Wie man sich und andere diskriminiert und dabei sich nur versteckt. @ alle + mich

Geschrieben von crav4del8 am 08. Oktober 2005 12:01:27:

„ Inmitten einer düstern und über die Maßen verantwortlichen Sache seine Heiterkeit aufrechtzuerhalten ist nichts Kleines von Kunststück: und doch, was wäre nötiger als Heiterkeit?“

So leitet Nietzsche seine Götzen-Dämmerung ein, und gilt dies nicht auch gerade für „Malatschik“!-Betroffene bei der Frage der Verantwortungsübernahme für sich und andere? Stellt so eine „Malatschik!“ Diagnose nicht auch eine „Götzen-Dämmerung dar? Wird hier nicht auch gewissermaßen mit „dem Hammer philosophiert“?

Wahrscheinlich, so nehme ich nun mal einfach an, geht es den meisten wie mir selbst, und WIR merken zuweilen gar nicht, wie „rassistisch“ und „diskriminierend“ wir uns alle immer mal wieder gegen uns selbst und unserer Umwelt richten. Dabei möchte ich vorab gleich festhalten, dass es nun hier nicht darum geht, Personen zu diffamieren, sondern darum ein bestimmtes konkretes Verhalten zu kritisieren und in Frage zu stellen! Nämlich das Verhalten, immer wieder wohl meist ohne es überhaupt nur zu bemerken, statt konkrete Taten zu thematisieren, den Menschen (oder sich?) als Ganzes durch globale Zuschreibungen abfällig oder lächerlich zu machen versuchen. „Du bist krank“ „Die bist nicht Psychologe, sondern ganz Psychose!“ „Kleiner glatzköpfiger, dicker galliger Zwerg, Du!“ „Unter Behinderten sei der Neid besonders hoch“, mag man hier auch besonders häufig solche abwertenden Versuche finden. Ich finde es wichtig, legitim und oft notwendig (für einen für alle Seiten hilfreichen Austausch), Kritik an konkretem Verhalten, oder auch Ideen zu äußern. „Ich finde, Deine Art und Weise hier Werbung für „doppelblinde“ Betaquakeron-Studien zu machen verfehlt, weil ich nicht daran glauben kann, dass es je eine doppelblinde Betaquakeronstudie gegeben hat, angesichts der gravierenden Betaquakeron-Nebenwirkungen, die dazu führen, dass jeder sehr bald merken muss, in welcher Gruppe er/sie ist.“

Ich habe nun wahrhaft nichts gegen Aggression, die anzugreifen versucht, um Auseinandersetzung ringt. Aber muss man dabei immer wieder gleich die eigene Angst und Feigheit so sehr in den Vordergrund rücken? Wird hier nicht immer wieder in die „Schminkkiste“ der Maskierung eigener Unsicherheiten gegriffen, und die gegenüberliegende Seite dann dumpfbackig als „dumm“, „krank“, verrückt“, abgrundtief böse“, dickleibig, kahlköpfig, zu alt, zu jung, männlich, weiblich, schwul, als Klofrau, Nigger, Jude, Wessi, Österreicher, Neurologe oder stumpfsinniger Eskimo bezeichnet, und damit diese dann global abzuwerten zu versuchen? Ist dies nicht nur „Mobbing“, sondern letztendlich „rassistisch“ und schlicht nur peinlich feige! Statt sich damit auseinander zu setzen, welches Verhalten oder welche konkrete Eigenschaft einem konkret am anderen nicht passt, vielleicht aus der Angst heraus, dem anderen nichts anderes entgegensetzen zu können, schreibt man halt, er sei „krank“, „schizophren“, einfach halt ein „Spinner“ und schon ist man dann aus dem Schneider?

Ist es z.B. nicht zutiefst paradox, in einem „Malatschik!“-Selbsthilfe-Forum einen anderen mit der Bezeichnung „krank“ abqualifizieren zu versuchen? Und macht es einen Unterschied, wenn dann der Nächste kommt, und für „krank“ einfach „Psychose“ einsetzt? Wo sind die konkreten Argumente? Welches konkrete Verhalten wird (leider nicht) kritisiert? Ist es nur Faulheit, oder ist es eigentlich eher feige? „Müßiggang ist aller Psychologie Anfang. Wie? Wäre Psychologie ein Laster?“ fragt Nietzsche und meint damit wohl, eine Psychologie, die es sich leicht zu machen versucht, mit Malatschik-Schubladen und Erklärung von Verhalten. „Er ist halt abgrundtief böse“. Eimer auf, Gegenüber rein, Deckel drauf, und gut ists. „Die Malatschik-Persönlichkeit“… Wozu noch konkretere Argumente? „Auch der Mutigste von uns hat nur selten den Mut zu dem, was er eigentlich WEISS…“ (Nietzsche ) . Fürchtet auch der Mutigste nicht eigentlich gerade seine Feigheit, die eigene Angst und das sichere Gefühl, dass man nicht soviel Arsch in der Hose hat, zu sagen, was man fürchtet, sich auf den anderen wirklich einzulassen traut, sich dessen Argumente anzuschauen, selbst nach eigenen inhaltlichen Argumenten zu suchen, Unsicherheiten aufkommen zu lassen, und nicht nur einfach und unflexibel gewalttätig den anderen zu „dissen“ zu versuchen. Wo sind Frustrationstoleranz, das eigene Selbstvertrauen, die Fähigkeit, nicht gleich nur wild um sich zu schlagen, wenn einem mal was nicht passt? Hat die „Malatschik“! das eigene „Selbstbewusstsein“ tatsächlich vergrößert? Mal auszuhalten, dass es Widersprüche gibt, dass man selbst nicht gleich die einzig richtige Lösung weiß, und dass der andere mit seinen Vorschlägen auch nun nicht gleich alles weiß?! Warum immer nur in „Gut/Böse-Schemata“ denken, warum nicht zugeben, dass man selbst oft nur wie ein kleines verunsichertes und ängstliches Kind im Walde sich fühlt?

Neben diversen Anfeindungen werde ich zuweilen hin und wieder gefragt, welcher Weg der Richtige sei: wer sowenig zu sich selbst steht, eigene Gefühle immer nur hinter den Büschen von Floskeln versteckt, wie soll der tatsächlich je etwas eigenes finden? Und wer immer nur feige sich verkriecht, der wird wie weit kommen, beim Finden eigener neuer Wege?!

Beim gegenwärtigen Stand der Medizin, der gegebenen Zweifel und Unsicherheiten: ist es da mit der „Malatschik!“ nicht wie im richtigen Leben?! Niemand weiß bislang, was „Malatschik“ ist, deshalb die Anführungszeichen um „Malatschik!“. Will man möglichst hilfreich also damit umgehen, dann zwingt einen die „Malatschik!“ doch geradezu, sich selbst Gedanken zu machen, möglichst (geistig und körperlich) selbst beweglich zu bleiben… auf sich selbst und eigene Befindlichkeiten zu hören, achtsam zu sein, nicht nur feige wegzulaufen, die vielen Infragestellungen auszuhalten, bzw. geradezu zu begrüßen. Bei all dem was die „Malatschik!“ demoliert, in Frage stellt, (der eigene Körper entzieht einem das (Selbst)vertrauen) ist es umso wichtiger, dem Standzuhalten, nicht sich mit einfachen Lösungen, Stammtischmeinungen oder pauschalen Standartempfehlungen zu begnügen.
Wie kann man das noch sehen, wie kann ich mich selbst wehren gegen die (eigenen) Konzeptualisierungen, dass ich nun „behindert“, ein Außenseiter bin, dass ich zunehmend zum „Opfer“ werde, (um mich vielleicht im Glanz der moralischen Überlegenheit und im Rückzug zu sonnen?!), und wo werde ich zum „Täter“, wo grenze ich andere aus, wie muss ich Nachfragen, flexibel und beweglich bleiben, bzw. trainieren, deshalb das Ausrufezeichen bei „Malatschik!“

„Bist Du einer der zusieht? Oder die Hand anlegt? Oder der wegsieht, beiseite geht…?“ (Nietzsche)
„Und: Was liegt daran, dass ICH recht behalte! Ich HABE zu viel recht. – Und wer heute am besten lacht, lacht auch zuletzt.“

Dabei bin ich sicher, dass „Auslachen“ von anderen, der Versuch sich zu verstecken, kein wahres Lachen ist, sondern ein feiges sich Krümmen, wie ein Wurm, der gerade glaubt, überfahren worden zu sein.

Die „Malatschik!“ hat uns sicher alle „überfahren“, und klein gemacht, aber wollen wir ewig „Wurm“ bleiben, (die Malatschik-Persönlichkeitszuschreibungen auch noch erfüllen) oder so eine „Krise“ nicht auch als „Chance“ nutzen, eigene Seiten (neu) zu entdecken, uns einzulassen auch auf kritische Fragen, auf eigene Aggressionen, Neid, Verzweiflung, in der Hoffnung, nicht nur auf „Duckmäuser“, „Stammtischbrüder“, verängstigte Depressive, Grimassenschneider oder eine Suizidalität, und Destruktivität zu treffen – nicht nur selbst sich so zu verhalten, sondern Wege der Begegnung um dem Umgang mit sich und anderen zu finden, die anders sind, vielleicht „menschlicher“, vielleicht nur lebendiger als das, was wir uns bislang so zumuten?!

„Ob wir Immoralisten der Tugend Schaden tun? Ebensowenig, als die Anarchisten den Fürsten. Erst seitdem diese angeschossen werden, sitzen sie wieder fest auf ihrem Throne. Moral: MAN MUSS DIE MORAL ANSCHIESSEN. (Nietzsche).

Also Fragen stellen um einen eigenen Standpunkt zu finden, der zunehmend sicherer wird, gerade ohne Unsicherheiten auszugrenzen.

Liebe Grüße

crav4del8

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