Verzweiflung

19.6.02 (für Pe)

Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen… aber das ist wohl vielleicht auch das Schicksal der Clownerie… 😉

Die Malatschik ist furchtbar und zum Verzweifeln! Und zwar für alle. Glaub ich. (vielleicht gelingt es dem einen oder anderen die Tatsache gut zu verdrängen und der Verlauf ist bland. Mag ja sein, so als sicher seltene Ausnahme.)
Ansonsten: „Leichter Verlauf“???! Allein die Diagnose ist dermassen knüppeldick hart, dass es u.a. mit Neid seitens der „härteren Fälle“ zu begründen sein mag, dass sie nicht sehen wollen, wie schlimm das ist, mit solche einer Bedrohung und vielleicht „nur“ leichteren Symptomen konfrontiert zu sein. Sprüche der Form „Du wirst noch sehen“ etc. halte ich meistens einfach nur für sehr sadistisch, für gar nicht besonders einfühlsam und für sehr wenig hilfreich. (Niemand weiß was kommt, und auch den eigenen Suizid an die Wand zu malen, statt der Verzweiflung Raum zu lassen, mag vor diesem Hintergrund durchaus problematisch sein…wobei jedeR selbst wissen muss worauf er/sie sich hier einläßt…)
Aus psychischer Sicht gibt es keine leichte Form von Malatschik bzw.: niemand hat das Recht sowas zu behaupten. (Manchmal ist die Drohnung schlimmer als die Ausführung bzw. in dem Fall die Behinderung, weiß man als alte SchachspielerIn) Klar sind die Erfahrungen der langjährigen Schwererbetroffenen wichtig, aber deren „kluge Sprüche“ sind sicher allemal wenig hilfreich.

Weiter mit der eigentlichen These:

Es gilt die Verzweiflung anzuerkennen, zu tragen und wenn möglich zu teilen. Und zwar auch für alle.
Wer sich hier eine längere Zeit lang aufhält, der hat einen guten Grund dazu. Das Forum mag zuallererst der Ort der Fragen und des Austausches sein, aber nach 1-2 Jahren Diagnose werden die Fragen sicher weniger. Und eine Frage bleibt: wie gehe ich mit meiner Verzweiflung um. Wie trage ich sie? Oder: wie wird sie versteckt…?
(Und warum um Gottes Willen suche ich geradezu weitere Menschen, die dieselbe Krankheit haben? Ist es nicht viel viel schwerer sich „doppelte“ Sorgen machen zu müssen, das Thema somit als gemeinsames sozusagen gleichmal vorneweg zu „zementieren“? Ich glaube nicht, dass es unter Malatschik Kranken leichter ist, die Verzweiflung zu teilen. Beidseitige Verzweiflung macht die Sache nicht wirklich leichter, so zumindest meine Erfahrung. (Trifft ein verzweifeltes Kind auf einen noch verzweifelteren Vater, wird es wenig Trost und Halt zu finden vermögen…) Womit ich prinzipiell nichts gegen Kontakte unter Malatschiklern sagen möchte. Ein gewisser Austausch ist sicher wichtig. Nur nimmt die Gefahr meiner eigenen Erfahrung nach schnell überhand, dass man fast nur noch Mitbetroffene kennt…. Vielleicht, so eine These, ist es unter unsereins sogar nur leichter, die Verzweiflung besser gemeinsam zu verstecken? Jemand der nicht betroffen ist, mag viel mehr „ertragen“, eben weil er nicht betroffen ist… . Auch eine Erfahrung meinerseits, die sicher nicht generalisiert werden muss.)

Und um bei mir selbst zu bleiben:

Hat man sich hier eingelebt geht das Theater spätestens los: man beginnt sich zu streiten, ich versuche anderen nachzuweisen, dass es deren Strategie ja nicht sein kann, (m)ein Ringen beginnt.
Wozu? Letztendlich doch nur deshalb um meine eigene Verzweiflung wieder zu überspielen?

Miteinander reden heißt auch immer streiten. Darum zu ringen, dass man gemeinsame Aspekte findet, die man zuvor noch nicht kannte. Nur, wenn das eigentlich Gemeinsame erst so furchtbar ist, dass es nicht zu bewältigen scheint, was denn?

Ich kenne, -mich einschließlich- niemanden, von dem oder der ich sagen würde: er oder sie hat es (psychisch) geschafft, mit seiner Malatschik klarzukommen. Aber ich bin sicher: es gibt solche Menschen! Nur: sie machen sicher nicht soviele Faxen wie ich; sind still oder eher leise. Reden weniger und hören wahrscheinlich mehr zu, kümmern sich wahrscheinlich nicht um jeden „Mist“, sondern bleiben bei sich und kehren ihre Verzweiflung, ihren Neid, ihre Enttäuschung und ihre Wünsche! trotzdem auch nicht unter den Tisch.

Das ist vielleicht nur mein Ideal „psychischer Gesundheit“ trotz körperlicher Krankheit, aber immerhin mal eins! und ich höre ja auch schon wieder auf hier zu dozieren.

Das viele „Stammeln“ meinerseits ist es nämlich sicher eben auch gerade nicht! (Auch wenn es eine Predigt vorwiegend an mich selbst ist, wie wahrscheinlich aber ja eh immer… 😉 )

Vielen Dank für die vielen Begegnungen!

Mir waren sie sehr wichtig und lehrreich (wie ich zu sehen glaube), und immerhin besteht ja die Möglichkeit, dass auch manche meiner Ideen (jenseits einer Projektionsfläche für diverse paranoide oder sonstige neurotische Verstrickungen) für den einen oder die andere hier wichtig gewesen sein könnten, was ich mir sehr wünsche.

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