als irgendein theoretischer Psychologe tun, sondern nur als Mensch, der möglichst einfühlsam und verständig mit seinen KlientInnen umgeht.

Dass dies hier nicht immer so erscheint, und dass ich hier sicher auch zuweilen aggressiv und anders bin, ist sicher richtig, aber ich habe hier auch nicht meine Klienten und so leid es mir tut, ich rede hier eben auch zu mir selbst, und muss mir offensichtlich gewisse Dinge immer wieder sagen, um nicht selbst zu verzweifeln.

Auch ich habe Malatschik. Ich bin sehr traurig und verzweifelt darüber, und meine Arbeit fällt mir aufgrund von Symptomen nicht immer leicht. Ich wäre an vielen anderen Stellen gerne viel hilfreicher, und für mich ist das alles nun wirklich auch nicht immer einfach. Ich versuche hier auf eine Art gegen meine eigene Depression anzuschreiben, und selbstverständlich wissen hier viele genau, dass man mich mit solch Aussagen von wegen „die Welt ist böse“ erreichen kann, gerade weil auch ein Teil von mir recht laut diese Meinung vertritt. Ich möchte diese Stimme nicht unterdrücken, aber ich möchte auch nicht, dass die Depression die Oberhand gewinnt. Ich erlebe tagtäglich wohin das bei meinen Klienten führt, und ich erlebe tagtäglich, dass es sich dagegen zu kämpfen lohnt. Dennoch ist das nicht immer leicht für mich, und ich bin sicher, für viele anderen auch nicht.

Ich kann hier nur mich und meine Anregungen anbieten, (und ich bemühe mich mit meinen Anregungen möglichst Unterschiede deutlich zu machen, und eben nicht nur zu schreiben: „frag doch mal Deinen Arzt“.

crav4del8

Linker Daumen taub?!

Dezember 5, 2006 - Leave a Response

febr 03

Da unsere Nervenleitungen nicht mehr so ganz funktionieren, mag es verschiedene Gründe haben, warum was nicht „richtig“ bzw. wie sonst auch funktioniert. Es mag am Wetter liegen, an einer veränderten Körpertemperatur, Du könntest einen „Malatschik-Verschlechterung“ haben (was auch immer das nun wieder sein könnte…). Es kann sein, und ist wahrscheinlich, dass es bald wieder weg ist, und nicht mehr wiederkommt, es kann sein, dass Dich dieses Symptom öfters mal besuchen bekommt, und vielleicht wandert es auch, oder weitet sich aus.
Meine Daumen, Finger, Hände etc. sind immer mal wieder in ihrer Sensibilität beeinträchtigt, das geht nun seit 2,5 Jahren so, und die Erklärung heißt in meinem Fall eben „Malatschik“.
Mal ist es besser, mal ganz weg, dann wieder schlimmer, mit der Zeit habe ich mich fast daran gewöhnt, (auch dass es mehr wird), und solange ich keine wirklichen Einschränkungen habe, mache ich mir nicht mehr ganz soo panische Gedanken.

Du könntest ganz schnell Cortipanik bekommen, vielleicht wird es damit besser, vielleicht auch nicht, gegen die Schübe scheint das Cortipanik nicht zu helfen, nur gegen bestimmte Stärken von Symptomen. Gesund ist das Cortipanik wahrscheinlich nicht.

So schwer dies nun auch ist: ich glaube, es ist am hilfreichsten, wenn man versucht, sich mit seinen Symptomen anzufreunden, lieb mit sich selbst und mit ihnen umzugehen, und dankbar zu sein, dass es nicht schlimmer ist. Eine Malatschik muss nicht unbedingt wie eine Grippe verlaufen, die nach kurzer Zeit wieder gänzlich verschwunden ist, wir behalten manchmal Narben und Andenken, die sich hier und da nunmal bemerkbar machen können. Ich denke und weiß, dass es in diesem Bereich sehr schlimme Einschränkungen gibt, und dass andere Einschränkungen besser zu ertragen sind.

Mit am Schlimmsten, da bin ich sicher, ist aber die entstehende Panik und Angst. Damit können glaube ich die wenigsten Neurologen umgehen, die schnell zu Medikamenten greifen, und ich fürchte, auf Dauer kommen viele von uns doch nicht drumherum, sich mit anhaltenden Einschränkungen auseinanderzusetzen. (Man wird ja auch älter…)

Dir sei versichert: hier gibt es viele, die genau das kennen: einige werden denken: ach Gottchen, der kleine Zeh, das waren noch Zeiten, und einige können verstehen, wie verzweifelnd solch eine Situation sein kann bzw. ist.

Dein Daumen ist noch immer Dein Daumen, auch wenn er gerade auf sich aufmerksam macht, oder „stört“. (Da wirst Du Deine Sichtweise dazu finden)

liebe Grüße

crav4del8

Alle sind wichtig!

Dezember 5, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 17. Februar 2003 22:43:21:

Ich glaube, man kann ALLE Beiträge und ALLE Äußerungen auch immer als Kontakt- und Beziehungsversuche (zu sich selbst und! zu anderen) interpretieren. Dabei halten es Menschen oftmals sehr schwer aus, wenn es zuviel oder zuwenig „Nähe“ gibt. Zuwenig Nähe macht ein Gefühl von Einsamkeit, zuviel davon erzeugt oft eine große Angst vor Konfusion und Selbstauflösung, um es mal pauschal auszudrücken. Insofern sind wir bestrebt, den Kontakt immer auch zu regulieren, uns wieder abzugrenzen, wenn wir das Gefühl haben, uns zu Nahe gekommen zu sein… .

Oder anders:

Wenn in einem „System“ nicht alle Anteile zu ihrem Recht kommen, dann gibt es Störungen. Wenn also der wichtige Kobold „Abgrenzung“ nicht genügend Beachtung bekommt, dann schafft er sich seinen Raum, und ein System ausschließlich voller „Riesen“ namens „Nähe“, „Liebe“ und „Sonnenschein“ wäre sicher für alle bald unerträglich.

Aus diesem Sichtweise heraus mache ich oft „Werbung“ für möglichst alle Anteile. Dass ich dabei auch selbst zuweilen andere angreife, mag daran liegen, dass ich es selbst auch nur schwer aushalten kann, immer nur freundlich zu sein… . Ich habe mir hier sicher (neben anderen!) auch eine „Teilwelt“ erschaffen, in der für mich innere „Figuren“ leben, deren Meinung ich nicht teile und die ich „bekämpfe“. Dabei ist es mir wichtig, zwischen den realen Personen und ihren Handlungen zu unterscheiden. Mir ist klar, dass die drei „Bilderstürmer“ zum Größtenteil für mich wichtige innere Bilder in mir sind, mit denen ich mich hier auseinandersetze. Ich bin ihnen für diese Diskussionen durchaus dankbar (und gegenüber den realen Personen, den ich persönlich kenne – aber auch den anderen „Protagonisten“ empfinde ich durchaus auch ein Gefühl von Nähe und Verständnis). Über diese innere Welt hinaus sind es ja tatsächlich reale Menschen, die mir auf eine bestimmte Art offensichtlich wichtig sind und mich auch immer wieder überraschen (und selbst wenn es dadurch ist, dass ich sie so einfach und leicht zuweilen „herbeirufen“ kann…) .

Ich glaube, man sollte manche Auseinandersetzungen zumindest im Nachhinein viel spielerischer sehen. Ich finde die Bezeichnung „Kindergarten“ sowohl passend als auch gar nicht weiter schlimm, weil ich glaube, dass es gar nicht schaden kann, als Kind unter Kindern weiter mit sich und anderen im Kontakt zu sein… selbst wenn es dabei auch mal nur um Förmchen geht. „Erwachsen“ kann man sich hinterher wieder zeigen… . Wobei zugegeben ich manchmal traurig werde, wenn ich erlebe, wie tiefe Narben alte Auseinandersetzungen bei manchen hinterlassen haben, und wie unerbittlich und unbeweglich manche mit sich selbst oder „abgespalteten Anteilen“ umgehen. Es macht mich traurig zu erleben, wie wenig es einigen gelingt, Kritik anzunehmen, oder andere als anders „lebenzulassen“.

Sicherlich gibt es noch große Spielräume für Entwicklung und mehr Verständnis und hierfür möchte ich weiter werben. (Es muss ja auch nicht immer ne Diskussion sein, aber wie sollte das hier anders gehen?) Selbst wenn es ein Vorurteil sein sollte bin ich sicher: die anderen haben ganz bestimmt nicht immer unrecht.

liebe Grüße

crav4del8

Ein Märchen

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 04. Februar 2003 15:20:51:

E s war einmal ein großer Riese, der viele Jahre alleine in seinem Wald gelebt hatte, weil er nicht wußte, wie er mit anderen Geschöpfen in Kontakt kommen konnte. Eines Morgens spürte er, dass er krank war. Am Mittag und Abend waren die Probleme noch immer nicht verschwunden, tags darauf fühlte er sich nur wenig besser und als die Schwierigkeiten am 3. Tag noch immer Wirkung zeigten, da wurde er ungeduldig und ängstlich.

Er zog hinaus in die Welt, und dort traf er auf Menschen, was ihn sehr verunsicherte. So zog er schweigend durch die Städte und wußte nicht wohin. Hin und wieder begegnete er Menschen, die sein Leid erkannten, Mitleid empfanden oder sein Leid nicht ertragen konnten. Zuweilen boten sie ihm mehr aus Hilflosigkeit alte oder neuste Heilmittel und Medikamente an, die der Riese, glücklich einen Weg gefunden zu haben, in Kontakt zu kommen, gerne und allesamt annahm. Nach und nach entwickelte der Riese ein Gespür dafür, wenn er nach Medizin fragen konnte, er lernte sein Leiden offen zu zeigen und zur Schau zu stellen, und hatte so das Gefühl, endlich beachtet zu werden. Ähnlich ging es den Helfern, die sich daran erfreuten, mithelfen zu können, dem Riesen sein riesiges Leid zu mindern, sein riesiges Geld zu bekommen, oder von ihm riesig undankbar getreten zu werden.
Besonders jene, die Interesse daran hatten, ihre eigene Selbstlosigkeit und die riesige Undankbarkeit der Welt bewiesen zu bekommen, kamen voll auf ihre Kosten, denn der Riese war so glücklich, mittels seines Leids endlich eine Möglichkeit gefunden zu haben, in Kontakt zu kommen, sodass er von anderen Themen oder Dankbarkeit nichts wissen wollte. Hatte er seine Medizin bekommen, so trat er lautstark nach den Gebern, jammerte über die Unbeeinflussbarkeit seiner Erkrankung, die Unverschämtheit der Helfer… um sogleich sich den nächsten Freiwilligen zuzuwenden.

Und wenn er nicht seine Vergiftung erfolgreich vollendet hat, dann versucht der Riese das mit großer Genugtuung noch heute.

Meine 7 Empfehlungen zum Umgang miteinander in Malatschik-Foren

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 S. am 26. Januar 2003 23:19:08:

Als ausgewiesener langjähriger Spezialist (meine namhaften Referenzen können an diversen Stellen hier eingesehen werden!) fühle ich mich verpflichtet mein Wissen weiterzugeben, und so schlussendlich zum Erhalt und Ausbau eines Forums beizutragen.

Wie Prof. Dr. Dr. Rolf Remark (Tampa Bay/Ruhr) erst unlängst in einer placebokontrollierten, doppelblinden mehrjährigen Untersuchung an mindestens 126 Freiwilligen (Bilder liegen teilweise vor) mittels Dauerdeprivation unwiderlegbar beweisen konnte, führen zuviel Harmonie, Lebensfreude und Sonnenschein längerfristig fast zwangsläufig zu Langeweile, Frust, Todessehnsucht, oder noch schlimmer dazu, dass die Betroffenen gleich Narren durch die Natur lustwandeln, sich genüßlich sahnigen Produkten oder LebensabaschnittsgefährtInnen hingeben, an schicken Autos basteln oder auch den ganzen Tag freudig arbeiten, aber zunehmend weniger sich hier einbringen, bis sie schlussendlich ganz verschwunden sind.

Der einzige Ausweg dies zu verhindern, und um so gewisse Traditionen zumindest soweit zu erhalten, dass sie an die nächste Generation eifriger TeilnehmerInnen weitergegeben werden können, -so das Fazit der Studie- besteht darin, für ausreichend Unmut, Zwist und emotionalen Aufruhr unter den TeilnehmerInnen zu sorgen und es ist höchste Zeit, hiermit schon vorab die Schlussfolgerungen aus der Untersuchung kundzutun und schlicht ein paar wesentliche Hinweise zu geben, wie einE jedeR hier selbst am Besten für die Gemeinschaft und den Erhalt des Forums beizutragen vermag.

Meine 7 Hinweise, die zum Erhalt des Forums und der Gemeinschaft unverzichtbar erscheinen:

1. Man sehe in dem Forum den wesentlichen Zweck seines Lebens, was mindestens dadurch dokumentiert werden kann, dass man am besten stündlich nach neuen Beiträgen Ausschau hält.

2. Läßt es sich hierdurch schon nicht vermeiden, dass man noch andere Beziehungen außerhalb des Forums unterhält, oder dass sich hier gar wohlwollende Beziehungen ergeben, so sorge man dafür, dass die Anzahl deren zumindest durch die Anzahl der potentiellen Neider, Kritiker und verhasster persönlicher Feinde hier um ein Vielfaches übertroffen wird.

(Als keinesfalls abträglich hat es sich allerdings erwiesen, (sexuelle) Verhältnisse zu anderen „Gästen“ aufzunehmen, um erst für Gerüchte oder Intrigen, vor allem aber anschließende private Auseinandersetzungen zu sorgen)

3. Man schreibe zu möglichst jedem Beitrag eine Bemerkung, die möglichst wenig auf den Inhalt des bislang Erläuterten, aber uMalatschiko mehr auf persönliche Defizite des Schreibenden eingeht. Hierbei empfieht es in Fällen mangelnder Kreativität den Beruf, sozialen Status, Geschlecht etc. großzügig auszudeuten.

4. Hinsichtlich dem Umgang mit offensichtlich Andersdenkenden wird angeraten, sich archaischer Werte eigener Kultur oder Entwicklung zu besinnen. Ins Lächerliche ziehen und ein beständiges, sarkastisches, möglichst rudelhaftes über den Betroffenen Herfallen sind hierbei insofern geradezu als harmlose und respektvolle Varianten zu betrachten.

5. Respektvolle oder wertschätzende Äußerungen oder Zustimmung sind darüber hinaus nur dann zulässig, wenn es sich bei dem entsprechenden Beitrag um möglichst hahnebüchene Kritik an der Meinung anderer handelt. Kategorischer Imperativ hat es zu sein, dass nur die eigene Meinung Geltung beanspruchen darf.

6. Ein Ignorieren von Provokationen ist selbstverständlich streng verboten, wohingegen es sich empfiehlt eine halbwegs ernsthafte Diskussion mittels Argumentation regelmässig dann schweigend abzubrechen, wenn es interessant zu werden droht. Die Ankündigungen nicht weiter auf bestimmte Diskussionen oder Personen einzugehen sind nur dann erfolgversprechend, wenn man sich keineswegs daran hält.

7. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass man unter Schuldgefühle aufgrund mangelnder Erfolge im Säen von Streitigkeiten leidet, so besteht eine erfolgreich erprobte Möglichkeit darin, im Verborgenen mehr oder weniger offensichtliche Drohbriefe und Beleidigungen an andere TeilnehmerInnen zu versenden.

Die gegebenen Empfehlungen sind selbstverständlich nur als erste Richtlinien und hilfreiche Angebote zu sehen, und der Autor ist sicher, dass alle Beteiligten nachweislich bereits Geniestreiche zu verbringen vermochten, zu deren Beschreibung seine Sprache schon nicht mehr ausreicht.

In optimistischem Glauben, dass sich weitere Generationen kreativer Kämpfer finden werden und

mit lieben Grüßen

crav4del8

der sich auch dafür bedanken möchte, dass es mir oft so nachhaltig vor Augen geführt wurde, wie lächerlich ich mich machen konnte, indem ich versucht habe, „rational“ zu argumentieren.

Warten wirs ab…, wenn es keine Überraschung gibt, dann kann man auch überrascht sein 🙂

Sterbehilfe im inneren Parlament

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 23. Januar 2003 09:44:17:

Ich glaube, es gibt viel viel mehr Möglichkeiten, die Geschichten des Lebens zu erzählen, als es Menschen gibt, jedeR erzählt sich immer wieder eine andere eigene Geschichte. Zuweilen ist es vielleicht ratsam, andere durch eigene Gedanken beim Zuhören ihrer eigenen Reden nicht zu stören und sicher ist es oftmals auch wichtig, ein bißchen Werbung für Lebensfreude, Liebe und das (bunte) Leben zu machen.

Eine Geschichte könnte lauten, dass in uns selbst verschiedene Anteile um die Vorherrschaft kämpfen. Neben vielfältigen lebensfreudigen, liebestollen und -vollen, verspielten und lustvollen Gesellen, gibt es auch ein paar recht destruktive und zerstörerische Seelchen, die meinen, es nützt sowieso nix, die vielleicht nicht damit klarkommen, dass das Leben endlich ist, und glauben, gleich oder vorschnell alles kaputtmachen zu müssen. In einem gewissen Bereich von Aggression sind diese Stimmen sicher sogar zuweilen ganz hilfreich. Sie regen Veränderungen oder zumindest nachdenkliche Gedanken an und solange sie nicht komplett die Herrschaft übernehmen, so ist es sicher wichtig, ihnen ihren Platz im inneren Parlament einzuräumen.
Allerdings so scheint es mir, kann es vorkommen, dass die Verzweiflung und Einsamkeit so groß werden kann, dass die Partei der Todesssehnsucht (PdT) die Mehrheit bekommt, und dann werden vor allem Anträge und Gedanken zum eigenen Suizid in das eigene Parlament eingebracht, die Diskussionen drehen sich vorwiegend um solche Gedanken, und andere Themen verlieren an Bedeutung.

Mein Gefühl ist, dass eine Erkrankung wie die Malatschik eine Menge Potential an Verzweiflung mit sich bringt, und somit die PdT eine derartige Menge an Zulauf erhält, was ich durchaus traurig und erschreckend finde.

Damit meine ich nicht, dass bestimmte Themen nicht auch ihre Berechtigung haben, und in manchen sehr seltenen Fällen bin ich durchaus überzeugt, dass auch ein Suizid die richtige Lösung sein kann, aber ich glaube, darüber soviele Worte zu verlieren… das stimmt mich nachdenklich. (so oder so)

Schon mehrfach habe ich versucht hier eine Gegenstimme zu bilden, und sozusagen die PbL (Partei für das bunte Leben) auszurufen, aber ich glaube, potentielle Anhänger haben schon aus den eigentlichen Satzungszwecken wesentlich Besseres zu tun, als sich regelmässig hier aufzuhalten.

Ich glaube, es ist auf Dauer wenig erbaulich, hier immer wieder lesen zu müssen, wie Menschen, die man sehr schätzt, fast sarkastisch und abfällig über ihr Leben schreiben…

Gerne lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen… und ich freue mich weiterhin über Eure Geschichten.

liebe Grüße

crav4del8

Erfolge alternativer Therapien!!?!!

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 19. Januar 2003 11:43:48:

Wahrscheinlich könnte man aus der Sicht deren, die sich hier in ihrer Welt über ihre Welten austauschen möchten, bestimmte notorisch wiederholte Einwände als ein unhöffliches „Dazwischenreden“ und Stören – eine Provokation und Zumutung, eine Behinderung interpretieren.

Man könnte unterstellen, dass mit einem notorischen „Stören“ und Polemisieren die Verbreitung und Thematisierung bestimmter Ideen verhindert werden soll, weil sie aus welchen Gründen auch immer nicht ertragen werden können. Andererseits könnte man vielleicht den Glauben an manch merkwürdige Idee auch als Verleugnungsstruktur offensichtlicher oder realistischer Einschränkungen entlarven.

Ich möchte ja oft Werbung dafür machen, hier möglichst (auch eigene) Anteile zu integrieren und auch „Verrücktheiten“ zuzulassen.

(Auch) mich würde es aber sicher auf eine Art „verrückt“ machen, würden manche mittels mir äußerst merkwürdig vorkommender Techniken mit unerklärliche Erfolge im Bereich ihrer Malatschik-Behandlung erzielen. Auf eine Art glaube ich, dass es einen Teil von mir keineswegs erfreuen, und mich insgesamt allenfalls verunsichern würde, müsste ich hier von durchschlagenden Erfolgen lesen, die durch Behandlungen erzielt werden, die ich für Quatsch halte.
Mache ich etwas falsch, bin ich so „verrückt“ hilfreiche Verfahren mir aus engstirniger Borniertheit vorzuenthalten, müsste ich mich fragen, und schön, wäre das erstmal nicht. ( Nicht immer gelingt es, Argumente und Phantasien so leicht vom inneren Tisch zu wischen, und vielleicht treffen einen persönlich bestimmte Vorstellungen mehr als z.B. mich wie die Behauptung, dass man am besten von Licht und Liebe alleine lebt, oder dass eine halbe Banane am Tag beständig für 17 Stunden Arbeit ausreicht.) Freuen könnte ich mich also in erster Linie nur, wenn ich darin auch eine Hoffnung für mich sehen könnte, ich müsste mich mit meinen Ängsten vor zuviel enttäuschter Hoffnung, vor Abgezocktwerden und sonstiger Selbstschädigung auseinandersetzen. Auch das muss nicht schön sein.

Aber soll daraus geschlossen werden, dass am besten verboten werden soll, hier von Hoffnungen und Erfolgen zu berichten?

Vielleicht liegt ein Schlüssel vielmehr darin, dass die Gutgläubigen, sich mutig oder verzweifelt anderen (auch alternativen Ideen) Anvertrauenden anerkennen lernen, dass die verzweifelt Zweifelnden, vor Enttäuschung Warnenden auch eigene Anteile repräsentieren, während es umgekehrt sich genauso verhält?

Vielleicht könnte es hilfreich sein, könnten die „Verrückten“ mehr Sinn für „Realitäten“ und die „Realisten“ mehr Sinn für ihre eigenen „Verrücktheiten“ entwickeln, und vielleicht wären so manch Beschränkungen in der Kommunikation aufzuheben?

Vielleicht auch nur eine „verrückte“ (spielverderberische“?) oder neue Spiele anregende Idee und deshalb hier wie dann vielleicht auch überall genau richtig?!

liebe Grüße

crav4del8

Über den Umgang mit Suizidentscheidungen Schwerstbetroffener

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 24. Juli 2002 10:05:03:

Hallo Du;
Ein Schwerstbetroffener und seine Entscheidung hat sicher sehr viele von uns hier sehr getroffen und betroffen gemacht (auch mich), zumal man mit derselben Diagnose sich vielleicht ja auch näher „dran“ an einer solchen Entscheidung wähnt.
Nachdem nun sicher auch andere überlegen, diesen Weg zu gehen, dies teilweise ja auch immer wieder hier proklamiert wird und ich endgültig drohe abzustumpfen (es fällt mir zuweilen zunehmend schwerer, den einen oder anderen „Suizidbeitrag“ noch empatisch aufzunehmen) meine verzweifelte Frage:
Wie glaubst Du kann oder sollte man mit solch einer Entscheidung umgehen?
Ich möchte mir kein Urteil darüber erlauben, ob z.B. die Entscheidung von IHM nun „richtig“ oder „falsch“ war, zumal ich ihn und seine Situation nicht kannte.
Zuweilen habe ich mich gefragt, was es denn bedeuten könnte, dass geschrieben wurde, dass ER nun seine Krankheit „besiegt“ hat, und wie denn dann ein „Verlieren“ aussehen könnte, aber auch darüber möchte ich genausowenig ein Urteil anmaßen, wie über den einen oder anderen Beitrag hierzu, über den ich mich „gewundert“ habe.
Ich habe mich hier zu der These hinreißen lassen, dass es die Aufgabe von Freunden sein könnte, immer für das Leben zu kämpfen.
Ich finde es sehr schwierig, mir vorzustellen, dass ich solch eine Entscheidung eines mir lieben Menschen akzeptieren könnte, ohne daran zu verzweifeln. (Wohin sollte ich denn mit den mir selbstmachenden Vorwürfen, nicht alles versucht zu haben, dafür zu kämpfen, dass es vielleicht doch noch „lebenswerte“ Momente geben könnte…) Dabei bin ich durchaus darin geübt, anderen selbstverantwortlich Entscheidungen zu überlassen, aber bei so einer Absolutheit tue ich mir sehr schwer.

Ich bin mir bewußt, dass man bestimmte Aggressionen und „Zerstörungen“ nicht vermeiden und verhindern kann, und akzeptieren muss. Dies gilt sicher für solch furchtbare Dinge wie die Malatschik als auch für die eine oder andere „bewußtere“ Entscheidung. Niemand kann sich bewußt selbst schädigen, weil er/sie immer im Glauben ist, das Beste für sich und andere zu entscheiden. Dennoch habe ich mit einer solch endgültigen Entscheidung bzw. vor allem dem Umgang damit große Bauchschmerzen, und ich würde mich freuen, die eine oder andere Idee zu erhalten, wie man damit umgehen kann, ohne zu verzweifeln. Bislang rührt sich in mir heftiger Widerstand, mir vorzustellen, wie wir hier nach und nach vielleicht recht wortreich den einen oder anderen „kampflos“ „verabschieden“, zumal mein Eindruck ist, dass hier oftmals mehr an „Einsamkeit“, als an konkreten Malatschik-Symptomen „gelitten“ wird.
Dabei geht es mir mit diesem Beitrag insgesamt keineswegs darum, gefallene Entscheidungen anzuzweifeln oder aufzurühren, sondern darum, vielleicht daraus zu lernen, und neue Umgangsformen zu finden.

mit lieben Grüßen

Vodoo -death!

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 S. am 30. Juli 2002 19:44:14:

Vodoo -death!

So heißt ein klassisches Referat des amerikanischen Physiologen (nicht Psychologen!) Walter Cannon, der eine Anzahl mysteriöser, plötzlicher und schwer zu erklärender Todesfälle nach Verfluchung und Verzauberung oder dem Brechen von mit dem Tode bedrohten Tabus untersucht hat. Z.B: ein junger afrikanischer Jäger erlegt und isst irrtümlich eine bestimmte tabuisierte Wildente, bemerkt sein „Verbrechen“ verfällt in Verzweiflung und stirbt innerhalb von 24 Stunden. Oder ein brasilianischer Indio wird vom Medizinmann mit einem Fluch belegt, ist unfähig, sich gegen seine eigenen emotionalen Reaktionen zu wehren und stirbt wenige Stunden später. …

So bei Paul Watzlawick: „Die Unsicherheit unserer Wirklichkeit“ nachzulesen. An anderer Stelle schreibt er:

„Man bewundert Menschen, die gelassen in den Tod gehen. „Anständiges“, gefasstes Sterben, das nicht mit dem Unvermeidlichen hadert, galt und gilt in den meisten Kulturen als Ausdruck von Weisheit und ungewöhnlicher Reife. Um so überraschender und ernüchternder sind die Ergebnisse der modernen Krebsforschung, die nahelegen, dass die Sterblichkeitsrate jener Patienten höher ist, die sich in reifer, abgeklärter Weise auf den Tod vorbereiten, oder die, wie das KZ-Opfer F., aus welchem Grund auch immer, einer negativen sich selbst erfüllenden Prophezeiung anheimfallen.“

Es macht mich fast schon wieder traurig, dass ich an dieser Stelle schon wieder Sorge habe, man wird mich merkwürdig interpretieren, sodass ich mich erstmal offenbar rechtfertigen muss, und erklären muss, dass ich dies nicht konkret in Zusammenhang mit einem bekannten Todesfall zu bringen gedenke, und dass auch mir klar ist, dass Menschen irgendwann sterben müssen, und am besten selbst bestimmen, wann es soweit ist. (Womit ich meine, dass ein „natürliches“ Einschlafen und nicht mehr Aufwachen selbstverständlich auch selbstbestimmt ist!)

Mein Anliegen ist es vielmehr, die ja nicht unbedingt neue Idee zu transportieren, dass unser Leben und unsere Krankheit in gewissen Bahnen sicherlich auch von der Art und Weise abhängt, wie wir damit umgehen, und wie wir selbst davon bewusst und unbewusst denken. (Bei dem was Ärzte und andere und vor allem wir selbst uns so teilweise suggerieren, …)

Damit geht es mir nicht darum zu behaupten, man bekäme solch eine schlimme Krankheit nur, weil man irgendetwas falsch gemacht hat, sei es Amalgam hat verwenden lassen oder irgendeine Kindheitsangst nicht richtig bewältigt hat, auch diesen Ansatz finde ich eher „gefährlich“… . Ich glaube, dass die eigene Vergangenheit eine Menge Einfluss auf das eigene Leben, Sichtweisen und Handlungsstrategien hat, und dass es sich oftmals sicherlich lohnt, dies genauer zu analysieren.

Hier geht es mir vielmehr um die Frage, wie unsere aktuelle Einstellung, unsere jetztigen Gedanken und Phantasien sich auf unser Leben auswirken, und in Anbetracht der oben zitierten Gedanken, bekomme ich hier zunehmend Schwierigkeiten… .

Ich glaube nicht, dass es darum gehen kann, dass man nun daraus folgert, alle negativen, angstauslösenden Gedanken möglichst beiseite zu stellen, und diese zu leugnen versucht. Zwingend notwendig erscheint es mir allerdings zu sein, dass man auf keinen Fall seine Hoffnung verliert! (worauf auch immer man hoffen möchte…)

Wenn ich immer mal wieder von MalatschiklerInnen die Frage lese oder höre, ob es mir „noch“ gut geht… dann bekomme ich Bauchschmerzen, denn was soll es denn bedeuten, dieses „noch gut?“ Da erwartet doch geradezu jemand, dass es mir bald oder irgendwann nicht mehr so gut geht, und wenn ich nicht aufpasse, dann ist dieser jemand, der so denkt, ganz schnell auch der meinige, um mal ein vielleicht nicht ganz so harmloses aktuelles Beispiel zu nennen.

So viel mir die Auseinandersetzung mit dem weiten Feld der Schwierigkeiten, die uns unsere Krankheit auferlegt, sicherlich gebracht hat,… ich bin mir nicht sicher, ob dies nicht vielleicht alles auch ein Ringen um Hoffnung und gegen die Verzweiflung ist, und dass es gar nicht so einfach ist, diesen Kampf hier immer wieder zu bestehen. Vielleicht sind die diversen Auseinandersetzung hier auch teilweise oftmals schlicht und einfach „Ablenkungsmanöver“, um nicht der Verzweiflung, Wut, und Resignation zum Opfer zu fallen?! (Es ist nicht nur meine Erfahrung, dass der Umgang von Behinderten untereinander oftmals sehr problematisch ist. Neid, aber sicher auch die immer wieder aubrechenden Drohungen mögen hier eine gewisse Rolle spielen.)

Ich hoffe doch, dass ich irgendwann einmal lange genug an den ganzen Schwierigkeiten „festgehalten“ habe, dass ich es genug sein lassen kann, und andere, freiere Wege zu finden vermag, wobei ich glaube, dass dies nicht bedeutet, dass ich nun aller Probleme ledig sein werde, wenn ich mir nur noch „positive Gedanken“ mache und mich mit manch „Müll“ nicht mehr belaste. Ich meine nur: wird der „Müll“, das Ausmaß des depressiven Gedankengutes zu groß, und betrifft dies alles auch noch Menschen, die mir größtenteils erstmal „nur“ aufgrund derselben Diagnose innerlich besonders nahe gekommen sind, dann kann es für mich heftig schwierig werden, und ich bin momentan gewillt, mir im bekannten Ausmaß dies nicht mehr zumuten zu wollen.

Mich in dem Sinne bei den MitsteiterInnen für manch „Verfehlung“ zu entschuldigen ist sicherlich nur zum Teil angemessen, denn es war dann ja immer ein gemeinsames „Spiel“ bzw. „Ablenkungsmanöver“, und beide Seiten hatten davon ja dann auch ihren „Gewinn“.

Vielmehr wichtiger ist es mir, mich für all die hilfreichen Gedanken und Anregungen ein weiteres Mal bedanken!

Vollständig auch aus dieser Welt verschwinden, werde ich sicherlich nicht.
🙂

Herzliche Grüße

crav4del8

Moralischer Sieg und sein Preis. Div. Ärzte und andere Wunderheiler

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 13. Juli 2002 16:27:44:

Man könnte sagen, dass manche Menschen sehr teuer von anderen „Hoffnung“ kaufen. Ein Spiel, eine Inszenierung, vergleichbar einem „Voodoozauber“, der ja vielleicht auf psychischer Ebene doch was bewirken kann, und zumindest haben die Ängstlichen die Möglichkeit oder besser das Gefühl, etwas zu tun.
Ich bin mir nicht sicher, ob bestimmte praktizierte medizinische Praktiken solch „Verfahren“ überlegen sind, und auch damit verdienen manch Arzt und Apotheker eine Menge Geld. Und auch hier kann es gewaltige Folgeschäden geben.

Aber ich möchte mit den hilflosen Praktiken der einen nicht jene der anderen rechtfertigen.

Vielleicht ist erst einmal zu unterscheiden, ob die „Heiler“ an ihr Verfahren selbst glauben oder nicht!

Das scheint mir ein wichtiges Kriterium zu sein. Man kann immer streiten, aber der Vorwurf, dass jemand andere bewußt schädigt, um daraus einen eigenen Vorteil zu ziehen, wiegt sicherlich schwer.

Die Stärke des Glaubens an den Erfolg der von einem selbst propagierten Therapie ist natürlich nicht einfach zu messen, und auch Zweifel müssen erlaubt bleiben.

Wenn ein Dr. Franke oder sonstwer teuerst DXP oder sowas verkauft, dann muss man schon aufgrund der Preisgestaltung skeptisch werden… .

Dies ist vielleicht der 2. Punkt: Das Preis/Leistungsverhältnis.

Manch eineR engagiert sich größtenteils aus Idealismus und Leben wollen schließlich alle! Steht das wirtschaftliche Interesse primär im Blickpunkt, dann gilt es wiederum skeptisch zu sein!

An dieser Schiene gemessen, muten dann aber auch die Praktiken von Schwerin und Co durchaus sehr verdächtig an. Zu einem volkswirtschaftlich nicht unbedingt zu vertretenden Preis, werden da Mittel unter die Leute gebracht, die nach eigenem Bekunden den Verlauf um gerade mal ein Jahr verzögern. Und dies unter beträchtlichen Nebenwirkungen. ob sich dies für viele einzelnen „lohnt“ möchte ich nicht beurteilen.

Und mir kommt es so vor, als würden gerade im Bereich der Malatschik sich viele viele Ärzte ihre Hilflossigkeit gut entschädigen lassen. Da wird man regelmässig zur Kontrolle gerufen, um reine diagnostische Maßnahmen über sich ergehen zu lassen. Eine wirksame Therapie der festgestellten Schwierigkeiten können dabei allerdings selten in Aussicht gestellt werden, und insofern glaube ich, dass auch der Vorwurf, dass so manch einer uns Malatschik Kranke ausnutzt vielen Ärzten gemacht werden muss. (Was brauche ich alle 3 Monate eine neurologische Untersuchung, warum soll ich mich jährlich einem MRT unterziehen, was mir nur Angst macht, warum diese oder jene Diagnostik, wo es so wenig Therapie gibt…?)
Ich habe schon einige auch schmerzhafte Untersuchungen abgelehnt, weil mir auf meine Frage welche Auswirkungen die Untersuchung auf die folgende Behandlung hat, mitgeteilt wurde, dass es keinen Unterschied gäbe, worauf ich mir jedesmal schwer „verschaukelt“ vorgekommen bin.

Ich war einmal beim Heilpraktiker. der meinte: einem Drittel könne er helfen, einem Drittel immerhin die Symptome lindern und bei einem Drittel gar nichts tun.

Ich war ihm dankbar für seine Ehrlichkeit, und weil ich die Zahlen für genau die halte, wie sie allgemein bei Malatschik-Erkrankungen vorkommen, habe ich den Schluss daraus gezogen, dass ich erst einmal abwarte.

Die Schulmedizin hat mich dagegen viel mehr gequält. Ich wurde völlig unnützerweise einer Lumbalpunktion unterzogen (deren Werte hinterher kein Mensch interessiert haben); ich bekam Cortibluba -ungefähr 3 Monate nachdem Symptome aufgetreten sind- in hoher Dosierung selbstverständlich ohne positiven Effekt und ich wurde von Pontius zu Pilatus geschickt, und sollte ständig hier und da antanzen, was mich jedesmal kräftig innerlich bewegt und mitgenommen hat.

Finanziell gekostet hat mich das wenig, sondern nur meine Krankenkasse wurde geschröpft, aber der Preis dieser Behandlung war für mich und für mein Vertrauen trotzdem sehr hoch…

Insgesamt will ich damit aber gar nicht sagen, dass ich die Schulmedizin gänzlich ablehne, und wenn ich ein Problem habe, dann frage ich dort um Rat.
Es ist sicher sehr sehr wichtig, Ärzte und Vertrauenspersonen zu haben, auf die man sich verlassen kann!

Ich habe keine Erfahrung mit den „AlternativheilerInnen“ und ich befürchte, dass die Zahl der „schwarzen Schafe“ da sehr hoch ist. Im Bereich der Schulmedizin ist deren Zahl aber sicher auch nicht gering, und ich wünsche allen, dass sie Menschen finden, denen sie Vertrauen können, ohne, dass sie hinterher enttäuscht werden.

Dazu gehört vielleicht, dass man sich klar macht, was es heißt, anderen zu vertrauen, und was man ganz genau von dem erwartet, dem man sich anvertraut.

Erhofft man sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Heilung der Malatschik, dann ist die Enttäuschung sehr wahrscheinlich vorprogrammiert.

Und kann man dies mehr dem „Wunder-Heiler“ oder jenem zum Vorwurf machen, der es sich so sehr wünscht, und sich dieses Wunscherfüllungsversprechen – gegen Gutes Geld- und wohl mehr oder wenig gegen besser mögliches? eigenes Wissen? teuer verkaufen lässt?

Vielleicht ist der Preis der Heilerinnen und „Gurus“ vor allem eine Art Scherzensgeld dafür, dass sie hinterher mit Zorn und Hass der Enttäuschten bedacht werden?

Ich glaube nicht, dass man sich selbst damit was Gutes tut, anderen großspurig „Heil“ zu versprechen und zu verkaufen.

Ich halte dies insgesamt für ein „Spiel“ oder eine Inszenierung, und ich bin mir nicht sicher, wer eigentlich dabei mehr Macht hat.

Immerhin kann der „Enttäuschte“ seinem früheren Heiler hinterher käftig Vorwürfe machen, zeigen, wie hilflos dieser doch ist, wie sehr er ihn enttäuscht hat, und ist „moralisch“ der Sieger im Spiel!

Vielleicht ist es auch gerade diese „moralische Überlegenheit“, die hier viele auf die Praktiken der Wunderheiler einprügeln läßt?

Zumindest könnte es damit zu tun haben, und ich halte es aus diesem Grund umso für wichtiger, sich genau die eigene Beteiligung, die eigene Verstrickungen an solch Prozessen mit anzusehen.

Sollten jemand meine Gedankengänge zu verworren oder sinnlos erscheinen, so bitte ich dies NICHT wensentlich in Zusammenhang mit meiner Malatschik zu bringen, sondern mir persönlich selbst anzulasten! Ich übernehme die volle Verantwortung 🙂

liebe Grüße

crav4del8

Was es für mich bedeutet, behindert zu sein

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 S. am 11. Juli 2002 16:01:10:

Nachdem man ja zuweilen und vor allem leider immer wieder lesen kann, dass Menschen ohne Malatschik ja sowieso keine Ahnung haben, nicht nachvollziehen können, was es heißt, Malatschik zu haben, und auch sonst insgesamt eher abschätzig behandelt werden, will ich mal den Versuch unternehmen und mich vor allem selbst betrachten, was ich denn so für eine Haltung mir selbst, „Behinderten“ und „Nicht-Behinderten“ gegenüber so habe.

Also angefangen hat das ja alles viel früher, als ich da wart ein Kind:

ich erinnere mich deutlich, dass mir damals oftmals jegliches Gebrechen, Alter oder Behinderungen deutlich suspekt vorgekommen sind. Zu sehen, dass mit anderen offensichtlich etwas nicht stimmt, hat mich eher peinlich berührt, vielleicht überfordert, und vor allem, diese Menschen waren mir irgendwie suspekt.

„Du Spast“ war ein durchaus beliebtes Schimpfwort, „Du bist ja behindert“ ebenso nicht gerade freundlich gemeint… .

Dass ich meinen Zivildienst in einer Behindertenwerkstatt erbracht habe, und inzwischen (schon lange vor Diagnosestellung) ein Projekt bzw. Verein im Bereich der Behindertenhilfe für Kinder und Jugendliche gegründet habe, hat mich mit der Problematik ein wenig vertrauter gemacht, aber wirklich nahe, habe ich mich weiterhin Behinderten gegenüber nicht wirklich gefühlt. Irgendwie waren die eben „anders“.

Und ehrlich, soviel Engagement hab ich mir dann doch nicht gewünscht, dass ich nun auch selbst einen Schwerbehindertenausweis in der Tasche habe, und nun irgendwie, ich kann es nicht leugnen, „zum Club“ dazugehöre.

Schnell sieht man die Dinge ein wenig anders, ist man selbst betroffen, keine Frage, nur inzwischen sehe ich eher die Gefahr, dass ich mich vorwiegend über meine Schwierigkeiten und Behinderungen definiere.

Ich habe Spastiken. Upppps!? Moment mal, bin ich nun ein Spast? Diese Frage tut weh!

Was heißt dies nun für das Bild in mir von mir selbst? Ich kann nicht glauben, dass der (kindliche) Anteil von mir, dem das alles doch mal so suspekt war, nun gänzlich verschwunden sein soll. Ich bin behindert, was heißt das nun?

Man stelle sich mal einen Jesus bei der Bergpredigt vor, der stottert und oder hinkt.

Was ist aus dem Ideal der Unversehrtheit geworden, wie sehr kann ich mich damit noch selbst ernst nehmen? Zumindest ich für mich, finde es alles andere als einfach, mich als Behinderten noch genauso erst zu nehmen und gern zu haben, wie dies davor möglich war.

Ist man vom Leben derart „enttäuscht“ worden, dann ist man sicher auch frustriert, gekränkt, voller Neid und Aggressionen, und ich glaube, man glaubt lieber den gesund und strahlend lebensfroh aussehenden Mitmenschen, als jenen, dennen man ihr Probleme schon ansehen kann. (Man stelle sich die neue Zebra-WischundWeg-Werbung vor, als da sei ein Behinderter, der traurig schaut, und behauptet, dass Zebra die Tränen saug- und reißfest wischundweg-wischt…)

(also übrigens genau das Gegenteil der Haltung, die Nicht-Behinderten hätten keine Ahnung…)

Ich glaube, dass auch wir alle solche Anteile in uns haben könnten, die die eigene Behinderung sehr abschätzig und diffamierend betrachten und behandeln.(Das „Unbewußte“ so hört man gelegentlich kennt keine Zeit, und das Kind von damals mag zumindest dort sein Recht fordern…)

Vielleicht ist es wichtig, diese Anteile zu finden, anzuerkennen, vielleicht zu beruhigen, zu trösten, und vielleicht wird es damit auch leichter, freundlicher nicht nur mit sich selbst sondern auch mit anderen umzugehen.

Ich halte es mit diesen Gedanken für sehr bedeutsam, sich vor allem die Anteile von sich selbst anzuschauen, die Behinderte und auch die eigene Behinderung gänzlich suspekt finden, und ich glaube, dass es zumindest in mir da eine Menge innerer Konflikte in der Betrachtungsweise gibt, die nicht so ganz konsequenzenlos bleiben… .

Über die Mitteilung Eurer Ideen und Anmerkungen würde ich mich sehr freuen.

liebe Grüße

crav4del8

Zum Umgang mit sich selbst und anderen gerade bei Malatschik

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 11. Juli 2002 15:18

Hallo Ihr;

der eine oder andere Eurer Artikel hier hat mich zum Nachdenken gebracht, und ich halte es für angemessen, ein paar meiner Gedanken hier auszubreiten:

Prinzipiell glaube ich sollte man sich häufig an das Vorurteil halten: der andere könnte Recht haben!

Dies heißt nicht, dass Kritik verboten ist; im Gegenteil: es soll ja gerade eine Diskussion stattfinden, die allerdings wohl eher von Argumenten lebt, und weniger von „Du hier – Raus!“-Rufen. Ein möglichst wertschätzender Ton ist sicher nicht immer einfach zu treffen (eigene Erfahrung) und auch ein wenig Ironie und Aggression mögen ihren Platz haben, und dennoch: man sollte die anderen zumindest ein wenig deutlich freundlicher behandeln, als man es für sich selbst noch als angemessen empfindet, so als Vorschlag :-). Verstehen könnte ja gerade heißen, etwas Neues, das man bislang noch nicht kannte, neu zu entdecken oder bei sich selbst finden zu können, und ein bißchen Offenheit gehört da sicherlich dazu. Wenn die Frage ist, ob ich mich lieber als „Vogelfänger“, sehen möchte, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, sämtliche „bunte Vögel“ abzufangen und totzuschlagen, oder aber Züchter und Beförderer noch so bunter Vögel zu sein, dann wähle ich glaube ich bewußt letzteres.

Zudem sollte man beim Kritiküben vielleicht beachten, dass man häufig gerade hinter dem Busch, auf den man gerade eindrischt, schon allzuoft gesessen hat! (Warum sonst regt man sich überhaupt so sehr über gerade dieses Thema auf??)

Vielleicht ist es hilfreich sich regelmässig zu fragen, wie es dem anderen wohl in seiner Position geht, wie es einem selbst gehen würde, wäre man in dieser Position. Nicht ganz so einfach ist man dermassen vom Leben „benachteiligt“ worden, … könnte man mit Malatschik ja vielleicht sagen.

Niemand kann sich bewußt selbst schädigen, dass heißt alles was wir tun, tun wir aus guten Gründen (wie wohl man sich zuweilen etwas wundern kann, was wir und andere, so manchmal glauben, dass gut für uns sei 🙂 )

Dass oft bestimmte Meinungen (vielleicht vorschnell?) abgebügelt werden, und bestimmte Diskussionen unerwünscht sind, wurde mir selbst am eigenen Leib schmerzhaft deutlich gemacht.

Ich schreibe in beständiger, schwer so ganz zu überwindender Furcht, dass Teile meiner Artikel mißverstanden, ich wieder gebannt und rausgeworfen werden könnte.

Sicher war es eine wichtige Lektion für mich, dass es bedeutsam ist, möglichst wertschätzend mit anderen umzugehen, zumal man eben sehr schnell grundlegend auch mißverstanden wird. Andererseits kann ich nicht glauben, dass das Forum noch sonst eine Institution durch ein rigeroses Mundtotmachen irgendwas grundlegend Wichtiges gewinnen kann. Insofern halte ich es weiterhin für wichtig, dafür einzutreten, dass hier keine imaginären „Bücherverbrennungen“ stattfinden: sei es in Bezug auf Reikiklopska noch sonst eine mehr oder weniger Außenseitermeinung.

Alles sind wichtig! Und ich finde, es ist leider schon mehr als genug auch hier kaputtgegangen. Die eigene Meinung ist solange wichtig, wie sie nicht die Meinung von anderen grundsätzlich einzuschränken oder totzumachen versucht.

Wenn man mit anderen nachsichtiger sein kann, gelingt einem dies ja vielleicht auch besser bei einem selbst!?

mit lieben Grüßen

crav4del8

Schämen

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 06. Juli 2002 17:45:19:

Ich glaube, dass das Thema Scham viele von uns beschäftigt. Deshalb hier ein paar Gedanken dazu.

Scham, so könnte man sagen ist eigentlich ein Mittel gesellschaftlicher Disziplinierung. D.h. ein innerer Teil von uns übernimmt Normen und Vorstellungen der „Gesellschaft“ und versucht uns mittels eines Schamgefühls vor Übertretungen von gesellschaftlichen Ge- und Verboten zu hindern, bzw. sich selbst dafür zu bestrafen. Dies damit alles seine Ordnung hat und behält.
Bei der Sklavenhaltergesellschaft der alten Griechen haben sich die freien Bürger geschämt, wenn sie arbeiten mussten, so ist es überliefert. Wer es nötig hatte zu arbeiten, bei dem „stimmte“ was nicht… . Kontemplation und Müssiggang galten als „schick“. Heutzutage sind wir da ja wesentlich weiter??!, und die Gesellschaft hat so ihre Schwierigkeiten mit jeder und jedem, der nicht beständig arbeitet… . (Mit diesem Hintergrund scheint meine frühere Position in den Diskussionen mit Caro überprüfungswürdig- aber das nur als persönliche Randnotiz.)

Wenn Du also von Deinem Schamgefühl in der obigen Angelegenheit sprichst, dann zeigt dies, dass ein Teil von Dir an bestimmte Normen glaubt und sie für richtig hält, und insofern ist die Antwort ganz pragmatisch: Ja: Du musst Dich schämen.

(Auch wenn Du mit solch einer Antwort hier wohl keinesfalls rechnen konntest. 😉 )

Die wesentliche Frage ist doch vielmehr: Ist das gut, dass Du Dich schämst?

Scham und Schuldgefühle haben wahrscheinlich bis auf die Tatsache, dass sie versuchen rigoros „die Ordnung“ aufrechtzuhalten, bzw. herzustellen in ihrer unreflektierenden Form letztendlich wenig positiven Einfluss auf ein größeres einfühlsames „Verstehen“ der Zusammenhänge.

Auf der anderen Seite gibt es da offensichtlich Menschen, die keinerlei Schamgefühle zu kennen scheinen, die sich schamlos geben, keine Normen zu kennen und alle zu ignorieren scheinen und ruckzuck allen anderen zum Ärgernis werden.

Was soll man also halten von Scham?

Also ich finde es wichtig, dass man versucht, die Normen und Hintergründe, weswegen man sich schämt, für sich offenzulegen, darüber nachzudenken, ob dies eigene Normen sind, um somit möglichst reflektiert mit bestimmten Sachverhalten umgehen zu können. Ein Gefühl von Scham oder Schuld kann dadurch zumindest sicherlich teilweise abgelegt werden, und dies heißt dann noch lange nicht, dass man sich grundsätzlich verantwortungslos verhält. Man übernimmt gerade bewußt die Verantwortung für sein Handeln, wohingegen Scham einen ja eher „unbewußt“ zu steuern und regulieren versucht…

Für Dich gilt es also vielleicht sich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, wie Du zu Menschen stehst, die aufgrund ihrer Behinderung in manchen Bereichen weniger leistungsfähig sind.

Für andere könnte hier Thema werden, wie sie es finden, wenn sich andere aufgrund ihrer Behinderung zurücklehnen … aber das ist wieder ein anderes Thema und ich möchte mir in der ersten wie in der zweiten Frage hier kein Urteil erlauben.

in der Hoffnung ein paar hilfreiche Gedanken verbreitet zu haben…

liebe Grüße

crav4del8

Verzweiflung

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

19.6.02 (für Pe)

Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen… aber das ist wohl vielleicht auch das Schicksal der Clownerie… 😉

Die Malatschik ist furchtbar und zum Verzweifeln! Und zwar für alle. Glaub ich. (vielleicht gelingt es dem einen oder anderen die Tatsache gut zu verdrängen und der Verlauf ist bland. Mag ja sein, so als sicher seltene Ausnahme.)
Ansonsten: „Leichter Verlauf“???! Allein die Diagnose ist dermassen knüppeldick hart, dass es u.a. mit Neid seitens der „härteren Fälle“ zu begründen sein mag, dass sie nicht sehen wollen, wie schlimm das ist, mit solche einer Bedrohung und vielleicht „nur“ leichteren Symptomen konfrontiert zu sein. Sprüche der Form „Du wirst noch sehen“ etc. halte ich meistens einfach nur für sehr sadistisch, für gar nicht besonders einfühlsam und für sehr wenig hilfreich. (Niemand weiß was kommt, und auch den eigenen Suizid an die Wand zu malen, statt der Verzweiflung Raum zu lassen, mag vor diesem Hintergrund durchaus problematisch sein…wobei jedeR selbst wissen muss worauf er/sie sich hier einläßt…)
Aus psychischer Sicht gibt es keine leichte Form von Malatschik bzw.: niemand hat das Recht sowas zu behaupten. (Manchmal ist die Drohnung schlimmer als die Ausführung bzw. in dem Fall die Behinderung, weiß man als alte SchachspielerIn) Klar sind die Erfahrungen der langjährigen Schwererbetroffenen wichtig, aber deren „kluge Sprüche“ sind sicher allemal wenig hilfreich.

Weiter mit der eigentlichen These:

Es gilt die Verzweiflung anzuerkennen, zu tragen und wenn möglich zu teilen. Und zwar auch für alle.
Wer sich hier eine längere Zeit lang aufhält, der hat einen guten Grund dazu. Das Forum mag zuallererst der Ort der Fragen und des Austausches sein, aber nach 1-2 Jahren Diagnose werden die Fragen sicher weniger. Und eine Frage bleibt: wie gehe ich mit meiner Verzweiflung um. Wie trage ich sie? Oder: wie wird sie versteckt…?
(Und warum um Gottes Willen suche ich geradezu weitere Menschen, die dieselbe Krankheit haben? Ist es nicht viel viel schwerer sich „doppelte“ Sorgen machen zu müssen, das Thema somit als gemeinsames sozusagen gleichmal vorneweg zu „zementieren“? Ich glaube nicht, dass es unter Malatschik Kranken leichter ist, die Verzweiflung zu teilen. Beidseitige Verzweiflung macht die Sache nicht wirklich leichter, so zumindest meine Erfahrung. (Trifft ein verzweifeltes Kind auf einen noch verzweifelteren Vater, wird es wenig Trost und Halt zu finden vermögen…) Womit ich prinzipiell nichts gegen Kontakte unter Malatschiklern sagen möchte. Ein gewisser Austausch ist sicher wichtig. Nur nimmt die Gefahr meiner eigenen Erfahrung nach schnell überhand, dass man fast nur noch Mitbetroffene kennt…. Vielleicht, so eine These, ist es unter unsereins sogar nur leichter, die Verzweiflung besser gemeinsam zu verstecken? Jemand der nicht betroffen ist, mag viel mehr „ertragen“, eben weil er nicht betroffen ist… . Auch eine Erfahrung meinerseits, die sicher nicht generalisiert werden muss.)

Und um bei mir selbst zu bleiben:

Hat man sich hier eingelebt geht das Theater spätestens los: man beginnt sich zu streiten, ich versuche anderen nachzuweisen, dass es deren Strategie ja nicht sein kann, (m)ein Ringen beginnt.
Wozu? Letztendlich doch nur deshalb um meine eigene Verzweiflung wieder zu überspielen?

Miteinander reden heißt auch immer streiten. Darum zu ringen, dass man gemeinsame Aspekte findet, die man zuvor noch nicht kannte. Nur, wenn das eigentlich Gemeinsame erst so furchtbar ist, dass es nicht zu bewältigen scheint, was denn?

Ich kenne, -mich einschließlich- niemanden, von dem oder der ich sagen würde: er oder sie hat es (psychisch) geschafft, mit seiner Malatschik klarzukommen. Aber ich bin sicher: es gibt solche Menschen! Nur: sie machen sicher nicht soviele Faxen wie ich; sind still oder eher leise. Reden weniger und hören wahrscheinlich mehr zu, kümmern sich wahrscheinlich nicht um jeden „Mist“, sondern bleiben bei sich und kehren ihre Verzweiflung, ihren Neid, ihre Enttäuschung und ihre Wünsche! trotzdem auch nicht unter den Tisch.

Das ist vielleicht nur mein Ideal „psychischer Gesundheit“ trotz körperlicher Krankheit, aber immerhin mal eins! und ich höre ja auch schon wieder auf hier zu dozieren.

Das viele „Stammeln“ meinerseits ist es nämlich sicher eben auch gerade nicht! (Auch wenn es eine Predigt vorwiegend an mich selbst ist, wie wahrscheinlich aber ja eh immer… 😉 )

Vielen Dank für die vielen Begegnungen!

Mir waren sie sehr wichtig und lehrreich (wie ich zu sehen glaube), und immerhin besteht ja die Möglichkeit, dass auch manche meiner Ideen (jenseits einer Projektionsfläche für diverse paranoide oder sonstige neurotische Verstrickungen) für den einen oder die andere hier wichtig gewesen sein könnten, was ich mir sehr wünsche.

Zum Thema Suizid und Tod

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

12.5.02

Sonntagmorgen… Zeit für ne Sonntagspredigt… 😉

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

„Das Thema Tod wir hier in der Liste totgeschwiegen“, hat meine Listen-Lieblingsdichterin heute morgen bereits in ihrer unnachahmlichen Art vorformuliert und mich damit wieder mal fasziniert.

Könnte ja zumindest theoretisch was dran sein, an der These, und nachdem mir persönlich gestern schon nahegelegt wurde, dass ich vielleicht Schwierigkeiten mit dem Thema haben könnte… . Tod dem Totschweigen des Themas Tod!!!

Erstmal denke ich ja: wir können den Tod nicht wirklich verstehen: er markiert sozusagen für uns so etwas wie ein Ende. Und was jenseits dessen ist, ist sozusagen transzendent, schon mit unserer Sprache wahrscheinlich gar nicht zu beschreiben, und ich glaube es gibt Probleme, die sollte man vielleicht gar nicht erst auf sich laden, wo doch so klar ist, dass sich schon ganz andere Geister daran immer wieder nur den Kopf dran schrecklich gestossen haben… . Unsere Sprache reicht schlicht und einfach nicht aus, und wohin es führt, wenn versucht wird, eine quasineue Sprache zu entwickeln, zeigen ja z.B. die vielen Mißverständnisse, die unsere Freunde der Esoterik so tagtäglich hervorrufen… 😉
Dass andere sterben mag uns ja vielleicht noch auf eine Art nachvollziehbar scheinen, aber der eigene Tod… das ist wohl eher unfassbar, macht Angst, (was vielleicht auch biologisch evolutionsmässig und so so sein muss!.

Abschied und Trennung sind traurig und erfordern „Trauerarbeit“. Und Trauer und Hilflosigkeit, und Einsehenmüssen, dass man nichts ändern kann, spielen sicher auch bei der Malatschik eine nicht ganz unbedeutende Rolle.

An dieser Stelle kommt sicher dem Thema Suizid eine große Bedeutung zu, denn wenn das alles so furchtbar ist… „haha“, dann habe ich ja immer noch die Möglichkeit das alles zu ändern, selbst die Kontrolle zu behalten, und: ich bring mich um!
Selbstredend eine Möglichkeit selbst das eigene Geschick in die Hand zu nehmen, selbst zu bestimmen, nur ob das eine so ressourcenorientierte Möglichkeit ist, wage ich zu bezweifeln. Ist vielleicht doch ein recht hoher Preis, zu beweisen, dass man doch noch Chef im Ring ist, wenn man hinterher nach diesem „Beweis“ so sicher gar nicht mehr mitspielen kann…

Klar wird das Elend zuweilen sehr groß, jeglicher „Sinn“ scheint seine Bedeutung zu verlieren, das Leben scheint absurd.

Für all jene, denen es auch so geht, hat die Welt einen Dichter hervorgebracht, der weniger Liebesgedichte geschrieben hat, und sich am Absurden
versucht hat: Albert Camus, u.a. in seinem „Mythos vom Sisyphos“.

Im Gegensatz zu Liebesgedichten ist dort die Frage des Sinns durchaus angesprochen, allerdings in einem Sinn für das Absurde, und entsprechend geschlussfolgert gibt es für Camus nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord. Lohnt das Leben oder nicht? (Eine Frage, die Verliebten sicher niemals in den Sinn kommen würde, aber wir hier bestehen besser auf unsere Malatschik, bei soviel Bedrohung der eigenen Lebensqualität, soviel Verzweiflung … muss das Leben doch sinnlos sein, und zumindest wollen wir an dem Gedanken festhalten!)

Oh, 9.30. die Kirchenglocken rufen, und ich kann nun selbstredend nicht das ganze Buch hier referieren… . (Ich bin übrigens am Umsatz NICHT beteiligt! 😉 )

deshalb nur den berühmten Schluss (auch auf die Gefahr hin, mich hier zu wiederholen…:

einen schönen (verliebten) Sonntag aber nicht die Traurigkeit vergessen!

liebe Grüße

crav4del8

Mitleid?!

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

6.5.02

Trost kann auch insofern „Verrat“ sein, wenn dabei passende Gefühle von Traurigkeit etc. unter den Tisch gekehrt werden sollen.

Mit Gefühlen ist das allgemein schwierig, und z.B. ein Thema wie Schmerz ist auch nicht ganz einfach zu fassen.

Faszinierend gerade beim Schmerz ist ja, dass man den ja nicht wirklich mitfühlen kann! Es kann jemand mit mir im gleichen Raum sein, und ich muss nicht merken, dass der Schmerzen hat. Ich kann ihm vielleicht sogar welche zufügen, ohne dass ich es merke. Und es kann auch niemand letztendlich „beweisen“, dass er Schmerzen hat, und welche und wie… .

Prinzipiell bin ich der Meinung, dass es immer um uns selbst geht, wenn wir von Mitgefühl sprechen. d.h. wir müssen das auf eine Art kennen, es geht um unsere eigenen Ängste, unsere Geschichte.. und ein „Verstehen“ ist in diesem Bereich sicher sehr schwierig zu „objektivieren“.

Ich denke, dass es in erster Linie darauf ankommt, bei sich zu schauen, was man da kennt, was man in die Situation reininterpretiert und was für einen selbst daran so schwierig sein könnte. Warum interessiert man sich überhaupt dafür könnte man auch fragen. Welches Interesse hat man selbst?

viele viele Fragen, wobei ich glaube, ein: ich mache mir Sorgen und will halt, dass es allen gut geht, lenkt vielleicht einfach von der Frage ab, wieviele Sorgen ich mir tatsächlich um mich und mein Wohlbefinden mache?

Ich glaube Mutter Theresa hat auf eine Art sehr schlecht für sich gesorgt, und ich glaube auch, dass sie im Prinzip auf eine Art auch nichts anderes getan hat, als für sich selbst zu sorgen. Zumindest eine These wert, findet

mit lieben Grüßen

crav4del8

PatientInnen. Zum Begriff

Dezember 4, 2006 - Leave a Response

29.04.03

patient kommt von lat: leiden, erdulden.

bei Ärzten heißen die „Kunden“ so, anderswo vielleicht KlientInnen… das ist ne längere Diskussion.

Prinzipiell ist es sicher richtig festzustellen, dass hier jemand leidet, und einen Leidensdruck hat. Auf der anderen Seite spricht es einen Machtaspekt an, nämlich, dass sich der Leidende in seiner Not an einen Arzt oder Helfer wendet. Prinzipiell finde ich das auch noch okay, das deutlich zu machen, wobei dann schon deutlich ist, dass es hier keine PatientInnen gibt, weil sich hier ja niemand so direkt an einen Arzt oder Helfer wendet! (Darüber hinaus wäre der Begriff unsinnig würde man sagen, dass ja hier alle leiden, denn wenn alle Menschen zuweilen leiden, wogegen würde sich der Begriff dann absetzen? Er wäre dann einfach nur überflüssig und aussagelos!)

Darüber hinaus ist es schon auch eine wichtige Frage, wie man sich selbst mit seinem Leiden sieht. Klar braucht man möglichst „starke“ Helfer in seiner Not. Allerdings möchte ich zu bedenken geben, dass es durchaus wichtig ist, was für Geschichten wir uns auch selbst über uns erzählen, und soo abhängig und machtlos sind wir zuweilen dann doch nicht. Insofern steckt in dem Begriff sicher auch ein Stück „Transmissionsriemen gesellschaftlicher Disziplinierung“ (Foucault) also Machterhaltung für den Arzt. Man muss auch nicht alles erdulden!

liebe Grüße

crav4del8

An alle in den „heilenden“ helfenden Berufen

Dezember 4, 2006 - 3 Antworten

29.4.03

Hallo Ihr!

will man immer der sein, der man ist?

Also ich glaube, dass es schon für einen Psychotherapeuten sehr schwierig ist, „krank“ oder behindert zu sein, und sicher würde wohl kaum jemand zu einem gehen wollen, der offensichtlich an einer psychischen Erkrankung leidet. (Man so pauschal gesagt). Oder würdet Ihr einer Zahnärztin vertrauen, die an Karies leidet, oder zu einem Dackdecker gehen, der sein eigenes Haus nicht wasserdicht halten kann…?!

Sicher geht es da Ärzten und anderen aus heilenden Berufen noch erheblich schlechter mit so einer Erkrankung, denn das ist doch sicher eine ungemeine Kränkung, wenn der Arzt offensichtlich „kränker“ ist, als seine PatientInnen?!

Damit meine ich vor allem die eher unbewußten Gedanken und Kategorien. Klar ist „Gesundheit“ nur ein theoretisches Konstrukt, und wir erhoffen uns von Ärzten etc. ja auch Mitgefühl und Verständnis. Aber gerade deswegen wollen wir ja auch starke Ärzte oder Helfer haben. Es ist ja auch für die PatientInnen immer eine Kränkung krank zu sein, auf eine Art ja auch schlimm, Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Und da will man doch wenigstens im Normalfall das Gefühl haben, einen verständnisvollen, großartigen Halt gefunden zu haben. Müssen PatientInnen angesichts offensichtlich schwacher und leidender Ärzte bzw. „Heiler“ nicht skeptisch werden, ob jene wirklich genügend Kraft, Wissen… Ressourcen haben, sich ihnen entsprechend zuzuwenden?

Kennt ihr diese Gedanken? Wie geht Ihr damit und dieser potientiellen Kränkung um? Was denkt Ihr dazu?

liebe Grüße

crav4del8

Über Partnerwahl

Dezember 3, 2006 - Eine Antwort

Naja, es mag schon auch selbstredend Zufall mit dabei sein, nur: man kann sich ja auch fragen: was war daran kein Zufall. Der Zufall ist sozusagen „transzendent“. Ist etwas aus Zufall geschehen, dann brauchen wir uns nicht mehr weiter darüber zu unterhalten, warum. Warum habe ich nun die 6 gewürfelt. Ist ja dann vielleicht eher die Frage: warum habe ich überhaupt gewürfelt? 😉

Und zu den Partnerschaften: wir sind doch beständig dabei, unsere Gefühlswelten auszubalancieren. Nähe, Distanz, Ängste, Freude, Liebe… . Und wenn ich mir einen Partner suche, der dieselbe Krankheit hat, dann bedroht mich das doch auf eine Art doppelt. Klar, ich habe mich ja auch dabei ertappt, davon zu träumen…, aber doch sicher nicht, weil ich das nun sooo doll oder erotisch finde, einen behinderten Partner zu haben.
Machen wir einen Exkurs ins Reich der Perversionen. Fritz Morgenthaler hat diese mal mit Plomben verglichen. Bestimmte Ängste werden dadurch „verplombt“, dass wir im Bereich des Sexuellen diese gerade sozusagen suchen. Ein Nekrophiler hat Angst vor dem Tod, und: tut so, als könnte ihm dieser nichts antun, indem er ihn sozusagen „liebt“. Kann jemand nur unter ner Gummimaske und gefesselt sexuellen Genuß empfinden, so kann man demnach die Frage stellen, wieviel Angst er wohl eigentlich vor geschlossenen Räumen und einem Ausgeliefertsein hat … usw..
Nun möchte ich nicht behaupten, dass es eine Perversion ist, wenn wir Behinderte lieben, aber es kann eine sein. In meinem Fall halte ich die Vorstellung meine „Traumfrau“ könnte Malatschik haben, zumindest für eine Vorstufe davon. (Immerhin gingen meine Phantasien nicht in den Bereich sexueller Handlungen…)
Das würde mir mit Sicherheit auch erhebliche Ängste machen, auf eine Partnerin zu treffen, die sichtbare Einschränkungen hat. Klar, auch das kann man sicher überwinden. Und ich glaube ja eben auch, dass eine solche Vorstellung durch eigene „Minderwertigkeitskomplexe“ motiviert wird. Ich habe Angst mit meiner Malatschik zweitklasig zu sein, ein Partner mit Malatschik geht es nicht anders, man gründet eine „Notgemeinschaft“ … fühlt sich in der Phantasie viel besser verstanden.
Nur ich glaube: gerade weil jemand dieselben großen Ängste hat, kann er noch lange nicht besser mit umgehen. Es ist doch innerlich eine erhebliche Katastrophe für mich, davon zu hören, dass ein Malatschikkranker blind geworden ist, wenn mir selbst so konkret dieses Schicksal droht. Höre ich von einem Canzolkranken, der blind ist, kann ich sicher viel gelassener und vielleicht gerade deshalb einfühlsamer mit umgehen, weil es mich selbst nicht gleich mit aus der Bahn wirft… .
Ich glaube und habe dies ja auch bei mir selbst gefunden, dass wir sehr schnell versucht sind, die anderen Malatschikler als „unsere große Familie“ anzusehen, die alles verstehen (sollen), immer da sind… und uns unendlich weit tragen können. Ich halte es für wichtig, auch hier ein gewisses Maß an Realität zu behalten, und jenseits unserer Symbiosewünsche auch anders mit unserer Angst umzugehen.

Vielleicht sollte man die Dinge nicht immer so konkret benennen?

Augen zu und durch?

Dezember 3, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 14. März 2002 08:02:00:

Vielleicht sind bestimmte Durchhalteparolen „Augen zu und durch“ ja auch hilfreich, vielleicht ist es aber auch wichtig, nicht nur der Malatschik sondern auch der eigenen Verzweiflung, den eigenen damit verbundenen Gefühlen offen ins Auge zu schauen, die „Depression“ erst einmal als etwas vollkommenes Verständliches hinzunehmen. Klinisch wird man sogar vielleicht fast immer die Symptome einer „Depression“ feststellen können, aber es ist dennoch keine, sondern auch in der Diagnostik zumindest für einen längeren Zeitraum ein völlig normale Reaktion auf einen schwerer Schicksals-Schlag.
Sicher ist es entscheidend, wie man mit dem umgeht, was einem zustößt, aber vielleicht ist es wichtig, zumindest für eine gewisse Zeit sich auch darauf einzulassen, dass man sich „einfriert“, keinen Sinn mehr sieht, „abhängt“, oder was auch immer… .

Ich glaube die Malatschik ist dermaßen furchtbar und zum Verzweifeln, dass man erstmal den Boden unter den Füßen verlieren muss. Es gilt einen längeren Prozess von Trauer, Wut, Verzweiflung, Neid, Angst, Hass, Umgang mit selbstzerstörerischen Impulsen vielleicht auch einfach zu durchleben. Aktionen würden da vielleicht nur „aktionistisch“ von ablenken, die Schwierigkeiten zu überspielen versuchen.
Vielleicht ist es besser, ersteinmal gemeinsam eben „nichts zu tun“, die Wunden zu diskutieren, Ängste zu beschreiben und auszutauschen, Fragen zu stellen oder wie ich, scheinbar kluge vergeistigte Artikel abzuliefern.
Ich glaube, hierfür ist das Forum eben auch da, und wenn man sicher wieder einigermassen „gefangen“ hat, Lebensfreude wieder aufkommt, dann ist es vielleicht auch Zeit, wieder rauszugehen, andere Kontakte aufzubauen,… die Welt ist bunt, und es muss ja nicht immer Malatschik sein… .
So nach und nach, habe ich schon viele hier wieder gehen sehen, es ist klasse, dass es das Forum gibt, und dass man das weiß.
Und ich werde sicher auf eine Art weiter mich auch für ein buntes Forum einsetzen…. vielleicht weil ich gar nicht anders kann.
liebe Grüße
crav4del8

Wie sollen sich die Freunde verhalten?

Dezember 3, 2006 - Eine Antwort

Geschrieben von crav4del8 am 08. Februar 2002 12:15:46:

bin mal wieder mit ner Frage beschäftigt, und wer möchte, darf daran Anteil nehmen:
es geht übrigens genau um die Frage des Anteilnehmens: mag sein, dass manch eineR noch gar nicht darauf gekommen ist, ich glaube, das wäre ein sehr gutes Zeichen, meinereiner macht sich da schon mehr Gedanken, und das heißt ja auch, es gibt ein Problem.
Ich glaube: wir alle wollen verstanden werden. Jetzt passieren uns hin und wieder sehr schlimme Dinge, die Malatschik ist ja kein Schnupfen hört man hier allenthalben, und was macht man nun?
Vielen Nicht-Malatschikler wird ja hier ruckzuck abgesprochen, verstehen zu können, wie es jemanden geht, dem so Schlimmes widerfährt, ich glaube auch, dass es einen jeden sehr hilflos machen muss, mitanzusehen, und zu spüren, wenn jemand leidet, aber wie geht man am besten damit um?
Konkret: da lese ich im Forum von neuen Herden im MRT, weiß genau wir furchtbar das sein muss, dass ruckzuck Welten zusammenbrechen, kann das verstehen, aber was kann man tun? Oder bestimmte Nerven fallen aus, jemand berichtet vom Besuch beim Zahnarzt, und dass der Kiefer vereitert, aber: nichts mehr gespürt wird. Auch das muss riesig Angst machen, war ja selbst erst beim Zahnarzt und mit der Frage beschäftigt… nur was lese ich an Antworten im Forum: „Du bist ne Heldin…“?! Klar ein bißchen Abwehr kann ja auch nicht schaden, aber ein einfühlsamer Umgang mit Angst und Not scheint mir das nicht zu sein, eher ne hypomanische Abwehr, um mal nen Fachterminus zu gebrauchen, und ob das wirklich hilfreich ist?!
Nun zu der Frage: was meint ihr: wie fühlt Ihr Euch am besten behandelt, bzw. was wünscht Du Dir an Unterstützung und Verhalten von Deinen Freunden, wenn es Dir entsprechend schlimm ergeht? Welche Erfahrung hast Du gemacht, und was war hilfreich? Bei Hiob hab ich gerade gesehen, kommen seine drei Freunde vorbei, nachdem alles den Bach runter… und bleiben erstmal sieben Tage, und werfen Asche in die Luft und reden kein Wort die ganze Zeit.
So? oder anders? Wie sollen sich Freunde verhalten, wenn die eigene Welt unterzugehen droht?
würde mich über Antworten sehr freuen
liebe Grüße
crav4del8

Crav4del8sche Sexualkunde

Dezember 3, 2006 - Eine Antwort

Geschrieben von crav4del8 am 13. Januar 2002 11:08:05:

Ich glaube, dass es schwierig ist, eindeutig abzugrenzen, woher sexuelle Probleme kommen. Unsere heutige Welt ist voll von Menschen mit sexuellen Problemen. Mag sein, dass auch die Malatschik eine Rolle spielt und Zahvigro ist z.B. für viele sicher ein Segen, Malatschikler und NichtMalatschikler… .
Zudem möchte ich zu bedenken geben, dass wir in einer Welt leben, in der der Konsum, der perfekte Sex groß propagiert wird, mit sicher weitreichenden Folgen für unsere Sexualität. Wenn ich an jeder Ecke leicht verfügbar die Traumfrau oder den Traummann vor Augen geführt bekomme, und gewissermaßen Zugriff drauf habe, indem ich ein Magazin oder vielleicht auch nur „Sex in the Großstadt“ anschaue, da fühlt sich schon der „Normalsterbliche“ (den es ja nicht gibt!) schnell minderwertig, bzw. sucht sein narzistisches Heil in Perfektion, und wie muss es da erst uns Malatschiklern gehen, mit unseren behinderten Körpern?! Wem ist denn sowas zuzumuten?! Ich würde demnach dafür plädieren, die psychologische Seite nicht außer Acht zu lassen. Erektionsschwierigkeiten mögen auch darauf hindeuten, dass ich andere sozusagen vor mir schützen möchte, Orgasmusschwierigkeiten, dass ich selbst mich bestrafe, mich nicht perfekt genug fühle, etc pp.
Das ist sicher im Einzelfall genauer zu betrachten, Patentrezepte mag es nicht geben, und sicher mag beim einen oder der anderen auch die Malatschik ganz konkret ne Rolle spielen, aber: und da bin ich sicher: bei den meisten gründen sexuelle Schwierigkeiten im Psychischen und nicht im Körperlichen, vor allem auch bei uns Malatschiklern! Die Welt ist voll von Menschen mit sexuellen Störungen, oder was man so bezeichnen will, oder was sie selbst dafür halten.
Zuletzt könnte man noch die Frage aufwerfen, wie es uns mit Partnern geht, die solche Schwierigkeiten haben, was dies mit uns selbst und unseren Ängsten zu tun hat, und wie es wohl unseren PartnerInnen gehen mag, mit unseren Schwierigkeiten?!
Im manchen konkreten Fällen würde ich es mal mit Psychotherapie versuchen, wobei die Sachlage im sexuellen Bereich recht schwierig ist. Mancher Stachel sitzt einfach oft sehr tief.
liebe Grüße
crav4del8

Resumee zum Jahresende

Dezember 3, 2006 - Eine Antwort

Geschrieben von crav4del8 am 29. Dezember 2001 13:21:28:

Mensch, wir alle sind ein Jahr älter geworden. Außnahmslos alle, mal abgesehen von jenen, die im letzten Jahr erst geboren wurden, und jenen die das Zeitliche gesegnet haben, aber das sind ja nur die Ausnahmen… .
Und: nächstes Silvester werden wir hoffentlich wieder ein Jahr älter geworden sein.
Ist man nicht mehr jung, unbedarft und 20, so kann man davon ausgehen, dass es körperlich nicht unbedingt besser wird. (mal abgesehen davon, was es überhaupt heißt, dieses besser). Einstein soll zu seinem 60. Geburtstag gesagt haben, nun sei es an der Zeit in Ruhe zu vertrotteln, und manch 20 jährige ist ihm da sicher schon weit voraus… .
Es ist traurig, dass wir vor allem körperlich wichtiges verlieren, aber: das hat die Natur wohl für alle Menschen so eingerichtet, und wo steht geschrieben, dass es nicht besser sein mag, manch Lektion schon etwas früher zu lernen?
Ich finde es sehr wichtig, sich seine Traurigkeit bewußt zu machen und zuzulassen.
Aber ich glaube es gibt auch Hoffnung. Hoffnung auf Entwicklung in anderen Bereichen. Und auch, dass Du eben nocht nicht im Rolli sitzt… .
Klar, das kann kommen, aber warum interessiert das jetzt. Ich glaub wir haben uns genügend mit der Vorstellung auseinandergesetzt.
Manchmal komme ich mir selbst so vor, als einer der in einem großen Raum, aus dem viele Türen führen auf jene Türen starrt, die verschlossen sind, dann wieder Anlauf nimmt, und mit dem Kopf durch die Wand will… .

Wir sind noch nicht in der Satreschen Hölle, die er als ein Hotelzimmer zeichnet, aus dem man nicht raus kann, eingeschlossen, mit anderen Menschen, die einem immer wieder das eigene Elend spiegeln… . („die Hölle, das sind die anderen“) 😉
Selbstredend ist es ne wichtige Frage: was kann ich mir Gutes tun. Was hab ich Gutes erlebt, wie könnte die Zukunft gut für mich aussehen. Und wenn man sich nicht defizitorientiert fragen möchte: wieso um Gottes Willen komm ich immer wieder auf diesselbe Idee, mir die Schwächen und Probleme auszumalen, statt neugierig durch eine der vielen Türen zu gehen, dann sollte man doch einfach sich freuen, dass man noch gehen, oder rollen kann… . Im schlimMalatschikten Fall wartet man ab, dass es besser wird? Allerdings: im Rückblick denkt man häufig: mensch damals war die Welt noch in Ordnung… dabei dachte man doch schon damals nur an davordamals ..usw. Warum nicht auch mal denken: ich freue mich auf das neue Jahr, mit all seinen Facetten. Ich werde sicher auch ne Menge für mich Schlimmes erfahren, aber ich habe genügend Kraft, und wenns ganz schlimm kommt, dann ruhe ich halt aus.
Das Sterben wirst Du langfristig nicht verhindern können… dass es schlimmer wird mit der Malatschik vielleicht auch nicht. (Wobei Du sicher die Verantwortung hast, auf Dich aufzupassen).

Nur: wer hat behauptet, dass das alles sooo furchtbar sein muss? Vielleicht kommt es auch mit auf den Blick an, und wer um Gottes Willen hat uns so belogen, er wüßte, dass das Sterben so schlimm ist? Kann ja niemand wissen…
oder?
paß auf Dich auf, ich bin sicher, Du hast noch viel vor Dir!
liebe Grüße
crav4del8

P.S.
Auf der Suche nach dem Tod
Platons Apologie des Sokrates und die Frage nach der großen Finsternis

von Dorothea Wildenburg

c) Sic et Non – Forum for Philosophy and Culture – http://www.cogito.de/sicetnon/artikel/historie/plato.htm (1997)

Aggressionen – Plädoyer für mehr davon!

Dezember 3, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 23. November 2001 12:52:30:
damit das hier nicht untergeht, oder weil ich gerade im November so ne Phase habe… 😉

also: ich finde diese ganzen Aggressionen wunderbar! Wir sind im Kontakt, streiten, zuweilen sogar produktiv, und soll denn immer alles so bleiben wie es ist?? Aggressionen sorgen für Veränderungen, sicher geht dabei auch zuweilen was kaputt, und das ist dann neben anderen Dingen auch traurig. Es tut sich was… wir gehen aufeinander zu … schließlich kommt Aggression von lat: aggredere – herangehen, angreifen…
Eine heile Welt wird ja wohl gerade in Malatschik-Foren niemand ernsthaft erwarten wollen, bzw. klar haben wir die Hoffung, aber *imaginäreBrilleleichtnachobenrück* ist das wirklich Dein Ernst?
Aggressionen gehören zum Leben dazu, ich freue mich über aufrüttelnde, provozierende Beiträge, selbst wenn ich sie gar nicht wirklich „gut“ finde, wenn sie in mir was bewegen ist doch schon wunderbar!
Nicht zu verwechseln sind diese Aggressionen mit Sadismus! Zuweilen habe ich schon das Gefühl, dass es darum geht hier jemand direkt fertig zu machen, wirklich weh zu tun. Neid ist gerade unter Behinderten ein großes aber heikles Thema, viele sind verständlicherweise frustriert und lassen diesen Frust dann hier aus. Ich will mich gar nicht ausnehmen, das kann auch mir passieren, wenn ich es merke, versuche ich mich dafür zu entschuldigen, und auch das: ist menschlich. Nahe rangehen, heißt eben zuweilen auch weh zu tun.
Sadismus gilt es sicher mit aller Härte zurückzuweisen, ebensosehr wie Masochismus wohl nicht wirklich hilfreich ist. Beides halte ich nicht gerade für die höchste Stufe der Beziehungsfähigkeit, und wenn hier einige lamentieren, sie seien nun so gekränkt, und müßten deshalb nun leiderleider ihr so schönes Forum verlassen, dann kann ich nur sagen: schade eigentlich, aber auch ne Form eben nicht in wirkliche Beziehung zu treten. sicher verlieren wir dadurch alle was, nämlich die Möglichkeit zum Austausch.
Dass Dr Tsatz so dünnhäutig ist, und mit Angriffen nicht klarkommt, wie man den Anschein habne könnte, wundert mich. Durchaus als „Star“ hier im Rampenlicht gehören Angriffe doch dazu, Feldbach und Co zeigen doch ganz deutlich, dass, wenn man im Rampenlicht stehen will, man im Blickpunkt bleiben muss, und immer nur positive Nachrichten, mensch, das geht ja in Richtung Mutter Theresa… und an unserem Grab kann dann viel positives gesagt werden… . (Stellt sich die Frage, warum Wolfgang seinen Rückzug so begründet, vielleicht ist es gerade einfach in Mode, oder das Wetter…)

Ich finde streitbar durchaus sehr positiv! Sofern man zuweilen auf Aggressionen oder Sadismus auch wieder verzichten kann, selbst seine eigenen Schuldgefühle hinterher aushält, bzw. sich sicher ist, dass man grundlegend nun nichts zerstört hat… und sich dann auch nicht in die Niederungen masochistischer Verstrickungen begeben muss….
Ich freue mich auf weitere Auseinandersetzungen!
liebe Grüße
crav4del8
P.S. wie wäre es mit der Eröffnung eines Heile-Welt-Forums? Nur positives wird zugelassen, das ist es doch, was die Welt noch braucht, oder? 😉

Phantasien und eigene Erzählungen über Ursachen der Malatschik

Dezember 3, 2006 - Leave a Response

Also: es gibt viele verschiedene Theorien, Paradigmen, wie wir uns die Welt zu erklären versuchen. Wissen ist subjektiv, DIE Wahrheit ebenfalls, das ist zumindest mein Credo.
Jetzt befasse ich mich wirklich schon sehr lange mit psychologischen Theorien, erlebe eine Psychoanalyse regelmässig am eigenen Leib, kenne mich somit in unbewußten Prozessen und Denken durchaus ein wenig aus, aber auch andere Ansätze sind mir nicht gerade fremd, Postmoderne, Kritische Psychologie…und momentan befinde ich mich eher nebenbei in einer systemischen Therapieausbildung. Soviel sagen wir mal zu meinem Theoriehintergrund.
Was ist die Ursache meiner Malatschik:
man könnte auch fragen: welche Erzählung erzähle ich mir und anderen über meine Malatschik:
Klar gibt es da gewisse Ängste, und Phantasien, wie ich die Malatschik „verursacht“ haben könnte, was ich alles falsch gemacht habe, und wofür die Malatschik die Strafe ist. Ich glaube daran, dass Menschen noch aus Kindheitstagen durchaus in gewissen Bereichen vielleicht immer so einem magischen Denken anhängen. Da hab ich durchaus ein paar Ideen, was Ursache sein könnte, man könnte auch „neurotischen Ängste“ dazu sagen?: Stress, Amalgam, naja das übliche und noch ein bißchen Spezifisches, und unbewußt glaube auch ich, an solche Dinge, bzw. ich kann finden, dass solche Vorstellungen in mir wirksam sind. Nur: sie sind selten besonders hilfreich! Ich leide an diesen Vorstellungen, ziehe vielleicht zuweilen auch ein wenig sekundären Krankheitsgewinn daraus, vielleicht muss das alles so sein, aber es könnte auch anders sein.
Antoniowsky (oder so) hat mal dazu geforscht, wie manche KZ-Häftlinge unter den fruchtbaren Bedingungen gesund bleiben konnten, und ein Treffen mit anderen Malatschik-Betroffenen hat mir gezeigt, und mich nachdenklich gemacht, dass es, selbst wenn es absolut heftig kommt, immer noch möglich ist, lebendig zu bleiben. Zumindest bis zu einem gewissen Grad, denn irgendwann ist man tot. Übrigens jeder oder jede, glaubt man nicht, dass Gott einen wie Henoch hinweg hebt, oder an das ewige Leben, und selbst davor…

In meiner Familie hat niemand Malatschik, hatte nie damit zu tun, bis zum „Ausbruch“, besonders heftige Stressfaktoren schließe ich auch aus. Vielleicht ne Infektion in der Pubertät, vielleicht dies, vielleicht das… ich weiß es nicht. Ist es für mich hilfreich es zu wissen?
Ja, vielleicht wäre es das, weil es mich beruhigen könnte, aber die Daten, Theorien etc. sind zu „weich“. Also muss ich glauben, phantasieren… aber:
Es passieren Dinge im Leben, das können wir nicht bestimmen. Warum regnet es ausgerechnet heute und gestern nicht? Welche Bedeutung hat das, hat es einen Sinn? … Es gibt Fragen, die mögen ganz einfach sinnlos sein, oder zumindest nicht hilfreich.
Ich fände es hilfreich, zu wissen, woher Malatschik kommt, weil man dann vielleicht mehr dagegen tun könnte, aber beim augenblicklichen Stand der Forschung sehe ich, dass man es nicht weiß.
Was ich mit z.B. analytischer Hilfe finden kann, ist, dass ich unbewußte Theorien, Schuld, Ängste und Vorstellungen darüber habe, die ich mir allerdings versuche bewußtzumachen, weil ich es letztendlich für magische Vorstellungen halte, die ich eben nicht für sehr hilfreich für mich halte.
Schon der alte Freud wußte auf die Frage einer Patientin, wie er denn ihr Leid lindern wolle, angesichts der schrecklichen Umstände, die Antwort, dass das Schicksal zweifelsohne mehr Macht hätte, als er, und es ihm gerademal darum gehen könnte, Wege zu finden, mit dem furchtbaren Schicksal besser zurechtzukommen. Aus neurotischem Elend soll „normales“ Unglücklichsein werden. Mehr geht eben nicht.
Die Frage ist also aus meiner Sicht: wann ist es hilfreich über die „Ursachen“ meiner Malatschik zu sprechen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es absolut sinnvoll ist, über die Vorstellungen und Erzählungen, die ich über meine Malatschik habe und erzähle zu sprechen. Aber nicht, weil man da viel „wahres“ findet, sondern, weil man so viel nicht sehr hilfreiches findet, was man loswerden kann. Zur „wahren“ Ursache bin ich damit allerdings bislang nicht gekommen, und ich zweifle auch schwer daran, dass mir Laie dies jemals gelingen könnte! Wir sind nicht Herr im eigenen Haus, auch wenn wir diese Kränkung nicht gerne sehen, zu oft habe ich erfahren, wie unbewußte Vorgänge mitspielen, wie schnell ich scheinbar „Lösungen“ nötig habe, vielleicht wird man irgendwann müde, oder realistisch, oder aber die eigene Frustrationstoleranz erhöht sich. Momentan ists vielleicht wie mit „Identitäten“. Wer heutzutage kein Identitätsproblem hat, der hat erst recht eins! Einfache Lösungen gibts es aus meiner Sicht keine, und man muss auch aushalten können, dass es keine Antworten gibt.
Und dazu ist es aus meiner Sicht wichtig, eigene Antworten in Frage zu stellen… und so auch wieder offen für andere Antworten zu sein, die zuweilen hilfreicher sein mögen.
Die Möglichkeit zu haben, möglichst viele Sichtweisen integrieren zu können, mag eine mögliche Definition sein, psychische Gesundheit zu definieren, und es ist sicher nicht die schlechteste, hab ich mal gelesen.
Was ist Gesundheit? In Afrika soll es einen Stamm geben, da haben die Männer viele Warzen im Gesicht. Wer sie zufällig nicht hat, wird ausgeschlossen, gilt als „krank“. Die Warzen sind nicht wirklich gefährlich… wer ist nun krank? der Mann ohne, oder die Mehrheit mit? Was ist Gesundheit? Ein Konstrukt, ein Ideal. „Arbeits- und Liebesfähigkeit“ hat der alte Freud gesagt.
Sind das luftige Höhen?
Ich finde es wichtig, dass es Menschen gibt, die herausfinden möchten, wie die Malatschik funktioniert. Wie man sie heilen kann… . Ich bin dankbar dafür und habe ein gewisses Vertrauen, dass es Fortschritte geben wird. Ich selbst habe mich dieser Forschung nicht verschrieben, auch wenn ich selbst an der Malatschik erkrankt bin und darunter leide. Ich versuche mir eher die Frage zu stellen, wie ich unter der nun gegebenen Bedingungen möglichst viel Lebensfreude haben kann… und wie es mir trotzdem möglichst gut geht damit. Das ist schon schwer genug, und ich glaube nicht, dass ich mir einen Gefallen damit täte, herausfinden zu wollen, wie die Malatschik nun funktioniert. Das ist viel Arbeit, wer weiß, vielleicht zeigen mögliche Herde Wirkung… es ist nicht mein Bereich, und: ich weiß nicht, woher meine Malatschik kommt, und womöglich werde ich es nie erfahren.
Ist es soo wichtig? Ich werde sterben. Irgendwann. Für mich hat die Malatschik diese und jene Bedeutung, aber auch die wechselt. Es kommt durchaus eben auch darauf an, wie ich das, was mir zustößt interpretiere.
Ich glaube manche Dinge kann man auch demütig hinnehmen. Zumindest mag das zuweilen hilfreich sein.

Ich glaub es reicht… einen Psychologen sollte man einfach nicht ins Schwadronieren kommen lassen… 😉

Ein wirklich demütiges Hinnehmen, scheint mir dies hier gerade ja auch nicht zu sein. Mir scheint eher, die geneigten LeserInnen haben sich hier Anerkennung verdient! 😉 Aber wenn ich schon mal „herausgefordert“ werde. Immerhin glaube ich, sind dies durchaus persönliche Worte… . Vielleicht waren sie ja auch hilfreich!
Ich wünsche es mir.
liebe Grüße
crav4del8

Über Sexualität…

Dezember 3, 2006 - Leave a Response

geschrieben von Max am 11. Februar 2002 19:49:15:
ich glaube, dass Sexualität ein Bereich ist, in den die Gesellschaft einerseits wenig rein ragt, der also viele Möglichkeiten bietet sozialer oder sonstiger Kontrolle zu entgehen, aber andererseits dann doch wieder kräftig kontrolliert wird… meist durch sich selbst.
Ich glaube gerade dadurch, dass alles so mystisch ist und wohl auch sein muss, haben viele Angst davor, und spielen eher Sexualität, wozu auch diverse Bekundungen gehören, wie man es „richtig“ macht.
Hinter vielen Spielweisen werden Ängste versteckt… und mit Malatschik hat man selbstredend viele (neuen) Ängste durchzustehen.
Das kann selbstredend auch ne Chance sein, übertriebene narzistische Darstellungen aufzugeben, und mehr zu sich selbst und dem, der oder den anderen zu finden. Auf der anderen Seite ist dies sicherlich schwierig, zumal bestimmte Phantasien von großartigen, unbeschädigten Körpern nicht mehr richtig funktionieren dürften… und die sind vielleicht ja eigentlich auch wichtig. (Mamas notwendiger Glaube ich habe das schönste und tollste Kinder der ganzen weiten Welt, ist ja vielleicht nicht nur für den Säugling ganz wichtig ;-))
Da Sexualität in gewisser Weise jenseits dessen, das sich im Kopf abspielt, das sein dürfte, das sich zwischen den Beteiligten herstellt, (also jenseits des Verliebtseinseins -mit rosaroter Brille den anderen als großartigst phantasierend) Gewahrwerden des anderen bedeutet, mit all seinen Facetten, sollte man glaub ich die Chancen sehen, die diese ganzen Schwierigkeiten mitbringen.
Wir und andere sind noch faszinierend genug, es gibt viel Neues und Schönes zu entdecken, und selbst immer nur das bekannte, hochglanzbebilderte Übliche (damit meine ich die eine Vorstellung, wie das sein muss…) zu suchen, weil anderes zu große Ängste macht… muss es ja gar nicht sein.

liebe Grüße

crav4del8

Partnerschaft mit Behinderten

Dezember 3, 2006 - 2 Antworten

Hallo Ihr!
Mir fiel dazu erstmal ne alte pauschale Deutung dazu ein, warum manche Frauen unbedingt Menschen mit schwarzer Hautfarbe heiraten, und auch wenn ich selbst dieses Argument nicht für sehr schlüssig halte, will ich es hier anbringen: die Deutung war, es geht um Schuld, die es wiedergutzumachen gilt, und deshalb läßt sich jemand auf einen stigmatisierten Menschen ein.
Ich erlebe mich so, dass ich mir immer mal wieder recht ähnliche Partnerinnen gesucht habe, sozusagen damit immer wieder die gleichen Themen auf den Tisch kommen…
Wieso sollte es da anders sein? Ich kann nicht glauben, dass man sich in jemand verliebt, der Behindert ist, ohne, dass man sich damit auch an der Behinderung „abzuarbeiten“ versucht. Es ist nicht egal, oder zufällig, dass dieser jemand behindert ist, sondern ich glaube, dass dies subjektiv eine Rolle spielt und somit eine Funktion hat. Welche ist von außen schwer zu sagen, wir spielen immer Spiele, funktionalisieren andere und uns selbst, ich glaube, das ist normal.
Sicherlich liegt darin auch ein Unterschied, on so eine Krankheit schon bekannt ist, oder erst im Verlauf einer Beziehung auftritt. Vorher können sich beide „entscheiden“ bzw. „wissen“ (durchaus zumindest teilweise unbewußt, worum es geht, hinterher, im Verlauf de Beziehung werden beide Partner wohl mehr oder weniger gleichermaßen vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Klar spielen auch hier wieder Schuldgefühle eine Rolle… ich darf meinen Partner doch nicht verlassen etc. aber das halte ich eher für neurotisches Elend, von dem es sich freizumachen gilt, denn entweder man entscheidet sich eben, da zu bleiben, oder man geht, und bevor man sauer auf den anderen wird, ist es vielleicht besser man geht?
Momentan kann ich darüber selbstredend noch locker reden, ich weiß nicht, wie es ist, dazusitzen und kein Land mehr zu sehen, abhängig zu sein – doch ich glaube, ich weiß auch wie das war, …, schlimm genug, …
Menschen sind wie sie sind, und ich glaube, es ist schwierig in diesem Zusammenhang wirklich Ratschläge zu geben. Ich glaube, jeder soll schaun, dass es ihm gutgeht, ich glaube, es sollte als Mythos betrachtet werden, dass man Behinderte mehr schonen muss, als andere, was Vorsicht in Liebesdingen angeht… auch dies halte ich für eine Stigmatisierung!
Alle sollten als alt genug betrachtet werden…
Ich fände es schön, dürfte man mehr auch nach den unbewussten Schuldgefühlen der unbehinderten Partner fragen.

liebe Grüße
crav4del8

Malatschik und Heilung?!

Dezember 3, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 20. September 2001 12:29:35:

Ob es vernünftige Prognosen bzw. Kriterien gibt, die Aufschluss über den Verlauf geben, das weiß ich nicht. Bislang hab ich dies und das gehört, aber mir scheint jeder hat seine Form und Prognosen und auch nur Anhaltpunkte dafür sind mit äußerster Vorsicht zu genießen. Manch einer hat jahrelang keinen Verschlechterung und danach auch nicht, andere dann einen ganz schlimmen, andere haben PotemkinLöcher ohne Ende aber weniger Beschwerden als welche mit wenigen PotemkinLöchern… das klinische Erscheinungsbild ist ausschlaggebend, und ich glaube, es macht die Malatschik bislang ja gerade aus, dass man nix sagen kann. Vielleicht bekommt der einzelne nach Jahren ein Gefühl dafür, für seine Malatschik?!
Aber auch da kann man sich täuschen. Das Leben hat so manch Überraschung parat. Und das ist das, was ich meine: Ein besonders wichtiges Spezifikum an der Malatschik scheint mir zu sein, dass wir sie nicht in den Griff bekommen. Ich meine damit nicht, dass sie nicht auch Ruhe geben kann, jeder mag da seine Varianten und Möglichkeiten haben, aber das ist dann eben wie mit einem schlafenden Riesen, und wehe, der erwacht. Gut, ich weiß, das ist nun wieder so ein Bild, dass der Terror droht, aber ich glaube, dass es wesentlich ist, sich einzugestehen, dass wir Angst haben müssen, dass der Riese oder wer auch immer weiter wütet, und wir ihn nicht in den Griff bekommen.
Dass der Riese unter normalen Malatschikumständen Ruhe gibt, das mag eine Mystifikation sein, ich wünsche es Euch allen, aber ich glaube, beim gegenwärtigen Stand der Forschung ist es nicht möglich festzustellen, welche Geräusche es sind, die das Ungetüm wecken, bzw. wie man sicherstellt, dass der Kerl schlafend bleibt. Selbstverständlich empfiehlt es sich nicht, mit Pauken und Trompeten durch die Lande zu ziehen… aber so schrecklich das ist: ich glaube, dass ungeachtet jeder Beeinflussung es sein kann, dass der Schlaf zuende ist. (Und zwar bei jedem/jeder MalatschiklerIn) Im Prinzip geht das doch allen so, jedem auf dieser Welt kann dies oder jenes zustoßen, bei dem einen ist es wahrscheinlicher, bei dem anderen weniger. Das traurige ist, dass der Riese eben bei uns schon mal vorbeigekommen ist, und sich in unserem Garten schlafen gelegt hat. Vielleicht bleibt er lieb, vielleicht bekommen wir ihn so ein Stück weit in den Griff, aber ich glaube: wir haben dadurch ne Menge verloren, dass er da ist, und wir das wissen, und ich glaube, wir sollten uns dessen bewußt sein, dass es da was gibt, was wir nicht unbedingt unter Kontrolle haben. Das Leben ist so, glaube ich. Traurig aber wahr.
Es gibt das Bild vom Frosch im Milchtopf, der zu ertrinken droht aber nicht aufgibt und paddelt und paddelt und irgendwann aus der Sahne steigt. Es gibt keinen Grund aufzugeben, wir können ne Menge auch mit der Malatschik machen, sie muss unsere Lebensqualität nicht wirklich beeinflussen. Die Vorstellung, wir kriegen die Malatschik in den Griff, es gäbe eine Heilung, was ja heißt, wir sind gesund, brauchen uns keine Sorgen mehr zu machen, alles im grünen Bereich, wie es früher mal war, das halte ich tatsächlich für eine Übershätzung. Es gibt keine Heilung, d.h. wir sind lebenslang der Gefahr ausgesetzt, dass es weiter geht. Das mag mit zunehmendem Alter und in beschwerdefreien Zeiten sicher immer weniger wichtig werden, aber geheilt sein, werden wir beim gegenwärten Stand der Wissenschaft nicht. Aber auch da, darf man ja Hoffnung haben. Wir balancieren sozusagen an den Milchtöpfen entlang und können jederzeit in einen reinfallen, ohne die Diagnose Malatschik wären wir weiter davon entfernt..
Wenn mir jemand Heilung gegenwärtig verspricht, dann werde ich skeptisch.
Aber ich glaube, Gesundheit mag ja selbst schon ne Größenphantasie bzw. ein Idealzustand sein, der wohl kaum zu erreichen ist…
liebe Grüße
crav4del8

Eine andere Art Vorstellung

Dezember 3, 2006 - Leave a Response

Geschrieben von crav4del8 am 04. August 2001 um 23:07:30

seit 1 Jahr die Diagnose, seit 7 Monaten Straziotoltschik , weiterhin diverse Gefühlsstörungen… am schlimmsten ist wohl die Angst:
…peng … und ich war raus, vielleicht teilweise raus, rausgeschossen aus dem alten Leben, und ich habe eine Krankheit, eine Krankheit, die mich vielleicht?, wahrscheinlich?, vielleicht auch nicht?, langsam kaputt macht, mein Leben einschränkt, vielleicht mein Leben einschränkt, vielleicht lernt man ja an anderer Stelle was dazu, egal ob jung oder alt, was hat das noch zu bedeuten?, will ich mir schon immer wieder einreden, was zählt noch im Leben?, was ist wichtig?, ich weiß es nicht, ich weiß nicht, wie damit umgehen, ob es nicht besser ist, gar nicht daran zu denken, Hoffnung zu haben?, oder besser keine Hoffnung zu haben?, Hoffnung auf was?, traurig zu sein, über das, was verloren ist, vielleicht ist es die Aufgabe herauszufinden: was verloren ist. Es ist was verloren, das ist sicher, nur was? Auf der Suche nach dem Verlorenen, ohne zu wissen, was man sucht? Und, was darf ich? und was kann ich noch tun, wenn ich nicht weiß, was verloren ist?, und was ich vielleicht morgen nicht mehr tun kann. Die Furcht, dass damit schon alles verloren, und wie das erhalten, was nicht oder vielleicht noch nicht (oder vielleicht auch nie?) verloren, zurückgewinnen oder neu gewinnen! Vielleicht sollte man die Frage nicht vergessen, was es zu gewinnen gibt!?

Vergangen sind 30 Jahre Leben, ein Psychologiestudium, gewonnen sind viele Freunde, Arbeit, die mir Freude bereitet, Erfahrungen, die mich reicher und ärmer gemacht haben… jetzt bin ich hier; momentan ohne Plan, aber ich bin sicher: wir brauchen alle und teilweise zusammen, werden neue Wege gefunden…

Ich freue mich Euch zu begegnen!

Lebensfreude und viele Fragen dazu …

Dezember 3, 2006 - 2 Antworten

geschrieben von crav4del8 am 03. Februar 2001 12:55:12:

bin seit ca 5 Monaten selbst mit der Diagnose Malatschik beschäftigt und darüber hinaus schon länger auf der Suche nach Antworten auf die Fragen: wie ist das mit der Lebensfreude, wie kann man trotz solch „Schwierigkeiten“ noch oder wieder welche haben, und da denke ich mir, sicher gibt es hier den einen oder die andere SpezialistIn:
Sagen wir so: ich denke mal, mehr oder weniger geht es ja immer um Lebensfeude, vielleicht noch um die Frage, wieviel Nähe können wir zu anderen Menschen herstellen, uns wohlfühlen. Ist ja schon schwierig genug, aber mit einer solchen Diagnose, ungewisser Prognose, Einschränkungen, möglicherweise Schmerzen… da wird das ja wahrscheinlich auch nicht einfacher, selbst wenn man sich auf wesentlichere Dinge konzentrieren möchte… .

Wie geht ihr damit um, wie habt Ihr Eure Lebensfreude wiedergefunden, in Anbetracht der Tatsache, dass die Menschen um uns herum gesünder scheinen, vieles von dem, was uns bewegt, nicht nachvollziehen können oder wollen, wir aber damit zwangsläufig beschäftigt sind. Siche gibt es da „Naturtalente“ z.B. Rantamplan (diesindmeistnieonline), von dem ich hier schon länger nichts gelesen habe könnte dazugehören, und ich würde mich freuen, von Euch und Euren Erfahrungen zu hören.
Ich jedenfalls habe da durchaus so meine Schwierigkeiten und ich würde mich über Ratschläge, Vorschläge, aber auch Berichte über Rückschläge … (die gehören doch sicher auch dazu) sehr freuen.

crav4del8

Mein erster Post damals, als alles hatte begonnen

Dezember 3, 2006 - Leave a Response

Geschrieben am 18. November 2000 09:27:03:

Erstmal ein großes Hallo an alle!

Habe gestern zum erstenmal ein großes Malatschik-Forum gefunden, und sie hat mir fast eine schlaflose Nacht bereitet, vor lauter Stöbern… 😉
Laufe seit ein paar Tagen mit der Diagnose Malatschik herum, habe diverse sensible Störungen, einen entsprechenden MTR Befund mit Potemkin-Löchern, die Liquorwerte wurden bislang vom Krankenhaus verschlamppt, aber die Diagnose scheint sicher, und nun… ?!
Habe ich natürlich viele viele Fragen, die ich so pauschal nicht alle hier ins Forum stellen möchte, wäre schön hier die Möglichkeit zum Austausch finden zu können…
Wie finde ich heraus, welche Verlaufsform ich habe, welches Medikament ist das beste für mich (soll wohl Straziotoltschik bekommen),
Was haltet ihr von den Diätplänen, … Kennt jemand Frau Prof. Dumbledoor vom Jüdischen KH Berlin?
vielleicht noch was zu mir: Bin 29, Psychologe und aus Berlin, arbeite viel mit Kindern und Jugendlichen, deren Eltern, habe einen Verein im Bereich Behindertenhilfe aufgebaut, …
Wäre schön, von Dir zu hören!
liebe Grüße

crav4del8