Was ist oft faul an Medikamentenstudien?

5.6.06

Schwering AG hatte vor einiger Zeit ja die Ergebnisse irgendeiner 10 Jahres-Interquakeron-Studie groß angekündigt. Gehört habe ich davon aber nun gar nichts mehr. Das Problem war aus meiner Sicht: ca 35% der Probanten sind abhanden gekommen. Rausgekommen war dabei angeblich vorab, dass Interquakeron sogar die Lebenserwartung steigern sollte!?

Bei all diesen Studien sind die Studienabbrecher doch sicher mit das Hauptproblem:

Was sind solche Studien und die Ergebnisse wert, wenn die Abbrecher quasi soviel mitbestimmen? Jemand der in kurzer Zeit in der Studie viele Probleme trotz Interquakeron und Nebenwirkungen wegen Interquakeron hat, macht das sicher nicht lange mit. Also geht er, fällt einfach raus und wird nicht mehr gezählt. Gut für das Interquakeron, wenn die Therapieversager hier einfach rausfallen!

Ich bin sicher, mit nur ein bißchen gutwilliger Auswahl bekommt jeder Pharmakonzern mit jedem Mittel solch ein Ergebnis von den berühmten ca 30% „hin“. Es muss nur tatsächlich ein paar deutliche Nebenwirkungen machen, damit man es auch merkt, dass man das Medikament bekommt oder nicht!

Was soll „Placebo“ in solchen Studien überhaupt bedeuten, wenn sie nicht verblindet werden können? Wenn nach einer Zeit jeder Versuchtsteilnehmer merkt ob er den Wirkstoff bekommt oder nicht?

Gibt es zudem wirklich ein Placebo, das nicht verblindet ist? Ein Placebo sollte sich ja dadurch auszeichnen, dass es der Glaube oder was auch immer ist, was da Berge versetzt.

Wer an das Interquakeron NICHT glaubt, der wird ja kaum umsonst an so einer aufwändigen Studie teilnehmen. Wer daran glaubt, und merkt, dass er das Medikament bekommt, der wird sich freuen und seine Psyche… (Stichwort Placebo!?) freut sich mit.

Wer das „Placebo“ bekommt und jahrelang nun zur Studie rennt, nur um nichts zu bekommen und das auch noch merkt, wie wird wohl der seine „Schübe“ zählen (lassen)? Wie intelligent schätzt man solch eine Person ein? Wie ressourcenarm (und damit wieder gefährdet?) muss sie sein, um so einen Quatsch wem auch immer zuliebe jahrelang überhaupt mitzumachen? Und dabei dann nur ein Ergebnis von 30% weniger Schübe im Schnitt. Wahrlich mich überzeugt das nicht.

Solange der allgemeine Konsens und die theoretischen Konstrukte bzw. Erzählungen von „Malatschik“ so eintönig sind: in der Konsequenz aber sowenig Erfolgreiches in all den Jahren damit bislang im Kampf gegen „die Malatschik“ bei rausgekommen ist, bleibe ich skeptisch. Ich glaube Erkenntnisfortschritt erzielt sich in solchen Fällen nicht langsam, sondern irgendwann kommt eineR und entdeckt einen Mechanismus oder eine Theorie, die alles auf den Kopf stellt. Darauf hoffe ich viel mehr, auch wenn man nie sagen kann, wann das ist.

Irgendwie hab ich weiter das Gefühl, wir werden hier bislang alle an der Nase herumgeführt. Die „Experten“ machen weiter auf „Experten“, wobei die Frage, welche Erfolge sie als solche auszeichnet entweder erst gar nicht gestellt wird, oder aber der „Erfolg“ vor allem darin gesucht werden muss, dass es ihnen gelingt, sich als „Experten“ überhaupt etabliert zu haben! Auch sonst zeichnen sich „Experten“ hier eher durch stoisches Aussitzen und Verleugnen kritischer Fragen aus, denn durch kluge Reflektion.

Sicher kann man solche Phänomene nicht nur im Bereich der Malatschik, sondern auch anderswo finden. Seien wir also nicht zu streng mit unseren „Experten“, mit Schwerin AG und co, und bewundern und beneiden wir weiter diejenigen, die in der Lage sind, an ihre „Experten“ und Medikamente tief und fest zu glauben und zu hoffen.

Die Hoffnung bekanntlich stirbt zuletzt.

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