Phantasien und eigene Erzählungen über Ursachen der Malatschik

Also: es gibt viele verschiedene Theorien, Paradigmen, wie wir uns die Welt zu erklären versuchen. Wissen ist subjektiv, DIE Wahrheit ebenfalls, das ist zumindest mein Credo.
Jetzt befasse ich mich wirklich schon sehr lange mit psychologischen Theorien, erlebe eine Psychoanalyse regelmässig am eigenen Leib, kenne mich somit in unbewußten Prozessen und Denken durchaus ein wenig aus, aber auch andere Ansätze sind mir nicht gerade fremd, Postmoderne, Kritische Psychologie…und momentan befinde ich mich eher nebenbei in einer systemischen Therapieausbildung. Soviel sagen wir mal zu meinem Theoriehintergrund.
Was ist die Ursache meiner Malatschik:
man könnte auch fragen: welche Erzählung erzähle ich mir und anderen über meine Malatschik:
Klar gibt es da gewisse Ängste, und Phantasien, wie ich die Malatschik „verursacht“ haben könnte, was ich alles falsch gemacht habe, und wofür die Malatschik die Strafe ist. Ich glaube daran, dass Menschen noch aus Kindheitstagen durchaus in gewissen Bereichen vielleicht immer so einem magischen Denken anhängen. Da hab ich durchaus ein paar Ideen, was Ursache sein könnte, man könnte auch „neurotischen Ängste“ dazu sagen?: Stress, Amalgam, naja das übliche und noch ein bißchen Spezifisches, und unbewußt glaube auch ich, an solche Dinge, bzw. ich kann finden, dass solche Vorstellungen in mir wirksam sind. Nur: sie sind selten besonders hilfreich! Ich leide an diesen Vorstellungen, ziehe vielleicht zuweilen auch ein wenig sekundären Krankheitsgewinn daraus, vielleicht muss das alles so sein, aber es könnte auch anders sein.
Antoniowsky (oder so) hat mal dazu geforscht, wie manche KZ-Häftlinge unter den fruchtbaren Bedingungen gesund bleiben konnten, und ein Treffen mit anderen Malatschik-Betroffenen hat mir gezeigt, und mich nachdenklich gemacht, dass es, selbst wenn es absolut heftig kommt, immer noch möglich ist, lebendig zu bleiben. Zumindest bis zu einem gewissen Grad, denn irgendwann ist man tot. Übrigens jeder oder jede, glaubt man nicht, dass Gott einen wie Henoch hinweg hebt, oder an das ewige Leben, und selbst davor…

In meiner Familie hat niemand Malatschik, hatte nie damit zu tun, bis zum „Ausbruch“, besonders heftige Stressfaktoren schließe ich auch aus. Vielleicht ne Infektion in der Pubertät, vielleicht dies, vielleicht das… ich weiß es nicht. Ist es für mich hilfreich es zu wissen?
Ja, vielleicht wäre es das, weil es mich beruhigen könnte, aber die Daten, Theorien etc. sind zu „weich“. Also muss ich glauben, phantasieren… aber:
Es passieren Dinge im Leben, das können wir nicht bestimmen. Warum regnet es ausgerechnet heute und gestern nicht? Welche Bedeutung hat das, hat es einen Sinn? … Es gibt Fragen, die mögen ganz einfach sinnlos sein, oder zumindest nicht hilfreich.
Ich fände es hilfreich, zu wissen, woher Malatschik kommt, weil man dann vielleicht mehr dagegen tun könnte, aber beim augenblicklichen Stand der Forschung sehe ich, dass man es nicht weiß.
Was ich mit z.B. analytischer Hilfe finden kann, ist, dass ich unbewußte Theorien, Schuld, Ängste und Vorstellungen darüber habe, die ich mir allerdings versuche bewußtzumachen, weil ich es letztendlich für magische Vorstellungen halte, die ich eben nicht für sehr hilfreich für mich halte.
Schon der alte Freud wußte auf die Frage einer Patientin, wie er denn ihr Leid lindern wolle, angesichts der schrecklichen Umstände, die Antwort, dass das Schicksal zweifelsohne mehr Macht hätte, als er, und es ihm gerademal darum gehen könnte, Wege zu finden, mit dem furchtbaren Schicksal besser zurechtzukommen. Aus neurotischem Elend soll „normales“ Unglücklichsein werden. Mehr geht eben nicht.
Die Frage ist also aus meiner Sicht: wann ist es hilfreich über die „Ursachen“ meiner Malatschik zu sprechen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es absolut sinnvoll ist, über die Vorstellungen und Erzählungen, die ich über meine Malatschik habe und erzähle zu sprechen. Aber nicht, weil man da viel „wahres“ findet, sondern, weil man so viel nicht sehr hilfreiches findet, was man loswerden kann. Zur „wahren“ Ursache bin ich damit allerdings bislang nicht gekommen, und ich zweifle auch schwer daran, dass mir Laie dies jemals gelingen könnte! Wir sind nicht Herr im eigenen Haus, auch wenn wir diese Kränkung nicht gerne sehen, zu oft habe ich erfahren, wie unbewußte Vorgänge mitspielen, wie schnell ich scheinbar „Lösungen“ nötig habe, vielleicht wird man irgendwann müde, oder realistisch, oder aber die eigene Frustrationstoleranz erhöht sich. Momentan ists vielleicht wie mit „Identitäten“. Wer heutzutage kein Identitätsproblem hat, der hat erst recht eins! Einfache Lösungen gibts es aus meiner Sicht keine, und man muss auch aushalten können, dass es keine Antworten gibt.
Und dazu ist es aus meiner Sicht wichtig, eigene Antworten in Frage zu stellen… und so auch wieder offen für andere Antworten zu sein, die zuweilen hilfreicher sein mögen.
Die Möglichkeit zu haben, möglichst viele Sichtweisen integrieren zu können, mag eine mögliche Definition sein, psychische Gesundheit zu definieren, und es ist sicher nicht die schlechteste, hab ich mal gelesen.
Was ist Gesundheit? In Afrika soll es einen Stamm geben, da haben die Männer viele Warzen im Gesicht. Wer sie zufällig nicht hat, wird ausgeschlossen, gilt als „krank“. Die Warzen sind nicht wirklich gefährlich… wer ist nun krank? der Mann ohne, oder die Mehrheit mit? Was ist Gesundheit? Ein Konstrukt, ein Ideal. „Arbeits- und Liebesfähigkeit“ hat der alte Freud gesagt.
Sind das luftige Höhen?
Ich finde es wichtig, dass es Menschen gibt, die herausfinden möchten, wie die Malatschik funktioniert. Wie man sie heilen kann… . Ich bin dankbar dafür und habe ein gewisses Vertrauen, dass es Fortschritte geben wird. Ich selbst habe mich dieser Forschung nicht verschrieben, auch wenn ich selbst an der Malatschik erkrankt bin und darunter leide. Ich versuche mir eher die Frage zu stellen, wie ich unter der nun gegebenen Bedingungen möglichst viel Lebensfreude haben kann… und wie es mir trotzdem möglichst gut geht damit. Das ist schon schwer genug, und ich glaube nicht, dass ich mir einen Gefallen damit täte, herausfinden zu wollen, wie die Malatschik nun funktioniert. Das ist viel Arbeit, wer weiß, vielleicht zeigen mögliche Herde Wirkung… es ist nicht mein Bereich, und: ich weiß nicht, woher meine Malatschik kommt, und womöglich werde ich es nie erfahren.
Ist es soo wichtig? Ich werde sterben. Irgendwann. Für mich hat die Malatschik diese und jene Bedeutung, aber auch die wechselt. Es kommt durchaus eben auch darauf an, wie ich das, was mir zustößt interpretiere.
Ich glaube manche Dinge kann man auch demütig hinnehmen. Zumindest mag das zuweilen hilfreich sein.

Ich glaub es reicht… einen Psychologen sollte man einfach nicht ins Schwadronieren kommen lassen… 😉

Ein wirklich demütiges Hinnehmen, scheint mir dies hier gerade ja auch nicht zu sein. Mir scheint eher, die geneigten LeserInnen haben sich hier Anerkennung verdient! 😉 Aber wenn ich schon mal „herausgefordert“ werde. Immerhin glaube ich, sind dies durchaus persönliche Worte… . Vielleicht waren sie ja auch hilfreich!
Ich wünsche es mir.
liebe Grüße
crav4del8

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