Partnerschaft mit Behinderten

Hallo Ihr!
Mir fiel dazu erstmal ne alte pauschale Deutung dazu ein, warum manche Frauen unbedingt Menschen mit schwarzer Hautfarbe heiraten, und auch wenn ich selbst dieses Argument nicht für sehr schlüssig halte, will ich es hier anbringen: die Deutung war, es geht um Schuld, die es wiedergutzumachen gilt, und deshalb läßt sich jemand auf einen stigmatisierten Menschen ein.
Ich erlebe mich so, dass ich mir immer mal wieder recht ähnliche Partnerinnen gesucht habe, sozusagen damit immer wieder die gleichen Themen auf den Tisch kommen…
Wieso sollte es da anders sein? Ich kann nicht glauben, dass man sich in jemand verliebt, der Behindert ist, ohne, dass man sich damit auch an der Behinderung „abzuarbeiten“ versucht. Es ist nicht egal, oder zufällig, dass dieser jemand behindert ist, sondern ich glaube, dass dies subjektiv eine Rolle spielt und somit eine Funktion hat. Welche ist von außen schwer zu sagen, wir spielen immer Spiele, funktionalisieren andere und uns selbst, ich glaube, das ist normal.
Sicherlich liegt darin auch ein Unterschied, on so eine Krankheit schon bekannt ist, oder erst im Verlauf einer Beziehung auftritt. Vorher können sich beide „entscheiden“ bzw. „wissen“ (durchaus zumindest teilweise unbewußt, worum es geht, hinterher, im Verlauf de Beziehung werden beide Partner wohl mehr oder weniger gleichermaßen vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Klar spielen auch hier wieder Schuldgefühle eine Rolle… ich darf meinen Partner doch nicht verlassen etc. aber das halte ich eher für neurotisches Elend, von dem es sich freizumachen gilt, denn entweder man entscheidet sich eben, da zu bleiben, oder man geht, und bevor man sauer auf den anderen wird, ist es vielleicht besser man geht?
Momentan kann ich darüber selbstredend noch locker reden, ich weiß nicht, wie es ist, dazusitzen und kein Land mehr zu sehen, abhängig zu sein – doch ich glaube, ich weiß auch wie das war, …, schlimm genug, …
Menschen sind wie sie sind, und ich glaube, es ist schwierig in diesem Zusammenhang wirklich Ratschläge zu geben. Ich glaube, jeder soll schaun, dass es ihm gutgeht, ich glaube, es sollte als Mythos betrachtet werden, dass man Behinderte mehr schonen muss, als andere, was Vorsicht in Liebesdingen angeht… auch dies halte ich für eine Stigmatisierung!
Alle sollten als alt genug betrachtet werden…
Ich fände es schön, dürfte man mehr auch nach den unbewussten Schuldgefühlen der unbehinderten Partner fragen.

liebe Grüße
crav4del8

2 Antworten

  1. Ich bin gerade auf dieses Blog gestoßen und auf diesen Text. Hui, das ist schon eine für mich merkwürdige Einstellung zum Thema Behinderung (oder Krankheit? Du unterscheidest das nie.).

    Bei Menschen, die aus Schuldgefühlen oder sonstigen Beweggründen, die nicht Liebe sind, mit einem behinderten Menschen eine Partnerschaft führen, hat die Beziehung keine große Chance auf Zukunft. Probleme, die entstehen sind häufig weniger durch die Behinderung selbst vorhanden, sondern durch das Umfeld. Wer Anfeindungen, Zweifel und Vorurteile gemeinsam aushält, schafft auch alles andere. Zu diesen Vorurteilen gehört übrigens auch, den Leuten Schuldgefühle oder was auch immer zu unterstellen, wenn sie einen behinderten Partner haben. Ich bin sicher, bei diesen Partnerschaften gibt es, genauso wie bei allen anderen, ein wichtiges Motiv und das heißt Liebe.

    Vielleicht ist ihnen die Behinderung des anderen einfach nicht so wichtig. Genauso nicht wie die Hautfarbe oder die Herkunft. In einer Partnerschaft spielt die Behinderung eines Partners eine weit unwichtigere Rolle als sich das manche so vorstellen. Es muss sich alles einspielen etc. Aber das muss es sich in jeder Beziehung. Und was die Partner angeht, die jemanden, nachdem er eine Behinderung bekommen hat, nicht verlassen: Ich wundere mich eher über die vielen zerbrochenen Partnerschaften. Ich habe allerdings schon oft gesagt bekommen, es war vorher schon nicht alles okay und dann kam die erste harte Bewährungsprobe und prompt knallt es. Wenn man einen anderen Menschen wirklich liebt, dann übersteht man auch die harte Zeit am Anfang gemeinsam. Und warum sollten sich diese Partner schuldig fühlen? Das sind alles Unterstellungen.

  2. Herzlich willkommen und Gratulation zum Fund 🙂

    Hm, eine Unterscheidung zwischen Krankheit und Behinderung? Behindert ist man, wenn man den Ausweis hat, würde ich sagen. Kranki ist man, wenn man nicht arbeits- und liebesfähig ist, oder entsprechend eingeschränkt wird. Das ist schon ein Unterschied. Weil ich den Ausweis habe bin ich behindert. Krank bin ich, weil ich teilweise heftige Symptome habe, die mich durchaus auch in Arbeit und Liebe behindern. Ohne diese Symptome wäre das zumindest anders.

    Ich glaube allerdings nicht, daß es einfach ist, bei Menschen die Gründe weshalb sie lieben so einfach zu verstehen und zu erkennen. Da bleibt (zum Glück!) das meiste im Dunkeln. Aber es gibt ein paar Ideen… .

    Die Grundidee hier ist, daß man vielleicht als Form einer „Wiedergutmachung“ sich einen Partner wählt mit Behinderung. Tritt die Behinderung erst dann auf, wenn man schon eine Partnerschaft miteinander hatte, dann macht diese These natürlich keinen Sinn.

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